„Mit den Genussscheinen, oft auch „kleine Aktien“ genannt, bieten wie die aus unserer Sicht unbürokratischste aller Lösungen an.“ – Im Gespräch mit Dr. Levin Brunner

Mashup Finance

Klaus-Martin Meyer: Levin, Du bist bei Mashup Finance als einer der Gründer aktiv. Könntest Du dich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Levin Brunner: Wir bieten kurz gesagt einerseits Gründern mit innovativen, realwirtschaftlichen und lokal verankerten Geschäftsideen die Möglichkeit mittels Crowdfunding Kapital zu sammeln. Andererseits bieten wir jedermann die Möglichkeit sind ab 100€ am wirtschaftlichen Erfolg solcher Geschäftsideen zu beteiligen.

Klaus-Martin Meyer: Ihr arbeitet im Gegensatz zu anderen Marktplätzen mit Genussrechten. Was sind die Vorteile dieser Art des Investments für Investoren und Startups, die eine Finanzierung suchen?

Levin Brunner: Mit den Genussscheinen, oft auch „kleine Aktien“ genannt, bieten wie die aus unserer Sicht unbürokratischste aller Lösungen an. Einerseits bieten Sie den Investoren eine hohe Rechtssicherheit an, da es dieses Instrument schon sehr lange im deutschen Recht gibt. Andererseits ist der administrative Aufwand wesentlich geringer als bei den anderen Lösungen, die größtenteils aus dem Gesellschaftsrecht stammen.

Wir haben im Vorfeld etliche Vertragswerke von Unternehmen aus dem US-amerikanischen und britischen Umfeld analysiert und mein Mitgründer, Dino Barkhoff, selbst ein Rechtsanwalt für Gesellschafts- und Steuerrecht hat die Form des Genussscheins als einfachstes, juristisch sicherstes und steuerlich interessantestes Mittel befunden.

Klaus-Martin Meyer: Was ist aus Deiner Sicht die zentrale Herausforderung für ein Startup – wie Ihr es seit – einen funktionsfähigen Crowdinvesting-Marktplatz zu etablieren in einem Markt, der selbst noch in einem Startup-Modus ist, wo sich aber schon viele Player engagieren?

Levin Brunner: Die größte Herausforderung ist natürlich wie so oft für StartUps, dass der ganze Markt neu ist. Crowdfunding, und erst recht Crowdinvesting, ist in der Wahrnehmung vieler Deutscher noch immer eine „Untergrundströmung“. Trotz der Finanzkrise ist für Otto-Normalverbraucher die Bank das Zentrum aller Themen rund um die Finanzierung. Insbesondere in Deutschland, wo selbst Venture Capital schon als exotisch gilt und auch Aktien als Standardinvestment bei Endverbrauchern nicht sehr begehrt sind, haben wir natürlich viel Überzeugungsaufwand zu leisten. Im Sinne von Lean StartUp ist dementsprechend Customer Development eine unsere größten Herausforderungen. Des Weiteren tauchen ja derzeit jeden Tag neue Mitbewerber auf der Bildfläche auf. Insbesondere große und finanzstarke Player versuchen derzeit in das Segment vorzudringen. Hier müssen wir uns natürlich unsere Nische suchen, in der wir agieren. Jedoch sehen wir dies auch als unseren großen Vorteil.

Klaus-Martin Meyer: Auf Eurer Webseite wird der lokale Bezug zu Bayern betont. Warum diese Betonung in Bezug auf Bayern?

Levin Brunner: Wir sind drei Gründer und betreiben Mashup Finance derzeit nur nebenberuflich. Derzeit und auch in den nächsten zwei Jahren streben wir keine operativen Gewinne mit Mashup Finance an. Unsere Motivation für die Schwarmfinanzierung liegt darin, dass wir uns selbst an tollen Geschäftsideen beteiligen wollen. Die Fokussierung auf Bayern ist nun erstens der Tatsache geschuldet, dass wir drei hauptsächlich in München unterwegs sind und hier viele Gründer und deren Geschäftsideen kennenlernen. Unsere Überzeugung ist hierbei, dass wir die Münchner Gründerszene besser kennen als alle unsere Konkurrenten. Außerdem wollen wir uns mit unserem Motto „lokal Investieren“ ganz absichtlich gegen die globale Beliebigkeit der Finanzkonzerne abgrenzen und mit dem lokalen Bezug ein starkes Band zwischen den Investoren und Gründern knüpfen. Wir finanzieren des Weiteren nur Geschäftsideen bei denen sich die Gründer nachhaltig, also langfristig zu Ihrer Geschäftsidee bekennen und nicht den schnellen Exit suchen. Generell sind wir im Übrigen aber nicht ausschließlich auf München oder Bayern fixiert, es ergeben sich hier nur die meisten Gespräche. Und unseres Eindrucks nach muss man nicht in die Ferne schweifen um innovative Geschäftsideen zu finden.

Klaus-Martin Meyer: Was erwartet die potentiellen Investoren in den kommenden Monaten. Wieviele Crowdfinanzierungen schweben Euch dann im kommenden Jahr vor?

Levin Brunner: Wir geben uns keine Ziele bezüglich der Anzahl oder des Volumens der Finanzierungen vor. Vielmehr wollen wir ausschließlich Unternehmen finanzieren, bei denen feststeht, dass sie in zehn Jahren auch noch existieren. Dementsprechend wird es bei uns bald ein landwirtschaftliches Investment geben. Etwas konservativ, aber gleichzeitig sehr innovativ und eine Neuheit in Deutschland. Übrigends ist der Standort hierfür nicht in Bayern. Dann sind wir mit einer weiteren Münchner Unternehmung in abschließenden Verhandlungen. Mehr darf ich hier aber noch nicht sagen. Und dann wird nächstes Jahr auch noch sicherlich etwas aus dem Genussmittelbereich dazukommen, mindestens genauso Spektakulär, wie die Munich Distillers. Wir sind derzeit mit mehr als zehn Gründungen bzw. Unternehmen in Verhandlung und sondieren die Möglichkeiten. Was davon was wird, ist schwer zu sagen. Ganz generell halten wir vier Finanzierungen pro Jahr für gut machbar. Und wie gesagt messen wir uns nicht daran, wieviele Projekte wir finanzieren, sondern wie interessant diese für uns und unsere Investoren sind.

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