„Unsere Plattform ermöglicht es Gründern, ihre Geschäftsidee einem großen Investorenpool vorzustellen und um deren Gunst zu werben.“ – Im Gespräch mit Kristin Lieder (Gründerplus)

Gründerplus

Klaus-Martin Meyer: Kristin, Du bist in der Geschäftsleitung von Gründerplus. Könntest Du dich und Gründerplus bitte kurz vorstellen?

Kristin Lieder: Hallo Klaus-Martin, ich bin Kristin Lieder und begleite das einstige Händlerbund Projekt „Gründerplus“ von Beginn an. Seit Juli diesen Jahres bin ich bei Gründerplus Teil der Geschäftsleitung und für die StartUp- und Investorenbetreuung verantwortlich. Ich bin studierte Diplom-Betriebswirtin (BA) und habe sechs Jahre lang zahlreiche Erfahrungen im Bankensektor sammeln können. Schnell habe ich mich auch im Bankenbereich auf die selbstständigen Kunden spezialisiert und kenne dadurch natürlich auch alle Vor- und Nachteile des deutschen Unternehmertums. Gründerplus ist daher auch nicht nur eine Projektinitiative geblieben, sondern hat sich zu einer eigenständigen Tochterfirma des Händlerbundes entwickelt, um hier den Gründern und Selbstständigen – vor allem im E-Commerce – einen Mehrwert bieten zu können.

Der Händlerbund ist schon seit 2008 im E-Commerce tätig und Europas größter Onlinehandelsverband mit über 14.000 geprüften Online-Präsenzen.

Die Gründerplus GmbH hat sich auf die Unterstützung von StartUps aus dem E-Commerce Bereich spezialisiert. Angefangen haben wir mit unserem Infoportal, welches seit September 2011 online ist und Gründer mit News und Tipps aus der Gründerszene versorgt. Zwei Monate später folgte der Gründerplus eCommerce Inkubator. Mit diesem bieten wir Gründern eine umfangreiche Hilfestellung, angefangen bei der Formulierung der Geschäftsidee, der Aufstellung einer vielversprechenden Marketing- und PR-Strategie, dem Erstellen eines aussagekräftigen Businessplans und schließlich dem erfolgreichen Markteintritt. Derzeit begleiten wir zwei stationäre Unternehmen beim Start in die E-Commerce-Branche.

Mit unserer Gründerplus Crowdinvesting Plattform können wir Gründer nun auch bei der Kapitalsuche unterstützen. Unsere Plattform ermöglicht es ihnen, ihre Geschäftsidee einem großen Investorenpool vorzustellen und um deren Gunst zu werben. Beteiligungen am StartUp sind dabei schon ab 50€ möglich. Zur Präsentation können Gründer einen Imageclip, ihren Businessplan und ein Fact Sheet veröffentlichen. Neben der Kapitalsuche für StartUps ermöglichen wir auch bestehenden Firmen eine Finanzierung über die Seed-Phase über Gründerplus zu generieren.

Wir selbst konnten schon einige Erfahrungen aus Sicht eines Gründers sammeln. Im Mai 2012 fundeten wir uns über eine Vorabversion der Gründerplus Crowdinvesting Plattform selbst und konnten damit 115% unseres Kapitalbedarfs decken. In dieser Zeit erhielten wir tiefere Einblicke in den eigenen Fundingprozess und in die Bedürfnisse der Gründer. Diese Erkenntnisse flossen in die Entwicklung der finalen Plattform mit ein. Wir arbeiten unter Hochdruck an der finalen Plattform, befinden uns derzeit bei den abschließenden Plattformtest, sodass wir in Kürze launchen werden.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell buhlen diverse Crowdfunding-Plattformen um die Gunst von Startups und Anlegern. Wie wollt Ihr beide Parteien in ausreichender Anzahl zu Gründerplus locken?

Kristin Lieder: Wir profitieren vom umfangreiche Netzwerk an Investoren, Partnern und Gründern des Händlerbundes. Zudem schafft diese Verbindung Vertrauen bei den Nutzern, da es uns ermöglicht wird, bei vielen Prozessen eine anwaltliche Betreuung oder auch die treuhänderische Abwicklung des Zahlungsverkehrs anzubieten.

Weiterhin haben wir schon im Vorfeld begonnen, uns eine große Gründerplus-Community aufzubauen. Durch das erwähnte Gründerplus Infoportal konnten wir eine große Reichweite erzielen und uns eine Fangemeinde in den sozialen Netzwerken aufbauen. Bei Facebook sind es bereits jetzt über 4.500 Fans! Durch unser eigenes Funding erreichten wir schon vor dem eigentlichen Start der Plattform mediale Aufmerksamkeit und Bekanntheit in der Szene.

