„Das wollten wir bewusst ändern und gehen mit Crowdfunding ganz neue Wege für die Branche.“ – Thomas Steinemann zum Funding für die älteste Uhrenmarke der Schweiz

Klaus-Martin Meyer: Herr Steinemann, Sie haben im Jahr 2010 die PHILIPPE DUBOIS & FILS SA gekauft. Können Sie sich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Thomas Steinemann: Ich habe in den letzten 35 Jahren viele Funktionen in der Uhrenindustrie ausgeübt und dabei fast alle entscheidenden Bereiche kennengelernt. Design, Produktentwicklung, Produktion und Vertrieb sind die entscheidenden Schritte im Aufbau eines Unternehmens. Nach etlichen Jahren im Geschäft mit eher modischen Uhren wollte ich etwas Kleines, aber Feines machen – und ich begann zu suchen. Ich wollte mit einer Marke, die meinen Wünschen entspricht, eine Prinzessin wachküssen. Die Möglichkeit, mit Philippe DuBois & Fils die älteste Uhrenfabrik übernehmen zu können, war dann natürlich einmalig und genau das, was ich gesucht habe. DuBois et fils ist eine der ältesten Uhrenmarken der Welt und das wird sie auch immer bleiben. Was kann es Schöneres geben, als dieser Marke neues Leben einzuhauchen und ihr zu neuem Glanz zu verhelfen. Wir haben eine neue Kollektion entworfen, die in allen Punkten der Tradition entspricht: Qualität, Einzigartigkeit und Design. Und das vereint in einzelnen Modellen, von denen es jeweils nur 99 Stück geben wird.

Klaus-Martin Meyer: Die älteste Uhrenmarke der Schweiz macht mit Hilfe eines Crowdfundings eine Kapitalerhöhung. Wie gut passen Tradition und Innovation zusammen?

Thomas Steinemann: Die Uhrenbranche verbindet seit jeher Tradition und Innovation. Wenn wir die Produkte der letzten Jahre betrachten, hat sich viel getan: Neue Materialien, die Bearbeitung der Gehäuse und vor allem auch die Technik in den Werken zeugen von maßgeblichen Innovationen der Branche. Nach außen treten die Firmen aber meist sehr traditionell auf – da spiegelt sich keine Innovation wider. Das wollten wir bewusst ändern und gehen mit Crowdfunding ganz neue Wege für die Branche. Wir öffnen uns den Aktionären auf eine andere Weise – und öffnen uns vor allem Uhrenfreunden und Anlegern, Teil einer Uhrenfabrik zu sein. Einzelne Maßnahmen wie das öffentliche Anbieten eines Rabattes für die Aktionäre sind in der Uhrenbranche sehr unüblich und möglicherweise auch nicht gern gesehen. Für DuBois et fils hört also die Innovation nicht beim Produkt auf, sondern sie geht weit darüber hinaus und hat einen ganzheitlichen Anspruch für das gesamte Unternehmen, an dem nun jeder Teil haben kann. Das Crowdfunding ist dabei nur der Anfang.

Klaus-Martin Meyer: Angesichts des hohen Kapitaleinsatzes, mit dem z.B. in Glashütte alte Uhrenmarken reanimiert werden, erscheint Ihre Kapitalerhöhung geradezu bescheiden. Stehen evtl. Werbe- und Suskriptionseffekt im Vordergrund?

Thomas Steinemann: Wir maßen uns keinesfalls an, dass wir nach dieser Kapitalerhöhung auf Augenhöhe mit den etablierten Marken stehen. Die Frage ist auch, ob wir das wollen. Es gibt genügend Anbieter im Markt, die mit teuren Prominenten Uhren verkaufen – genau den Anspruch haben wir nicht. Wir wollen echt sein, und deswegen öffnen wir uns den Menschen über das Aktionärsmodell. So schaffen wir Transparenz – das bietet keiner der Etablierten. DuBois et fils soll langfristig erfolgreich im Markt positioniert werden und ein schnelles Wachstum ist nicht geplant. Der Ansatzpunkt, der wirklich neu ist bei diesem Projekt, ist, dass wir die neuen Aktionäre aktiv in unsere Geschäftstätigkeit einbinden werden. Die Absicht ist, eine neuartige Verbindung von Marke und Aktionär zu schaffen. Diese Leute vertrauen uns und stellen uns Kapital zur Verfügung. Sie haben also einerseits ein Anrecht auf Information und Mitsprache, sind aber auf der anderen Seite die wichtigsten Markenbotschafter, die ein Unternehmen haben kann. Sie sollen hinter dem eigenen Engagement im Rahmen der Beteiligung stehen, und damit hinter der Marke DuBois et fils.

Klaus-Martin Meyer: Die offerierten Rabatte erscheinen mir bei PHILIPPE DUBOIS & FILS SA höchst attraktiv. Aus meiner Sicht schöpfen viele Kapital suchende Firmen beim Crowdfunding diesen Punkt nicht ansatzweise aus. Für wie wichtig halten Sie diesen Anreiz, zumal man über den Rabatt beim Verkauf einer Uhr ja bereits eine phantastische Rendite erzielen könnte.

Thomas Steinemann: Vielfach sind wir heute Aktionäre – einfach weil wir Anleger in Fonds oder Aktien sind. Viele dieser Beteiligungen haben uns in den letzten Jahren aber keine Freude gemacht – ich bin mir sicher, dass diese Situation in der Zukunft in unserem Verhalten, Geld anzulegen, viel verändern wird. Wo und in was wir investieren wird sehr viel wichtiger werden und Nachhaltigkeit spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Der Wiederaufbau einer Marke ist keine kurzfristige Sache. Der Investor braucht bis zur Wertsteigerung der Marke Zeit und Geduld. Deshalb ist dieser Anreiz, eine DuBois et fils Uhr mit Rabatt kaufen zu können, von entscheidender Wichtigkeit. Dazu zählt auch die Möglichkeit, einen schnellen Profit aus dem Investment zu ziehen. Das ist sicher über den Verkauf der Uhren möglich. Die Beteiligung soll Freude bereiten! Am eigenen Handgelenk, beim Wiederverkauf, beim Gespräch unter Freunden – wir möchten eine enthusiastische Familie um unsere Fabrik herum haben.

PHILIPPE DUBOIS & FILS SA

Klaus-Martin Meyer: Es gibt zahlreiche Crowdfunding-Marktplätze. Warum ziehen Sie das Funding in Eigenregie durch?

Thomas Steinemann: Die bekannteste amerikanische Plattform stand uns aus rechtlichen Gründen nicht zur Verfügung. Die Hürden für ein Schweizer Unternehmen wären in den USA zu hoch gewesen. In Europa sind die Plattformen, die es zum Beispiel auch in der Schweiz und Deutschland gibt, noch nicht ganz soweit, dass sie Crowdfunding in unserer Größenordnung anbieten. Weiter war es uns auch wichtig, dass wir das Projekt in einem hochwertigen Umfeld präsentieren können und es auch laufend weiterentwickeln.
Wir waren also auch in dieser Sache gezwungen, neue Wege zu gehen und den Versuch zu wagen, das Crowdfunding auf unserer eigenen Homepage zu starten. Das bisherige Feedback zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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