Interview mit Tino Kreßner über startnext und die kritischen Erfolgsfaktoren des Crowdfundings

startnext

Klaus-Martin Meyer: Tino, Du bist der COO von startnext. Könntest Du dich und startnext bitte kurz vorstellen?

Tino Kreßner: Startnext ist eine Crowdfunding Plattform für kreative Projekte. Ab August 2009 haben wir mit der Konzeption und Entwicklung begonnen und ab September 2010 konnten sich die ersten Projekte anmelden.
Gegründet wurde Startnext von Denis Bartelt und mir. Denis ist ausgebildeter Fotograf und ich habe während meines Studiums vor allem Filme produziert und
als Designer gearbeitet. Die Softwarebasis von Startnext wurde von tyclipso.net entwickelt, einer Online-Agentur, die Denis 2003 als Inhaber gegründet hat. Heute haben wir bei Startnext 360 erfolgreiche Projekte und fast 1,5 Mio. Euro, die über diese Plattform geflossen sind.

Klaus-Martin Meyer: Startnext ist augenscheinlich die größte deutsche Crowdfunding-Plattform für kreative und innovative Projekte. Ihr habt damit sicher auch den besten Überblick, was funktioniert und was nicht. Was sind die kritischen Erfolgsfaktoren für ein Funding?

Tino Kreßner: Crowdfunding ist ein Social Media Instrument zur Finanzierung. Als Basis gelten also die Regeln für Erfolg im Web 2.0: Authentizität, Kommunikation auf Augenhöhe und Transparenz. Gleichzeitig sind durch die Schnelligkeit der Kommunikation und Anonymität des Netzes Bilder und Videos sehr wichtig. Hinzu kommen die Erfolgsfaktoren aus dem Bereich Mundpropaganda-Marketing: Eine klare und einfache Botschaft und ein leicht teilbares Kampagnengut. Als Besonderheit beim Crowdfunding kommt die begrenzte Kampagnendauer hinzu und das sog. Alles-oder-Nichts-Prinzip, wodurch beim Crowdfunding für beide Seiten kein Risiko besteht.

Klaus-Martin Meyer: Mit Startnext und Seedmatch sorgen gleich zwei Crowdfunding-Marktplätze aus Dresden für Furore. Gibt es für diese regionale Stärke eine Erklärung oder ist es einfach nur ein Zufall?

Tino Kreßner: In der Konzeptionsphase haben wir uns durch regen Austausch unterstützt. Beide Plattformen verfolgen unterschiedliche Ziele und sprechen
unterschiedliche Zielgruppen an. Die Philosophie hinter beiden Plattformen ist ähnlich. Ich finde, dass Seedmatch einen außerordentlichen guten Job macht und inzwischen sehr erfolgreich ist.

Klaus-Martin Meyer: Laut Süddeutscher Zeitung habt ihr im Bereich des Crowdfundings bereits neue Geschäftsfelder erschlossen. Wie kam es dazu?

Tino Kreßner: Durch Crowdfunding ergeben sich neue Berufe, wie zum Beispiel der Fan-Relation-Manager oder der Crowdfunding-Kampagnen-Manager. Für Kreative ist die Beziehung zu Fans und damit potenziellen Supportern enorm bedeutend. Gleichzeitig ist die Pflege dieser Beziehung aber auch die Durchführung der Kampagne mit Arbeit verbunden. Diese Arbeit ist eine andere als der Antragsprozess bei Fördermitteln oder die Überzeugung eines Investors bzw. Labels. Schon heute bilden sich Crowdfunding-Experten heraus, die Kreative bei ihren Kampagnen unterstützen.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell sind einige Marktplätze in einer schwierigen Situation. Wie wird sich aus Deiner Sicht der Markt in den kommenden Jahren
entwickeln?

Tino Kreßner: Das Geschäftsmodell konnte sich jeder vor Plattform-Gründung ausrechnen. Wir haben ca. ein Jahr den deutschen Markt genau analysiert und
sind mit den Entwicklungen heute sehr zufrieden. Der Unterschied zum amerikanischen Markt ist keine Überraschung und vielleicht genau unser Vorteil. Uns war bewusst, dass ein reiner Betrieb durch Provisionen schwer werden wird, wodurch wir frühzeitig das sog. Freemium-Modell und die Individualisierung der Technologie in Betracht gezogen haben. Wir verfolgen zum Beispiel eine Offline-Strategie mit unseren Web2print-Lösungen und eine Regionalisierungs-Strategie mit den Städteportalen.

In Zukunft wird Crowdfunding ein Teil der eigenen Finanzstrategie sein und das nicht nur im Bereich des Risikokapitals. Crowdfunding wird in allen Bereichen Fuß fassen und vor allem dann funktionieren, wenn die Bürgerbeteiligung bzw. Involvierung von Fans ein Vorteil für das Vorhaben bzw. das Produkt ist. Crowdfunding wird niemals die öffentliche Förderung ablösen, sondern sich parallel entwickeln.

Video über startnext:

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