„Projekte, die sich auf Nordstarter einstellen, werden von uns intensiv betreut.“ – Interview mit Egbert Rühl (Geschäftsführer Hamburg Kreativ Gesellschaft) zu Nordstarter

Egbert Rühl, Geschäftsführer

Egbert Rühl, Geschäftsführer

Klaus-Martin Meyer: Herr Rühl, Sie sind Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft. Könnten Sie Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Egbert Rühl: Die Hamburg Kreativ Gesellschaft ist ein städtisches Unternehmen, das mit dem Ziel gegründet wurde, die Kreativwirtschaft in der Hansestadt zu unterstützen. Wir bieten kostenfreie Beratungs- und Vernetzungsangebote für alle Akteure der Kreativwirtschaft und organisieren Workshops für Existenzgründer und Kreative, die als Selbstständige arbeiten. Daneben ist die Vermittlung von Immobilien eine wichtige Aufgabe.

Klaus-Martin Meyer: Mit Nordstarter haben Sie eine Plattform für Crowdfunding in Hamburg an den Start gebracht. Wie kam es zu dieser Initiative?

Egbert Rühl: Es gibt viele gute Ideen, die nicht umgesetzt werden. Oft mangelt es am Geld und das ist schade. Mit Nordstarter wollten wir ein Finanzierungsinstrument schaffen, das die bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten von kreativen Projekten ergänzt.
Insbesondere verstehen wir Nordstarter als Möglichkeit, kreativwirtschaftliche Projekte zu finanzieren, die ansonsten wenig Förderung erhalten wie z.B. Projekte aus den Bereichen Design, Mode oder Internetportale.

Klaus-Martin Meyer: Sie kooperieren mit Startnext. Welche Gründe sprachen für eine Kooperation?

Egbert Rühl: Anfangs wollten wir selbst eine Crowdfundiung-Plattform programmieren. Es gab bereits erste Gespräche mit Banken und einen Businessplan. Dann gingen die ersten deutschen Crowdfunding-Plattformen online und wir fragten uns, warum wir das Rad neu erfinden sollen. Die Kooperation mit einer bestehenden Plattform ist effizienter. Gelder, die in die Entwicklung einer neuen Plattform geflossen wären, konnten wir so in andere Projekte investieren. Wir haben uns mehrere Crowdfunding-Plattformen angeschaut und uns dann für eine Kooperation mit startnext entschieden.

Klaus-Martin Meyer: Können Sie so kurz nach dem Start schon beurteilen, welche Vorteile der lokale Bezug für die Kapitalsuchenden bringt, im Gegensatz zur Platzierung des Projektes auf einer überregionalen Plattform?

Egbert Rühl: Projekte, die sich auf Nordstarter einstellen, werden von uns intensiv betreut. In persönlichen Gesprächen oder beim monatlich stattfindenden Crowdfunding Club können wir unser Wissen weitergeben und vermitteln, wie man seine Crowdfunding-Kampagne zum Erfolg führt. Durch die geringere Anzahl von Projekten und die räumliche Nähe können wir die Projekte in unsere Öffentlichkeitsarbeit einbeziehen. Doch Hamburger Projekte, die sich auf Nordstarter einstellen, sind gleichzeitig auch auf startnext sichtbar. Das hat den Vorteil, dass die Projekte auf regionaler Ebene eine größere Sichtbarkeit erfahren und zugleich von der großen Reichweite der überregionalen Plattform startnext profitieren.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss würde mich Ihre Einschätzung interessieren, wie stark der Hebel von Nordstarter für die Belebung der Hamburger Wirtschaft aus Ihrer Sicht in Zukunft sein wird?

Egbert Rühl: Crowdfunding hat Potenzial, doch wie sich dieses Potenzial in Deutschland entfalten wird, ist nicht vorhersehbar. Crowdfunding muss einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden und von dieser angenommen werden. Nicht nur, um genug kreative Projekte, die finanzielle Unterstützung benötigen, zu finden, sondern vor allem, um viele Geldgeber zu begeistern, die ja zum Teil unbezahlbare Gegenleistungen erhalten und gleichzeitig spannende Projekte ermöglichen. Nur mit größerer Bekanntheit kann Nordstarter ein wichtiges Instrument für die Hamburger Kreativwirtschaft werden.

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