„Crowdfunding ist zum Einen dann sinnvoll, wenn die Beantragung von öffentlichen Fördergeldern wenig Aussicht auf Erfolg verspricht, oder die Voraussetzungen für einen Kredit bei der Bank nicht gegeben sind.“ – Im Gespräch mit Janine Scharf (Visionbakery)

Klaus-Martin Meyer: Janine, Du bist eines der Teammitglieder bei Visionbakery und verantwortest den Berei PR und Öffentlichkeitsarbeit. Könntest Du dich und Visionbakery bitte kurz vorstellen?

Janine Scharf: Ich bin 28 Jahre alt und Mitbegründerin der Crowdfunding Plattform VisionBakery, die am 1. Januar 2011 an den Start gegangen ist. Hauptsächlich bin ich verantwortlich für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Die Idee zur VisionBakery entwickelte ich zusammen mit den anderen Gründern während meines Studium der Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig. Zusätzlich zu meiner Tätigkeit im Bereich Crowdfunding habe ich schon für verschiedene Zeitungen und Radiosender gearbeitet. Außerdem schlägt mein Herz für Industriekultur. Ich arbeite zusätzlich in der Stadt aus Eisen, FERROPOLIS. Wie die anderen Gründer der VisionBakery stamme ich aus Lutherstadt Wittenberg. Die VisionBakery stellt eine Plattform mit der Infrastruktur für Crowdfunding zur Verfügung. Sie funktioniert nach dem einfachen Prinzip „Alles oder Nichts“. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es viele Menschen mit tollen Ideen in Deutschland gibt, doch nur wenige davon werden umgesetzt. Hauptgrund sind die oft fehlenden finanziellen Mittel. Die VisionBakery bietet einen unbürokratischen und einfachen Weg für die Finanzierung von Projekten. Das wollen wir ändern.

Klaus-Martin Meyer: Ihr seit seit dem Herbst 2010 am Start. Deshalb hast Du sicher einen guten Überblick, wie Crowdfunding funktioniert. Was sind aus Deiner Sicht die kritischen Erfolgsfaktoren und was geht gar nicht?

Janine Scharf: Crowdfunding ist zum Einen dann sinnvoll, wenn die Beantragung von öffentlichen Fördergeldern wenig Aussicht auf Erfolg verspricht, oder die Voraussetzungen für einen Kredit bei der Bank nicht gegeben sind. Grundsätzlich gilt jedoch, dass sich die Finanzierungsformen dabei nicht ausschließen, sondern im Gegenteil einen sinnvolle Ergänzung zueinander sein können. Zum Anderen ist aber auch die produktive Seite eines Crowdfunding-Projektes bemerkenswert. Denn mit Hilfe der Crowd kannst du deine Vision nicht nur zur Umsetzung führen, sondern darüber hinaus auch gleich mehrere Effekte erzielen. Über die Crowdfunding-Plattform und die sozialen Netzwerke verbreitet sich deine Projektidee schnell.
Das Wichtigste bei deinem Projekt ist immer die richtige Ansprache der Leute: Sei in deinem Video ehrlich, finde geschickte Gegenleistungen, so dass deine Fans auch nach deiner Crowdfunding Aktion weiter Interesse haben.
Du mußt während deines Projekts immer wieder News posten und alle Leute in deinem Umfeld ansprechen und schreiben. Wenn du denkst, Crowdfunding ist ein Selbstläufer hast du schon verloren.

Klaus-Martin Meyer: Laut Süddeutscher Zeitung dümpelt die „Szene“ derzeit vor sich hin. Kannst Du das bestätigen oder dementieren? Woran hapert es möglicherweise?

Janine Scharf: Als das Thema Crowdfunding in Deutschland aufkam, berichteten viele Medien über gute Projekte. Mittlerweile ist das ein bisschen abgeflaut, das Prinzip ist erklärt. Es ist nun an der Zeit das öffentliche Interesse weiter zu wecken und Crowdfunding für spezielle Nischen und Breiche auszubauen, neue Facetten zu entwickeln.

Ein weiteres Problem ist die Finanzierung der Plattformen. Es ist zurzeit in Deutschland absolut illusorisch, dass eine Crowdfunding-Plattform sich selbst trägt. Deshalb muss jedes Unetrnehmen sich weiterentwicklen, neue Themenfelder erschließen.

Klaus-Martin Meyer: Wie siehst Du das Potential, dass sich in der Crowdfunding-Szene eine Nachfrage im Hinblick auf Beratung oder Crowdbetreuung entwickelt, die z.B. für die Plattformbetreiber neue Einnahmeströme generieren können?

Janine Scharf: Das Potential ist riesig. Wie gesagt, müssen alle Plattformen neue Geschäftsmodelle erschließen, um rentable zu sein. Bei uns ist die Beratung inklusive – bei anderen kostet sie extra. Es gibt immer noch viele Fragen, die die Projekte an uns stellen. Natürlich denken wir auch darüber nach, wie unsere Dienstleistungen weiter ausgebaut werden können. Der Bedarf ist da.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss würde mich noch interessieren, ob Du eine Erklärung dafür hast, dass praktisch alle relevanten Crowdfunding-Marktplätze im Osten der Republik angesiedelt sind, während sich sonst die Startup-Szene eher in Berlin, Hamburg und München tummelt?

Janine Scharf: Ich denke wir sind einfach kreativ im Finden von neuen Möglichkeiten 😉 Die Kulturszene ist gut ausgeprägt. Es gibt wahnsinnig tolle Ideen, die manchmal eben lang warten mußten. Da kam Crowdfunding zum richtigen Zeitpunkt.

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