„Durch Crowdfunding ergaben sich plötzlich neue, ungeahnte Möglichkeiten, sogar die verrücktesten Nischen-Projekte Realität werden zu lassen und auf Augenhöhe mit dem Publikum zu kommunizieren.“ – Interview mit Wolfgang Gumpelmaier

Klaus-Martin Meyer: Wolfgang, Du bis Inhaber der Firma gumpelMEDIA – kommunikation & neue medien. Könntest Du dich und Deine Firma bitte kurz vorstellen?

Wolfgang Gumpelmaier: Ich bin als selbstständiger Online-Kommunikationsberater tätig und unterstütze Unternehmen und Kreative bei der Einbindung “Neuer Medien” in ihre Kommunikationsstrategie. Konkret geht es dabei sehr oft um die Heranführung von Unternehmen an Soziale Medien wie Facebook, Twitter und Blogs. In Vorträgen, Workshops und Webinaren vermittle ich Social Media-Grundwissen und versuche den Kunden die Möglichkeiten gelungener Online-Kommunikation sowie aktuelle Trends näher zu bringen. Zudem erstelle ich Kommunikationskonzepte für Social Media Marketing Maßnahmen und stehe meinen Kunden bei der strategischen Planung und Implementierung neuer Kommunikationskanäle zur Seite. Ein besonderer Fokus meiner Arbeit liegt auf dem Filmbereich. Ich berate Filmemacher in unterschiedlichen Phasen ihres Projekts hinsichtlich des Einsatzes neuer Medien in Sachen Produktion, Finanzierung, Marketing und Vertrieb. Auf www.socialfilmmarketing.com blogge ich auch immer wieder über diverse Trends aus diesem Bereich, in letzter Zeit vermehrt auch zum Thema Crowdfunding.

Klaus-Martin Meyer: Du hast auch ein starkes Augenmerk auf das Thema Crowdfunding, obwohl das Thema für die breite Öffentlichkeit sicher noch in den Kinderschuhen steckt. Wie wird man hier zu einem „first mover“

Wolfgang Gumpelmaier: Ich beobachte das Thema und die Szene seit ungefähr drei-vier Jahren. Mein erster Kontakt mit dem Konzept entstand über die amerikanische Plattform IndieGoGo, die ganz zu Beginn eine Plattform für Filmemacher war und aus dem DIY-Distributionsbereich kam. Für die Online-Film-Community filmtiki haben wir damals versucht über IndieGoGo die Zusatz-Finanzierung für die Plattform-Weiterentwicklung einzusammeln. Leider nicht erfolgreich! Für mich war dies allerdings kein Scheitern, sondern der Anstoss mich mit dem Thema näher zu beschäftigen. Ich unterstütze seither regelmäßig Projekte, spreche mit angehenden Crowdfundern, Plattformbetreibern und Unterstützern und setze mich dafür ein, dass Crowdfunding auch bei uns zu einem anerkannten Finanzierungsmodell wird – etwa durch den Versand des Crowdfunding-Newsletters.

Klaus-Martin Meyer: Innerhalb dieses interessanten Themengebietes wiederum engagierst Du dich für das Spezialgebiet Film-Crowdfunding. Vor welchen Herausforderungen stehen Filmemacher, die einen Film mit Hilfe der Crowd finanzieren wollen?

