„Das Geschäftsmodell von BERGFÜRST ist ganz und gar disruptiv!“ – Im Gespräch mit Dr. Guido Sandler

Guido Sandler, Bergfürst

Klaus-Martin Meyer: Herr Dr. Sandler, Sie sind einer der beiden Gründer der Bergfürst AG. Könnten Sie sich und Ihr Startup bitte kurz vorstellen?

Guido Sandler: Sehr gerne! Ich habe mehr als 20 Jahre Börseneinführungen begleitet und bereits vor Einführung des Neuen Markt mit der von mir gegründeten Berliner Effektenbank Frühphasenbörseneinführungen am Berliner Freiverkehr durchgeführt. Die Corwdfunding Bewegung ist so groß geworden, dass heute auch Unternehmen über das Web finanziert werden können. Wir nennen das Crowdinvesting. Mit Bergfürst haben mein Partner, Dennis Bemmann, Gründer von StudiVz und ich in diesem Jahr die erste Crowdinvesting Plattform für Eigenkapitalbeteiligungen aufgebaut. Integriert in unsere Plattform ist neben der Platzierung von Aktien auch der Aktienhandel und die Anlegerverwaltung über die die Kommunikation zwischen Emittent und Investor sicher gestellt wird.

Klaus-Martin Meyer: Wie wichtig ist die Bafin-Lizenz für die Etablierung des von Ihnen geplanten Geschäftsmodells?
Guido Sandler: Die Erlaubnis der BaFin ist zentral für uns: Nur so dürfen wir Eigenkapitalplatzierungen begleiten, Aktien handeln und die Zahlungen für unsere Investoren abwickeln.

Klaus-Martin Meyer: Sie werden in der Wirtschaftswoche sinngemäß zitiert, dass Banker in Frankfurt für die von Ihnen geplanten Volumina nicht einmal aus dem Bett kommen. Gleichzeitig sagt Clayton Christensen, dass Crowdfunding ein disruptives Geschäftsmodell sein kann. Werden Sie die Banken eines Tages in bestimmten Segmenten überholen?

Guido Sandler: Das Geschäftsmodell von BERGFÜRST ist ganz und gar disruptiv! Wir eröffnen Privatanlegern eine Asset Klasse, die bisher ausschließlich Venture Capital und Private Equity vorbehalten war. Bei uns kann der Investor ab € 250,– investieren und auch jederzeit wieder verkaufen. Wir bieten mit € 2 Mio. bis € 5 Mio. Emissionsvolumen an, die von klassischen Anbietern nicht abgedeckt werden. Unsere zentrale Informationsdrehscheibe zwischen Emittent und Investor ist völlig neu genau wie die Möglichkeit des Emittenten seine Mitgesellschafter jederzeit zu erreichen und im Rahmen von Social Marketing im gemeinsamen Interesse einzubinden. Bei uns gibt es keine Depotgebühren und auch keine Berater, die das Depot permanent „drehen“ wollen, um Gebühren zu generieren. Bei uns berät der Kunde sich selbst. Wir stellen alle relevanten Informationen zur Verfügung. Neben BaFin genehmigten Wertpapierverkaufsprospekt und Equity Story auch erstmals ein Online Videokonferenz bei der das Managementteam sich und ihr Unternehmen präsentieren. Jeder Zuschauer kann Fragen stellen, die auch live beantwortet werden. Menschen verdienen ihr Geld selber. Sie können es auch selber investieren! Wir glauben an den mündigen Investor. Wir brauchen keine Banken überholen. Wir müssen nur die gewaltigen Spielräume die ungenutzt sind, besetzen.

Klaus-Martin Meyer: Diverse Crowdfunding-Plattformen haben zum Start ein Eigenfunding abgewickelt (z.B. auch Crowdcube im UK). Was ist zum Start von Bergfürst zu erwarten?

Guido Sandler: Auf jeden Fall kein Eigenfunding. Das wäre schon technisch nicht gegangen: Damit wir die Erlaubnis der BaFin bekommen konnten, müssen wir stets ein Kernkapital von € 730.000,– nachweisen. Das dieses Geld tatsächlich da ist und nicht in Software und Geschäftsaufbau investiert wurde, musste ein Wirtschaftsprüfer bestätigen. Somit mussten wir erst BERGFÜRST kapitalisieren und konnten dann starten. Unser erster Emittent wird ein spannendes junges Wachstumsunternehmen sein.

Klaus-Martin Meyer: Welche Dynamik erwarten Sie vom Aktienhandel auf Ihrer Plattform, der sich den Fundings anschließt. Wird hier ein neuer Typus von Crowdfunding-Anlegern möglich, z.B. von solchen, die sich nach dem ersten Hype günstiger eindecken. Ist es ferner denkbar, dass sich kleine Fonds engagieren werden, wenn die Volumina größer werden und die Anzahl der Fundings steigt?

Guido Sandler: Die Grundidee unseres Handels ist es, dass unsere Investoren in dynamische Unternehmen investieren. Da würde es nicht passen, wenn sie zwingend für fünf oder mehr Jahre dabei bleiben müssten: Kann sein, dass ein Investor sein Geld für konsumtive Zwecke benötigt, kann sein, dass er sich anderen Investments, die er spannender findet zuwenden möchte, kann sein, dass seine Einschätzung zu Markt und Chancen sich geändert hat. Es gibt viele Gründe. Wir hoffen, trotz des im Vergleich zu regulären Börsengängen geringen Volumens Liquidität zu erzeugen: Der Handel findet nur auf unserer Plattform statt und zerstreut sich nicht auf eine große Zahl von Regionalbörsen. Orders werden bei uns als teilausführbar eingestellt. Damit maximieren wir die Liquidität. Zusätzliche Kosten entstehen für den Investor nicht. Jede Order kostet, egal wie viele Teilausführungen € 5 zzgl. MwSt.. Wir werden regelmäßig Taxkurse stellen, damit die Marktteilnehmer sich orientieren können. Sollte sich der Handelsplatz zu einer Plattform entwickeln, auf der auch kleine Fonds investieren wollen, so würde uns das sehr freuen.

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