„Zu allererst ist Ulule die einzige Website, die den paneuropäischen Sprachraum abdeckt.“ – Interview mit Annika Schlüter (ulule.com)

Ulule

Klaus-Martin Meyer: Annika, Du kümmerst Dich um die deutsche Version von ulule.com. Könntest Du dich und ulule.com bitte kurz vorstellen?

Annika Schlüter: Ulule wurde vor zwei Jahren gegründet und ist bezüglich der Anzahl finanzierter Projekte (1350 erfolgreich finanzierte Projekte) und eingesammelter Beträge (3,8 Millionen €), die führende, auf Gegenleistungen basierende Crowdfunding Plattform in Europa. Unsere Website ist sechssprachig (deutsch, französisch, englisch, italienisch, spanisch, portugiesisch) und ermöglicht die Finanzierung kreativer, innovativer und solidarischer Projekte.

Im September diesen Jahres bin ich zum Ulule-Team hinzugekommen, um mich um die Entwicklung und Integration der Seite auf dem deutschen Markt zu kümmern. Neben meinem dualen deutsch-französischen Marketing und Management Studium an der Sorbonne, arbeite ich somit nur in Teilzeit bei Ulule. Begeistert von der innovativen Unternehmenskultur, hatte ich, als ich die Website entdeckt habe, natürlich sofort Lust mich bei Ulule vorzustellen zu bewerben – mit Erfolg.

Klaus-Martin Meyer: Auf dem deutschen Markt sind schon diverse Crowdfunding-Player aktiv. Worin wollt Ihr Euch hervorheben, um eine kritische Masse an Projekten und Unterstützern zusammenzubringen?

Annika Schlüter: Zu allererst ist Ulule die einzige Website, die den paneuropäischen Sprachraum abdeckt. Für groß angelegte Projekte, die mehrere europäische Länder erreichen möchten, ist dies unentbehrlich. Auβerdem ist Ulule eine der wenigen Plattformen, die verschiedene Zahlungssysteme, die auf die unterschiedlichen Zahlungsmethoden der europäischen Länder angepasst sind (Bankkarte, PayPal, Sofort und Giropay), anbietet. Ulule versammelt das gröβte Umfeld (bis heute mehr als 80 000 Benutzer), wodurch die Projekte gröβere Chancen potenzieller Unterstützungen haben.

Über die quantitativen Aspekte hinaus, gilt bei unserem Crowdfunding vor allem die Qualität als entscheidender Erfolgsfaktor. Was die Betreuung von Projektleitern betrifft, hat unser Team nun schon zwei Jahre Erfahrung. Die professionelle Betreuung ist darauf ausgerichtet, den Projekten bessere Erfolgschancen zu geben und nimmt etwa 75% unserer Zeit in Anspruch. Wir helfen den Projektträgern wo wir können, sodass die Projekte erfolgreich finanziert werden. Damit lässt sich auch unsere Erfolgsquote erklären, die sich in den letzten drei Monaten stabil um die 60% bewegt und seit der Entwicklung der Seite bei 53% liegt. Nach unserer Kenntnis hat keine andere Plattform eine so hohe Erfolgsquote.

Klaus-Martin Meyer: Neben den deutschen Playern wird sicher in nicht allzu ferner Zukunft mit kickstarter sich ein weiterer internationaler Platzhirsch auf den Plan treten. Wolltet Ihr da schneller sein?

Annika Schlüter: Kickstarter haben wir zwar selbstverständlich im Auge, aber wir gehen davon aus, dass sie noch einen langen Weg vor sich haben, bevor sie die vielzähligen europäischen Sprachen und Kulturen abdecken können. Es ist recht einfach ein Land mit einer Seite, einer Sprache und einem transaktionellen System abzudecken – wie es der Fall bei Kickstarter in den USA ist. Viel schwieriger ist es, ganz Europa angesichts der zahlreichen Sprachen, diversen Online-Zahlungsweisen und unterschiedlichen Kulturen bezüglich des Mäzenatentums, auf zufriedenstellende Art abzudecken. Wir geben also alles, um uns in Deutschland recht zügig zu entwickeln und einen Namen zu verschaffen, ohne die Dinge zu übereilen, womit wir das Risiko auf uns nehmen würden, die grundlegenden Werte, die den Erfolg von Ulule ausmachen, zu vergesse: die Qualität der Projekte und dessen Präsentation, sowie die Qualität der Projektleiter-Betreuung. Crowdfunding ist noch in der Reifephase und genau aus diesem Grund muss man zum Langstreckenlauf ansetzen – nicht zum Sprint. Unsere Präsenz in Deutschland soll also auf festen Pfeilern stehen!