Wolfgang Gumpelmaier: Vor IndieGoGo und Kickstarter war der PayPal-Support-Button Usus auf den Webseiten vieler Independent-Filmemacher. Durch Crowdfunding ergaben sich plötzlich neue, ungeahnte Möglichkeiten, sogar die verrücktesten Nischen-Projekte Realität werden zu lassen und auf Augenhöhe mit dem Publikum zu kommunizieren. Pionierarbeit leisteten hier Projekte wie The Age of Stupid, The Cosmonaut, Iron Sky oder The Invasion of the not quite dead, da sie gekonnt Soziale Medien wie Facebook, Twitter, YouTube und Blogs einsetzten und in dieser Hinsicht eine neue Ära des Filmemachens einleiteten. „Filmmakers need to be better businesspeople“ heißt es in einem aktuellen Artikel von Anne Thompson auf Indiewire. Und zwar insofern, weil sie sich heute auch um Dinge wie Community-Building, Selbstvermarktung und 360-Grad-Vertrieb kümmern müssen. Und das nicht zu einem Zeitpunkt, wenn der Film abgedreht ist, sondern bereits im ehest möglichen Stadium des Schaffensprozesses. Crowdfunding spielt da eher eine nebengeordnete Rolle, denn bevor man sich auf’s Geld einsammeln konzentrieren kann, muss man sich ein Netzwerk und durch kontinuierliche Kommunikationsarbeit Vertrauen aufbauen. Dazu ist es zwar von Vorteil, die Tools zu kennen und zu wissen, wie man sie bedient. Wesentlich wichtiger ist es aber, einen Plan zu haben, eine Strategie. Welches Ziel verfolge ich mit meinem Film, wer soll meinen Film sehen, wie finanziere ich den Film, wie vermarkte ich ihn, wie lizensiere ich ihn, wie gehe ich mit Raubkopien um, wie wichtig sind mir Festivals? etc. In meinen Vorträgen und Seminaren versuche ich auf die verschiedensten Aspekte einzugehen und Bewusstsein zu schaffen, dass sich das Filmbusiness längst geändert hat.

Klaus-Martin Meyer: Welche Volumina muss aus Deiner Sicht der Crowdfunding-Markt erreichen, bis sich Berater und andere Dienstleister full-time diesem Thema widmen können

Wolfgang Gumpelmaier: Das dauert wohl bei uns noch 😉 Abgesehen davon ist es sowieso fraglich, ob man sich nur darauf konzentrieren sollte oder ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre, sich dem Gesamtservice zu widmen. Denn es geht hier ja sehr viel auch um Strategie, Business Plan, Kommunikation, Vertrieb, ev. auch andere Fördermöglichkeiten etc. Klarerweise versuche ich – gemeinsam mit ikosom – natürlich in diesem Bereich auch Beratungsleistung anzubieten, etwa in Form von Webinaren oder Einzelgesprächen. In vielen Fällen geht es den „Kunden“ aber meistens nur um einen Überblick bzw. oft haben sie eine oder zwei konkrete Fragen. Oft verweisen wir dann auf unsere Publikationen, etwa die Studie „Crowdfunding als Alternative zur klassischen Filmfinanzierung„. Aber auch in Vo rträgen und Seminaren erhalten angehende Crowdfunder viele Inputs. Gerade eben hatten wir auf der Social Media Week in Berlin eine Session für Filmemacher angeboten. Aktuell plane ich gerade gemeinsam mit der Creative Region Linz & Upper Austria eine zweitägige Veranstaltung in Linz/Österreich zum Thema „Crowdfunding für Kreative“ für  Mitte November .

Klaus-Martin Meyer: Ich könnte mir vorstellen, dass sich – gerade im kreativen Bereich – die Initiatoren von Crowdfinanzierungen schwer tun, externen Rat zu bezahlen. Müssen sich die Kreativen da vor der Crowd ähnlich rechtfertigen wie Charities in bezug auf Ihre Verwaltungskosten, die nicht bei den Bedürftigen ankommen?

Wolfgang Gumpelmaier: Rechtfertigen müssen sie sich sicher nicht. Klarerweise sollte man aber immer auf eine größtmögliche Transparenz bei einem Crowdfunding-Projekt achten. Ich bin der Meinung, dass man viel gewinnt als Projektinhaber, wenn man ehrlich und persönlich kommuniziert. Das zieht dann meistens auch die „richtigen“ Leute an, die sich nicht wegen jeder Kleinigkeit mokieren. Abgesehen davon suchen viele Crowdfunder ja VOR der Kampagne Rat, also zu einem Zeitpunkt, wo sie (noch) kein Geld haben oder keines ausgeben wollen. Ich versuche da immer auf relativ flexibel zu reagieren mit meinem Angebot und habe bisher damit noch kaum schlechte Erfahrungen gemacht.

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