„Mit unserem Launch freuen wir uns, zwei äußerst interessante Startups präsentieren zu können.“ – Im Gespräch mit Björn Röhrenbeck (Gründer und Geschäftsführer My Business Backer GmbH)

Björn Röhrenbeck

Klaus-Martin Meyer: Herr Röhrenbeck, Sie sind Gründer und Geschäftsführer der Firma My Business Backer GmbH. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Björn Röhrenbeck: My Business Backer ist ein Crowdinvesting-Portal. Das heißt, wir bringen Menschen mit guten Ideen mit jenen Menschen zusammen, die das Geld dafür bereitstellen. By the way: „Backer“ bedeutet Unterstützer oder Helfer. Innovative Unternehmen präsentieren also ihre Projekte sowie Vorhaben und Investoren helfen mit kleinen Beträgen ab 100 EUR, diese Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Im Gegenzug werden die Investoren entsprechend ihrer Beteiligungsquote am Gewinn des Unternehmens beteiligt und partizipieren im Erfolgsfall am steigenden Unternehmenswert.

Um auch mich noch in der gebotenen Kürze zu beschreiben: Ich habe gemeinsam mit zwei Partnern My Business Backer im April 2012 gegründet und bin seit Juni 2012 Geschäftsführer der My Business Backer GmbH. Davor war ich als Rechtsanwalt im Bereich Bank- und Kapitalmarktrecht in einer führenden Anlegerkanzlei tätig.

Klaus-Martin Meyer: Wie schwer wird es – angesichts der „gefühlten Inflation“ an Crowdfunding-Plattformen in Deutschland – für My Business Backer werden, einen funktionstüchtigen Marktplatz zu etablieren?

Björn Röhrenbeck: Zunächst einmal empfinden wir es als besonders spannend, die Interessen der Startups mit denjenigen der Mikroinvestoren zu kombinieren. Um es in Bildern zu beschreiben: Wir richten bei My Business Backer gerade das Wohnzimmer so ein, dass sich junge Unternehmer und Investoren auf dem Sofa gleichermaßen wohl fühlen.

My Business Backer steht für Fundingsummen auch über 100.000 EUR, da wir eine wirtschaftlich sinnvolle Prospekterstellung ermöglichen. Auch wenn in den Medien ab und an Begrifflichkeiten wie „BaFin-Lizenz“ oder ähnlich Verwirrendes auftauchen, bedeutet das letztlich nur, dass bei größeren Summen unter Umständen ein sogenannter Verkaufsprospekt erstellt werden muss.  Mit unserer angeschlossenen Unternehmensberatung aus dem Bereich Corporate Finance und Controlling unterstützen wir und unsere Netzwerkpartner die Unternehmen bei weiteren Fundinglösungen, zum Beispiel bei einer benötigten zweiten Finanzierungsrunde. Aber auch im Anschluss möchten wir die Unternehmen nicht alleine lassen, sondern bei zukünftigen Herausforderungen unterstützen und bei der Entwicklung begleiten (beispielsweise durch geeignete Marketing-, Vertriebs- oder Controllingmaßnahmen). Daneben vereint My Business Backer die Onlinewelt der Investoren mit der Offlinewelt. In verschiedenen deutschen Städten werden Fundingpartys veranstaltet, bei denen die Investoren die Menschen hinter den Ideen treffen und sich austauschen können.

Natürlich ist es nicht einfach, für beide Seiten – also für Investoren und Startups – eine win-win-Situation herzustellen. Das ist aber die Herausforderung, die uns jeden Morgen motiviert aufstehen lässt.

Klaus-Martin Meyer: Auf Ihrer Webseite verweisen Sie auf die Bafin- bzw. eigentlich die Prospektproblematik bei Fundings über 100.000 Euro. Warum ist die Prospekterstellung eigentlich so teuer?

Björn Röhrenbeck: Zunächst einmal muss man bedenken, dass mit einem Prospekt im Sinne des Vermögensanlagegesetzes kein kleines „Faltblatt“ gemeint ist, wie es sicherlich bei vielen von uns samstags im Briefkasten liegt und die Angebote verschiedener Supermärkte anpreist. Ein für ein Funding über 100.000 EUR eventuell benötigter Verkaufsprospekt kann leicht die Blattstärke von 50 Seiten erreichen und ist inhaltlich mit allerhand Fakten zum Unternehmen, der Geschäftsidee und der aktuellen und zukünftigen finanziellen Situation des Unternehmens gefüllt. In § 7 Absatz 1 des Vermögensanlagegesetzes heißt es: „Der Verkaufsprospekt muss alle tatsächlichen und rechtlichen Angaben enthalten, die notwendig sind, um dem Publikum eine zutreffende Beurteilung des Emittenten der Vermögensanlage und der Vermögensanlagen selbst zu ermöglichen.“ Das beginnt dann beispielsweise mit allen erforderlichen Angaben zum Startup selbst, einschließlich der Geschäftspolitik, der verfolgten Anlageziele und der Vermögenslage. Hinzu kommt, dass bei der Erstellung des Prospektes mit der gebotenen Sorgfalt vorgegangen werden muss, da sehr viele Haftungsfallen lauern. Schlussendlich muss der Prospekt vor seiner Veröffentlichung bei der BaFin (Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen) auf Vollständigkeit, Widerspruchsfreiheit und Verständlichkeit gebilligt werden.