Klaus-Martin Meyer: Ihr habt ja im englisch sprachigen Raum schon einige Erfahrungen gesammelt. Was sind aus Deiner Sicht die kritischen Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Funding?

Annika Schlüter: Der erste Erfolgsfaktor ist der Projektleiter selbst. Er sollte bereits ein kleines Umfeld potenzieller Unterstützer haben, damit er bei der Lancierung des Projekts auf diese zurückkommen kann. Die Qualität des Projekts an sich und der Sachverstand des Projektleiters in dem speziellen Bereich sind natürlich auch von groβer Wichtigkeit. Daraufhin muss auf die Angemessenheit des gefragten Betrags, des Umfeldes des Projektleiters und der Qualität des Projektes geachtet werden. Sobald diese Punkte berücksichtigt wurden, das heiβt die Grundlage des Projektes vorhanden ist, ist die Form an der Reihe. Das nimmt Zeit in Anspruch, da attraktive Gegenleistungen und aufmerksamkeitserregende Fotos, Videos etc. gefunden werden müssen. Qualitativ hochwertige Videos sind besonders ansprechend und ein groβer Pluspunkt für eine erfolgreiche Projektfinanzierung. Ein qualitativ hochwertiges Video fordert allerdings sehr viel Zeit und einige Kenntnisse im Bereich des Filmschnitts.

Parallel zu all dieser sichtbaren Arbeit, muss auch die Kommunikation in Angriff genommen werden. Abhängig von der Gröβe des Projekts, der Kapazität nicht nur bekannte, sondern auch fremde Leute für sein Projekt zu gewinnen und dem Ehrgeiz an sich, kann dies entweder sehr langwierig sein, oder wie von selbst gehen. Wie dem auch sei, sollte die Kommunikation ein Schlüsselfaktor aller Projekte sein, die über das finanzielle Ziel von 3000€ hinausgehen, und bereits vor der Geldsammlung vorbereitet werden, sodass die Lancierung der Crowdfunding-Kampagne in dem spezifischen Umfeld (und besser auch darüber hinaus) wie ein Medienhype fungiert. Welche Blogs/ welche Onlinemagazine müssen kontaktiert werden? In welchem Abstand? Welche Journalisten könnten sich für dieses Thema interessieren? Welche und wie binde ich die sozialen Netzwerke für die Kommunikation meines Projektes ein? usw. Alle diese Punkte müssen nach und nach bearbeitet werden, um seiner Crowdfunding-Kampagne die gröβten Chancen geben zu können.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss interessiert mich ein Ausblick in die Zukunft. Wo siehst Du ulule.com und das Crowdfunding an sich in fünf Jahren?

Annika Schlüter: Wie bereits erwähnt ist das Online Crowdfunding noch recht jung (vor etwa drei Jahren wurden die ersten Seiten gelaunched). Von daher ist es etwas schwierig den jungen Markt in fünf Jahren zu projizieren, ohne sich in die Wahrsagerei zu begeben. Bei Ulule sind wir trotzdem davon überzeugt, in fünf Jahren eine der drei bis fünf internationalen Crowdfunding Plattformen zu sein, die ein ausreichendes Betriebsvolumen hat und den Projektleitern, die unseren Service nutzen möchten, wahre Erfolgschancen zusprechen kann. Der Markt ist momentan noch extrem geteilt, wird sich in den nächsten Monaten allerdings automatisch konzentrieren, da die meisten Plattformen ein unzureichendes Betriebsvolumen haben, um ihren Projekten Sichtbarkeit zu verschaffen und die finanziellen Erfolge zu verwirklichen.

Was die Nutzung betrifft, sind wir der Meinung, dass das Crowdfunding noch lange nicht ausgeschöpft ist und dass das Potenzial und die Relevanz auch in anderen Bereichen, als dem des Kreativen und des Designs, bewiesen werden kann. Es gibt noch einiges im Bereich der öffentlichen Finanzierung, der Infrastruktur, der Solidarität, des Mäzenatentums usw. zu tun. Die von den Plattformen vorgeschlagenen Funktionalitäten werden simultan zur beobachteten Nutzung der Seiten weiterentwickelt und angepasst. An dieser Stelle können wir allerdings nicht mehr dazu verraten, ohne unsere strategischen Überlegungen und Vorhaben preiszugeben.

 

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