„Mit 1000×1000 – der ersten Crowdinvesting Initiative in Österreich begründet ISN eine Plattform, die neue Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer und Innovationsprojekte von KMU schafft.“ – Im Gespräch mit Dr. Reinhard Willfort

Klaus-Martin Meyer: Herr Dr. Willfort, Sie sind Geschäftsführer der Gesellschaft, die 1000×1000.at initiert hat. Könnten Sie sich und ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Dr. Reinhard Willfort: ISN ist Österreichs führender Innovationsdienstleister und begleitet Unternehmen bei der Entwicklung, Bewertung und Umsetzung von Ideen und ist unter www.innovation.at zu finden. Aktuelle Schwerpunkte der ISN sind die Themen Service Design, Open Innovation, Innovationsnetzwerke und Wissensmanagement. Als Innovationspartner der Austrian Mobile Power beschäftigt sich die ISN auch mit dem Rollout von Elektromobilität in Österreich. Viele Experten der ISN lehren an der Donau-Universität Krems, TU-Graz und weiteren Hochschulen Innovations- und Wissensmanagement und bilden dort zukünftige Innovationsmanager aus.

Mit 1000×1000 – der ersten Crowdinvesting Initiative in Österreich begründet ISN eine Plattform, die neue Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer und Innovationsprojekte von KMU schafft. Mitdenkende Mikroinvestoren werden mittels moderner Web 2.0 Technologien vernetzt und generieren damit einen „Innovationsturbo“ für kreative Projekte mit Entwicklungspotential.

Klaus-Martin Meyer: In Deutschland gibt es gerade eine gefühlte Inflation an Crowdfunding-Plattformen. Welche Herausforderungen gibt es für einen Crowdfunding-Marktplatz-Betreiber in Österreich?

Dr. Reinhard Willfort: In Österreich stehen wir am Beginn und insofern geht es im Moment darum das Thema Crowdfunding breiter zu kommunizieren und bei der Zielgruppe bekannt zu machen. Österreich fehlt auch eine Kultur und kritische Masse für Investments. Seit mehr als zehn Jahren gibt es in Österreich eine kleinere Gruppen von sogenannten Business Angels. Deren Investitionsbereitschaft liegt zwischen € 50.000 und € 250.000 je Projekt. Sie investieren aber in der Regel alleine, sind danach gefordert sich intensiv in die Projekte einzubringen und tragen hohes Risiko. In dieser Hinsicht kann Crowdfunding dazu beitragen eine Innovationskultur in Österreich zu prägen die einen breiteren Kreis an potenziellen Investoren aktiviert. Es fehlt im Moment aber gar nicht an Geld sondern daran, dass es keinen Marktplatz für derartige Vorhaben gibt.

Klaus-Martin Meyer: Sie betonen auch eine Fun-Komponente beim Crowdfunding. Wie ist das gemeint?

Dr. Reinhard Willfort: Ich schreibe gerne CrowdFUNding weil ich bei den typischen Mikroinvestoren vor allem den Spaß und die Freude etwas zu bewegen oder zu verändern als Motiv wahrnehme und weniger die Geldvermehrung. Wenn meine 1000 EURO in fünf Jahren 3000 EURO Wert sind, ist das schön, aber es ist nicht der Hauptgrund warum Leute mitmachen. Manche der Investoren kaufen sich mit einem Mikroinvestment einen Zugang zum Unternehmertum und die Chance hautnah am Geschehen zu sein, Teil der Initiative zu sein. Das sind oft auch Persönlichkeiten, die in einem konservativen Unternehmen stecken gelieben sind und nicht mehr den Mut oder Antrieb haben selbst etwas auf die Beine zu stellen oder ein hohes Risiko einzugehen. Mit CrowdFUNding ist das Risiko überschaubar, der Fun-Faktor höher als im Glücksspiel und die Erfolgsquote letztlich sicher deutlich höher.

Klaus-Martin Meyer: Selbst auf dem großen deutschen Markt gab es aktuell erste Fälle, bei denen ein Funding nicht zu stande gekommen ist. Ist die Selektion der zu finanzierenden Startups in Österreich ggf. noch entscheidender?

Dr. Reinhard Willfort: „Es ist Teil des Spiels“, dass Projekte nicht finanziert werden, könnte man sagen. Es ist natürlich klar, dass sich kein Plattformbetreiber bei den ersten Projekten einen „Absturz“ einfangen will. Daher wird eine harte Selektion der Projekte vorgenommen und viel Zeit in die Projektaufbereitung investiert. Die Selektion in Österreich wird daher in der Aufbauphase sicher sehr ähnlich der in Deutschland sein. Grundsätzlich sehe ich bei Crowdfunding auch eine gewisse Regionalität als Hebel und emotionalen Faktor. Insofern wird es wichtig sein, dass die Projekte nicht nur hohes Erfolgspotenzial haben, sondern auch eine regionale Verankerung. Im Sonderfall spürt der Investor die Wirkung des Investment direkt in seinem Umfeld. Das schafft Verbundenheit und virale Effekte.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss interessiert und noch ein Ausblick. Wie wird sich das Thema Crowdfunding im Allgemeinen in Österreich entwickeln?

Dr. Reinhard Willfort: Wir haben in Österreich ca. ein Zehntel des Marktpotenzials von Deutschland. Damit ist absehbar, dass es wahrscheinlich nur 2-3 funktionierende Plattformen in Österreich geben können wird. Sobald die erste Plattform gut läuft, wird es aber Nachahmer geben und es wird sich zeigen wer dann wirklich eine kritische Größe und ein intelligentes Businessmodel aufbauen kann. In Deutschland sind aktuell 2-3 Plattformen recht gut unterwegs aber noch lange nicht in den scharzen Zahlen. Der Bedarf an Crowdfunding ist auf jeden Fall auch in Österreich sehr hoch. Das merkt man an der Vielzahl an Finanzierungsanfragen, vorwiegend von Gründern. In weiterer Folge könnte es sein, dass auch die bestehenden Player im Finanzmarkt einen Innovationsschritt wagen aber das wird noch dauern.

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