„Der Erfolg des Projektes hängt maßgeblich von dem Engagement des Projektgründers ab.“ – Im Gespräch mit Annika Lubjuhn (pling)

pling

Klaus-Martin Meyer: Annika, Du bist ein Mitglied des Team pling, einem Projekt der Firma TABLE OF VISIONS GMBH. Könntest Du dich und pling bitte kurz vorstellen?

Annika Lubjuhn: Ich bin seit kurzem bei pling* und betreue die einzelnen Projekte, die auf unserer Plattform Unterstützung suchen. Außerdem bin ich verantwortlich für unsere Social Media Kanäle (vor allem unsere Facebook-Gruppe) sowie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Pling* gibt es seit November 2010 und ist eine deutschsprachige Crowdfunding Plattform. Auf pling.de stellen wir ausschließlich kreative Projekte vor, beispielsweise aus dem Film-, Musik-, oder Produktdesignbereich, die dann von der Internetcommunity gemeinsam finanziert werden.

Klaus-Martin Meyer: Verfolgt man aktuell die Tagespresse bekommt man den Eindruck, dass sich Crowdfunding aktuell zu einer Art Megatrend im Internet entwickelt. Ihr seit bereits seit 2010 am Start. Kommt dieser Trend auch verstärkt bei Euch an oder unterscheidet sich die Realität von der veröffentlichten Meinung?

Annika Lubjuhn: Uns erreichen jeden Tag E-Mails mit neuen Projektvorschlägen. Auch von Seiten der Medien, sowie aus dem wissenschaftlichen Bereich erhalten wir viele Anfragen. Vor allem nach Berichten in den Medien (Anfang des Jahres lief beispielsweise im ZDF ein Bericht über pling*) können wir sehr hohe Zugriffszahlen auf unsere Webseite verzeichnen.

Klaus-Martin Meyer: Via pling wurden bisher zahlreiche Projekte realisiert. Was sind aus Deiner Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren eines Fundings? Was wird immer wieder richtig oder auch falsch gemacht?

Annika Lubjuhn: Damit ein Projekt möglichst viele Unterstützer findet, sind mehrere Faktoren entscheidend. Der Erfolg des Projektes hängt maßgeblich von dem Engagement des Projektgründers ab. Vor allem die Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Es gibt viele kostenlose Möglichkeiten auf sein Projekt aufmerksam zu machen, wie beispielsweise durch soziale Netzwerke, in denen man regelmäßig über sein Projekt und den Fortschritt berichten kann. Natürlich ist es aber auch wichtig, wie man sich und sein Projekt präsentiert. Ansprechende Bilder, ausführliche Texte, in denen man sich vorstellt und genau beschreibt, wofür man das Geld benötigt und wie das abgeschlossene Projekt aussehen soll oder auch Videos sorgen für viel Interesse bei den potentiellen Unterstützern.
Besonders positiv wirken sich aber auch attraktive Vergütungsstufen aus. Der Fokus sollte dabei auf den niedrigen Stufen liegen. Es gibt erfahrungsgemäß nur sehr wenige, die ein Projekt mit drei- oder sogar vierstelligen Beträgen unterstützen. Das ist etwas, das viele Projektgründer falsch einschätzen. Oft wird vergessen, sich selbst zu fragen, ob man bereit wäre, ein Projekt mit dem jeweiligen Betrag und dem entsprechenden Gegenwert zu unterstützen. Projektgründer sollten sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass auch kleine Beträge zum Ziel führen, denn wichtig ist, dass am Ende der gesamte Betrag erreicht wird, denn auch nur dann fließt bei pling* das Geld. Viele Projekte scheitern an einer zu hohen angestrebten Summe, dabei sollte man grundsätzlich erst einmal die geringste Summe ansetzen, die das Projekt ermöglicht, denn eine ,Überfinanzierung‘ ist immer möglich.

Klaus-Martin Meyer: Gibt es ein (oder mehrere besonders spannende) „Leuchtturmprojekt/e“, das/die aus Deiner ganz besonders spannend war/en und ohne pling vielleicht niemals realisiert worden wäre/n?

Annika Lubjuhn: Ganz besonders fasziniert hat mich das Projekt von den beiden Zwillingen Paul und Hansen aus Süddeutschland, die mit dem Rad eine Tour von Berlin nach Shanghai geplant haben und während Ihres Abenteuers ein multimediales Roadtrip-Buch schreiben wollten. Das Projekt wurde mit 9003€ erfolgreich finanziert, die Tour haben die beiden im Oktober beendet und in dem nächsten halben Jahr soll dann das Buch erscheinen! Besonders toll war der Enthusiasmus, mit dem die beiden ihr Projekt bei uns vorgestellt haben und mit welchem Engagement sie um Unterstützung geworben haben.
Das bislang erfolgreichste Projekt in der Geschichte von pling* ist, Saber Rider and the Star Sherrifs- The Game‘. Das Videospiel wurde mit 15.490€ erfolgreich finanziert. Die Helden der Kultserie aus den 80ern sind zurückgekehrt und durch die Unterstützung der Originalsynchronsprecher wurde dem Spiel der passende Charme und Witz verpasst.
Ebenso wichtig für unsere Plattform sind Projekte mit unseren Kooperationspartnern wie der Kunsthochschule Berlin Weißensee oder der ,medienakademie‘. Dort entstehen viele tolle, kreative Studenten-Projekte, die meist nur an der Finanzierung scheitern.
In Kooperation mit der Kunsthochschule Weißensee wurde im März diesen Jahres das Projekt ,Vinge- Die exklusive Designerlampe‘ ermöglicht. Die Produktdesignstudentin konnte mit der Hilfe von pling* ihre Lampe exklusiv in einer limitierten Auflage vertreiben.

Klaus-Martin Meyer: Was müßte aus Deiner Sicht in Deutschland noch passieren, damit der Crowdfunding-Gedanke noch mehr an Schwung gewinnt, damit auch sehr viel größere Projekte realisiert werden können,
wie dies z.B. auf kickstarter gelingt?

Annika Lubjuhn: Hierfür sind meiner Meinung nach verschiedene Gründe verantwortlich. Zum einen muss Crowdfunding in Deutschland noch viel bekannter werden! Viele Leute sind von der Idee zwar begeistert, sobald sie das erste mal davon hören, aber dennoch ist Crowdfunding noch nicht genug verbreitet. Außerdem denke ich, dass diese Kultur des finanziellen Unterstützens in Deutschland noch nicht so ausgeprägt ist, wie besipielsweise in den USA. Hier gibt es auf jeden Fall noch Potential. Auch das Bezahlen über das Internet, wie bei uns über Paypal, stellt für viele Menschen, gerade der älteren Generation noch eine Hürde dar.

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