Auch in Zukunft werden wir viel Energie ins Marketing stecken und unser aufgebautes Netzwerk aktivieren. Konsequenter Kontakt zu wichtigen Blogbetreibern, das Buchen von Bannerplätzen und die Nutzung der Sozialen Netzwerke sind bei der Vermarktung der Plattform und der dort vorgestellten Projekte ein fester Bestandteil unserer Arbeit.

Klaus-Martin Meyer: In meiner Wahrnehmung betonen alle Marktplatzbetreiber eine wichtige Eigenheit. Für welche Besonderheit steht Gründerplus?

Kristin Lieder: Mit unserer Spezialisierung auf Gründungen im E-Commerce können wir eine Nische im Investmentmarkt besetzen. Das nötige Know How auf diesem Gebiet erhalten wir von unserem Initiator, dem Händlerbund. Der größte Onlinehandelsverband Europas verfügt über jahrelange Erfahrungen im Onlinehandel. Diese kommt uns besonders bei der Auswahl geeigneter Projekte zugute.

Gründer im E-Commerce haben es besonders schwer auf dem traditionellen Weg an Startkapital zu gelangen, da deren Potential von Banken und anderen Darlehensgebern oft nicht erkannt wird und sie durch festgefahrene Muster fallen. Unserer Erfahrung nach gibt es viele spannende und innovative Geschäftsideen auf diesem Gebiet, die auf jeden Fall eine Chance verdienen!

Klaus-Martin Meyer: Worauf sollte aus deiner Sicht ein Kapital suchendes Startup bei der Wahl des richtigen Crowdfunding-Marktplatzes achten?

Kristin Lieder: Bei der Auswahl der richtigen Crowdfunding Plattform sollte man auf jeden Fall prüfen, ob die Ausrichtung der Plattform zur eigenen Geschäftsidee passt. Anhand der Ausrichtung kann man bereits erkennen, welche Erwartungen und Vorlieben die Investoren in Bezug auf potentielle Investmentprojekte haben. Wählt man die falsche Plattform aus, hat man schon zu Beginn nur bedingte Erfolgschancen, da die Zielgruppe verfehlt wird. Allgemein sollte man natürlich mit den gesamten Rahmenbedingungen zufrieden sein und sich gut aufgehoben fühlen.

Ein weiterer erfolgsentscheidender Faktor ist die Bekanntheit der Plattform. Je größer die aufgebaute Fangemeinde, desto größer ist auch die Chance, Investoren zu überzeugen. Außerdem sollte man vergleichen, wie die jeweiligen Plattformen das eigene Projekt bewerben und welche Möglichkeiten ihnen dabei zur Verfügung stehen. Wir werden unsere Projekte vor, während und im Anschluss an das Funding bewerben. Dafür nutzen wir unter anderem Social Media Posts, Bannerschaltungen, unseren Newsletter, Blogbeiträge und Interviews.

Klaus-Martin Meyer: Mir scheint es beim Crowdfunding ein Ost-West-Gefälle zu geben. Die Mehrheit der Plattformen scheint im Osten (und damit ist nicht einmal
Berlin gemeint) beheimatet zu sein. Hast Du hierfür eine Erklärung?

Kristin Lieder: Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Ich denke, hier spielen viele Faktoren wie beispielsweise das vorhandene Gründungskapital eine Rolle. Da jedoch die Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet kommen und zumindest bei uns keine Spezialisierung auf den ostdeutschen Markt zu Grunde liegt, wäre das vielleicht eher mal eine These für eine Bachelorarbeit! 😉
Ich kann dir nur berichten, warum wir Leipziger uns für die Crowdinvesting-Plattform entschieden haben. Die Anfragen der Händlerbundmitglieder – vor allem in der Gründungsphase – nahmen rasant zu und es stellte sich sehr schnell heraus, dass es vor allem immer wieder an der Finanzierung der Gründungsprojekte scheiterte. Aus eigener Erfahrung wissen wir auch, wie schwer es ist, Startkapital von Banken und Co. zu erhalten, vor allem wenn man der im Bankenbereich als negativ gewerteten Branche „E-Commerce“ angehört. Wir wollen hier einfach Alternativen aufzeigen und das junge Unternehmertum in Deutschland tatkräftig unterstützen und fördern.

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