„Die Banken tun sich mehrheitlich sehr schwer, wenn es darum geht junge Unternehmen zu unterstützen.“ – Interview mit Philipp Steinberger (c-crowd)

c-crowd

Klaus-Martin Meyer: Herr Steinberger, Sie sind einer der Gründer von c-crowd. Könnten Sie sich und Ihren Crowdfunding-Marktplatz bitte kurz vorstellen?

Philipp Steinberger: Persönlich beschäftige ich mich seit einigen Jahren mit der Finanzierung von Jungunternehmen – ein oft zeitraubender und ineffizienter Prozess bei welchem ich mich oft gefragt habe, ob man diesen mit Hilfe des Internets nicht effizienter gestalten könnte. Als ich dann zum ersten Mal von crowdfunding gehört habe, sah ich darin eine mögliche Lösung für mein Problem. Im April 2011 habe ich zusammen mit meinen anderen beiden Mitgründer Marc B. Bernegger und Oliver Rappold die Plattform c-crowd.com ins Leben gerufen, der damals ersten crowdfunding Plattform der Schweiz. Heute fokussieren wir uns auf die Finanzierung von Unternehmen sowie kommerziellen Projekten, unterstützen aber auch einen wohltätigen Zweck. Mit der Plattform wollen wir eine Alternative zu den herkömmlichen Finanzierungswegen sowie Investitionsmöglichkeiten anbieten, welche nicht nur einen finanziellen sondern auch einen emotionellen Return ermöglichen.

Klaus-Martin Meyer: Wie beurteilen Sie mit Ihrem Background als Investmentbanker das Phänomen Crowdfunding ganz allgemein?

Philipp Steinberger: Um das Phänomen Crowdfunding zu beurteilen, braucht es keinen Investment Banking Backround, denn was hier passiert, ist äußerst interessant, es entsteht ein neues Ökosystem. Die Banken tun sich mehrheitlich sehr schwer, wenn es darum geht junge Unternehmen zu unterstützen, Risikokapital ist nicht mehr so breit verfügbar und auch nicht mehr sehr risikofreudig. Es entsteht also ein Manko an Kapital um meist jüngere Unternehmen in einer wichtigen Phase zu unterstützen. Diesen sogenannten „Equity Gap“ muss gefüllt werden, denn Jungunternehmer sind die wirtschaftliche Zukunft eines jeden Landes. Auf der anderen Seite haben sehr viele Kleinanleger das Vertrauen in die Finanzmärkte verloren, suchen vermehrt nach greifbaren Investitionsmöglichkeiten. Sich an jungen, interessanten Unternehmen mit kleinen Beträgen zu beteiligen demokratisiert nicht nur das elitäre Konzept der Business Angels, sondern erlaubt es Privatanleger auch ein kleines, diversifiziertes Portfolio an Direktbeteiligungen aufzubauen.

Klaus-Martin Meyer: In der Schweiz scheinen einige regulatorische Vorteile gegenüber anderen nationalen Crowdfunding-Märkten zu bestehen. Könnten diese Vorteile auch von deutschen Firmen genutzt werden?

Philipp Steinberger: In der Tat ist das regulatorische Umfeld in der Schweiz etwas angenehmer als in anderen Länder. Dieses Umfeld gilt aber leider nur für schweizer Unternehmen sowie schweizer Investoren. Uns ist es aus gesetzlichen Gründen leider nicht möglich, deutsche Firmen zu unterstützen oder deutsche Investoren anzusprechen. Ich hoffe natürlich, dass sich diesbezüglich die Regeln etwas aufweichen und Möglichkeiten geschaffen werden grenzüberschreitend Projekte zu begleiten. Allerdings muss man dies realistisch betrachten, das wird andere als über Nacht passieren.

Klaus-Martin Meyer: c-crowd kooperiert mit der Uni St. Gallen mit einer der angesehendsten Universitäten der Welt. Wie wichtig ist dieser Faktor für den Erfolg von c-crowd und den Fundings?

Philipp Steinberger: Die Design Thinking Startup AG ist ein Spin-off des gleichnamigen Kurses der HSG St. Gallen. Das war ein super spannendes Projekt, für welches wir in zwei Monaten das Gründungskapital von Fr. 110’000 gefunden haben, ohne dabei das Team noch dessen Geschäftszweck zu kennen… Dass ein so bekannter Brand dahinter stand, war auf jeden Fall ausschlaggebend für den Erfolg des Projektes, ich glaube nicht, dass ohne der Uni St. Gallen diese Finanzierung gefunden werden konnte – davon hat schlussendlich auch c-crowd als Plattform profitiert.

Klaus-Martin Meyer: Ich persönlich finde die Mischung aus Company-, Charity- und Campusprojekten auf c-crowd recht erfrischend. Läßt sich dieser „Mischmasch“ langfristig durchhalten?

Philipp Steinberger: Das ist eine gute Frage. Ursprünglich gingen wir davon aus, dass die diversen Aktivitäten sich gegenseitig unterstützen würden. Dem war leider nicht so. Insbesondere den Spendenteil hat überhaupt nicht funktioniert. Dieses Signal aus dem Markt haben wir erkannt und dementsprechend gehandelt – ab dem 1.5.2012 unterstützen wir nur noch einen wohltätigen Zweck pro Jahr um in diesem Bereich fokussierter zu sein. Ich gehe aber davon aus, dass man sich längerfristig auf einen Bereich fokussieren muss um erfolgreich im Markt zu sein. Denn wie bei einem anderen Produkt auch wird man als Brand im Markt wahrgenommen und dem sollte man sich nicht entgegenstellen.

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