Fakt ist also: Bei der Erstellung eines Verkaufsprospektes bedarf es der Hilfe eines Rechtsanwaltes, Steuerberaters oder Wirtschaftsprüfers. Da diese Berufsgruppen nach festgelegten Vergütungsordnungen abrechnen, die sich in der Regel nach dem Gegenstandswert richten, werden hier schnell Summen erreicht, bei denen Geschäftsführern oder Gründern von Startups schwindelig werden kann.

My Business Backer unterstützt Startups bei der Erstellung des Prospektes, um diesen auf eine effiziente und ökonomische Art und Weise zu ermöglichen. Wir sind mit unserem Team, das über umfangreiches Know-How auf den Gebieten Finanzen, Controlling, Recht und Bankwesen verfügt, gut aufgestellt.

Klaus-Martin Meyer: Sie planen Fundings im Bereich „nördlich“ von 100.000 Euro. Heißt das in der Konsequenz auch, dass man – bei vorliegendem Prospekt – auch Aktien (also richtige Beteiligungen) über My Business Backer wird erwerben können?

Björn Röhrenbeck: In erster Linie können Investoren über My Business Backer stille Beteiligungen an jungen, vielversprechenden und zukunftsweisenden Unternehmen erwerben.

Bei dieser Art der Vermögensanlage handelt es sich um die zurzeit im Crowdinvesting am meisten verbreitete Anlageform. Das hat natürlich auch seinen Grund: Dem Unternehmen wird Kapital zugeführt, welches, bei richtiger Ausgestaltung des Beteiligungsvertrages, als materielles Eigenkapital in der Bilanz des Unternehmens anzusehen ist (Stichwort: atypisch stille Beteiligung). Dies stärkt die Eigenkapitalquote des Unternehmens und macht es direkt fit für eine eventuell notwendige zweite Finanzierungsrunde. Im Gegenzug erlangen die Investoren Kontroll- und Einsichtsrechte, die flexibel ausgestaltet werden können.

Unserer Meinung nach eignen sich Aktien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirklich dafür, in größerem Maße Startups über Crowdinvesting zu finanzieren. Ein Grund dafür ist, dass nur Aktiengesellschaften Aktien emittieren können. Die Gründung einer Aktiengesellschaft oder die Umwandlung in eine solche ist nicht nur aufwendig, sondern auch sehr kostspielig. Weiterhin ist und bleibt in Deutschland die GmbH für junge Gründer die Kapitalgesellschaft mit dem größten Zulauf. Das hat sicherlich auch den Hintergrund, dass seit einigen Jahren mit der Unternehmergesellschaft eine „Mini-GmbH“ geschaffen wurde, innerhalb derer man sehr flexibel bei der Festlegung des Stammkapitals ist. Bei einer Aktiengesellschaft muss das satzungsgemäße Grundkapital 50.000 EUR betragen. Außerdem gilt es zu bedenken, dass es in Deutschland ca. 1 Mio. GmbHs gibt und nur ein Bruchteil davon Aktiengesellschaften sind.

Klaus-Martin Meyer: Was können interessierte Anleger in Kürze erwarten. Welche Arten von Firmen und Geschäftsmodellen werden im Fokus stehen?

Björn Röhrenbeck: Mit unserem Launch freuen wir uns, zwei äußerst interessante Startups präsentieren zu können. Nähere Einzelheiten gibt es in Kürze auf unserer Webseite www.mybusinessbacker.de. Generell möchten wir Anlegern Unternehmen aus den Bereichen der unternehmensnahen Dienstleistungen mit dem Schwerpunkt auf FuE- und wissensintensiven Dienstleistungen und der Datenverarbeitung / IKT präsentieren. Da der Markt für Crowdinvesting zum jetzigen Zeitpunkt noch stark ungesättigt und heterogen ist, möchten wir zu einem solch frühen Zeitpunkt jedoch kein Geschäftsmodell kategorisch ausschließen.

Im Übrigen noch ein wenig Werbung in eigener Sache. Aktuell läuft unser Ideenwettbewerb Challenge Accepted. Alles Wissenswerte hierzu gibt es unter www.mychallengeaccepted.de.

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