„Wir demokratisieren die Finanzierungslandschaft.“ – Im Gespräch mit Raphael Otten (United Equity GmbH)

United Equity

Klaus-Martin Meyer: Raphael, Du bist der Geschäftsführer der Firma United Equity GmbH. Könntest Du dich und die Firma bitte vorstellen?

Raphael Otten: United Equity ist ein Crowdinvesting-Marktplatz für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-Ups. Auf der einen Seite stehen also die Unternehmen, die über ein einfaches und standardisiertes Verfahren wirtschaftliches Eigenkapital über das Internet einwerben. Auf der anderen Seite stehen Investoren, die ihr Kapital zielgerichtet und nach den eigenen Vorstellungen in die Unternehmen investieren können und dabei auf eine hohe Rendite hoffen.
Als Marktplatz-Betreiber verstehen wir uns vorrangig als rechtlichen und technischen Dienstleister für Unternehmen, die die Infrastruktur nutzen, um smart Kapital einzuwerben und darüber hinaus einen positiven Marketingeffekt erzielen.
Gleichzeitig kann das Modell nur funktionieren, wenn auch die Investoren zufrieden sind. Deshalb spielt der Investorenschutz für uns eine große Rolle, zum Beispiel werden die Zahlungen über ein Treuhandkonto bei der Fidor Bank AG abgewickelt.

Hinter United Equity steht ein heterogenes, erfahrenes Team. Vom ehem. Manager mittelständischer Unternehmen, einem Anwalt, einem Professor über Corporate-Finance-Experten und Unternehmensgründer sind ganz unterschiedliche Hintergründe vertreten. Die Erfahrungen, die ich einbringe, liegen angesichts dieser Tatsache trotz abgeschlossenem Studium und mehreren beruflichen Stationen in der Finanzbranche vor allem in meiner Nähe zum Medium Internet und IT.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell buhlen eine ganze Reihe Crowdfunding-Marktplätze um die Marktteilnehmer. Wie viele Plattformen braucht der Markt bzw. kann der Markt verkraften?

Raphael Otten: Konkurrenz belebt das Geschäft. Im Crowdinvesting-Markt gilt jedoch noch darüber hinaus: Das Geschäft muss erst noch geschaffen werden. Wir sehen das einerseits an den hohen Wachstumsraten und andererseits an der bisher völlig unwesentlichen Größe des Marktes in Relation zum gesamten Finanzierungsmarkt. Der Markt befindet sich noch in einer sehr, sehr frühen Phase der Entwicklung. Da ist es gut, dass an mehreren Fronten gleichzeitig gearbeitet wird. Mittelfristig werden vor allem auf Grund des Netzwerkeffektes (je mehr Investoren, desto interessanter ist die Plattform für Unternehmen und umgekehrt zieht ein breites Angebot an Unternehmen wiederum mehr Investoren an) meiner Meinung nach nur wenige Anbieter übrig bleiben.

Klaus-Martin Meyer: Ein neuer Aspekt bei United Equity ist das Crowd-Rating. Wie wollt Ihr ein valides Rating ermöglichen? Kann ein Marktplatzbetreiber gleichzeitig eine „Rating-Agentur“ sein?

Raphael Otten: Ein Marktplatzbetreiber sollte mit Sicherheit keine Rating-Agentur sein! Der Interessenkonflikt würde zu Recht die Glaubwürdigkeit und damit die Akzeptanz der Ratings verhindern. Deshalb ist bei United Equity die Crowd die „Rating-Agentur“.
Wir glauben, dass die Benutzer sich untereinander darüber austauschen sollten, welche Argumente für die Investition in ein Unternehmen sprechen und welche dagegen. Wie kann ich verantworten, dass Internetnutzer, die in der Masse keine Finanzexperten sind, ihr Geld investieren, obwohl sie den Geschäftsplan der Unternehmen nicht adäquat einschätzen können? Zum Anlegerschutz ist das Crowd-Rating also unerlässlich, da damit die Stärken und Schwächen der Unternehmen auch an Laien kommuniziert werden. Erst dann kann jeder für sich entscheiden, ob und in welcher Form ein Investment für ihn/sie Sinn macht.
Das Crowd-Rating bietet auch für Unternehmen zwei große Vorteile: Erstens werden etwaige Schwächen aufgedeckt, die dann noch vor der Investmentphase behoben werden können. Zweitens bietet schon das Crowd-Rating einen großen, positiven Marketingeffekt. So intensiv setzt sich sonst kaum jemand mit Ihrem Unternehmen auseinander.

Klaus-Martin Meyer: Bei der Etablierung eines Marktplatzes hat man anfänglich immer ein Henne-Ei-Problem. Wie lockt Ihr Startups und Investoren auf die Plattform?

Raphael Otten: Unternehmen erreichen wir derzeit vor allem über die direkte Ansprache. Es haben aber auch schon erste Unternehmen selbständig Ihre Daten bei uns eingetragen: Ganz ähnlich zu eBay, wo ich einfach und selbständig mein eigenes Verkaufsprojekt erstellen und zum Beispiel ein Auto verkaufen kann.
Investoren werden über klassisches Marketing, social media und Presseartikel auf uns aufmerksam. Darüber hinaus bringen die Unternehmen ihren eigenen Kreis an Unterstützern und Investoren mit. Außerdem setzen wir auf Marketingkooperationen mit unseren reichweitenstarken Partnerunternehmen.
Grundsätzlich gilt, dass wir ein nachhaltiges und langfristiges Wachstum anstreben. Wir starten also mit wenigen Hennen und einigen Eiern und steigern uns Schritt für Schritt.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss noch die Frage. Was sind die größten Herausforderungen bei Eurer eigenen Gründung?

Raphael Otten: Natürlich gibt es einige Herausforderung, die auch schon zu erwarten waren: z.B. Verzögerungen bei der technischen Umsetzung, wie es sie bei vielen größeren Projekten gibt.
Erwähnenswert finde ich vor allem eine andere Herausforderung. Diese liegt darin die eigene Vision im Fokus zu behalten, unabhängig davon, was um uns herum passiert. Wenn andere Plattformen sich z.B. (offensichtlich) „Likes“ auf Facebook kaufen, dann erscheint dies zunächst verführerisch. Zumal hunderte Likes selbst von einem Start-up aus der Portokasse bezahlt werden können. Ein Teil der Vision ist jedoch die Abgrenzung zu den Machenschaften, die die Bankenbranche in Verruf gebracht haben. Wir demokratisieren die Finanzierungslandschaft.
Dabei haben wir hohe Anforderungen an unsere eigene Integrität und Aufrichtigkeit, eine bessere Alternative zu bestehenden Lösungen zu schaffen. Das beginnt im Kleinen und bedeutet in diesem Fall die 1000 Likes im Vergleich zu Anderen erst ein paar Monate später zu erreichen. Das ist nicht immer leicht, aber mit Sicherheit (für uns) richtig.

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