„FUNDSTERS.de bietet daher erstmalig eine universelle Plattform, auf der jede Idee eine faire Chance bekommt, sich zu präsentieren und mit Hilfe der Crowd realisiert zu werden.“ – Interview mit Markus Brütsch (Vorstand FUNDSTERS AG)

Klaus-Martin Meyer: Markus, Du bist Vorstand der FUNDSTERS AG. Könntest Du dich und deine Firma bitte kurz vorstellen?

Markus Brütsch: Sehr gerne. Ich bin 34 Jahre alt, verheiratet und habe einen kleinen Sohn. Ich bin seit 14 Jahren im Bereich Banken, Unternehmensfinanzierung und Investmentgesellschaften unterwegs, seit ein paar Jahren in leitenden Funktionen. Daher ist das Crowdfunding-Prinzip, was die Finanzierungsseite angeht, eigentlich nichts Neues.

Unzählige Gesellschaften, wie Windparks, Solarparks etc. werden seit Jahrzehnten durch viele relativ kleine Einlagen einer großen Zahl von Anlegern gemeinsam finanziert. Neu ist jedoch, dies über das Internet effizient und ohne Kostenbelastung für die Projekte zu gestalten. Insbesondere die Mitsprache, das Feedback und die Verbreitung durch die Crowd, bieten erhebliche Chancen, Innovationen, aber auch nicht kommerzielle Projekte und Ideen gemeinsam zu realisieren, die sich anderweitig schwer tun würden, Aufmerksamkeit zu bekommen.

FUNDSTERS.de bietet daher erstmalig eine universelle Plattform, auf der jede Idee eine faire Chance bekommt, sich zu präsentieren und mit Hilfe der Crowd realisiert zu werden. Wichtig ist uns dabei, dass die Crowd entscheidet. Wir werden soweit gesetzlich zulässig keine Zensur oder Auswahl der Projekte vornehmen, die auf FUNDSTERS.de eine Kampagne starten dürfen. Das eventuelle Scheitern einer Finanzierung ist ein wichtiger Hinweis vom Markt an den Betreiber der Kampagne und gehört für uns dazu. Nur solche Kampagnen zu präsentieren, deren Finanzierung ein Selbstläufer ist, halten wir für den falschen Weg.

Klaus-Martin Meyer: Während sich die überwiegende Mehrheit der Plattformen entweder Crowdfunding, Crowdinvesting oder Crowddonation anbieten, wollt Ihr eine größere Vielfalt an Möglichkeiten anbieten. Warum dieser Ansatz?

Markus Brütsch: Ich halte die Tendenz zur Nische für fragwürdig. Die Plattformen isolieren sich und fordern vom Nutzer, sich für jedes verfolgte Interesse auf einer neuen Plattform anzumelden. FUNDSTERS bietet die Möglichkeit, verschiedene Interessen, zum Beispiel an Start-Ups und Innovationen, aber auch an kreativen Projekten oder gemeinnützigen Zwecken, auf einer Plattform zu verfolgen und mit den bestehenden Netzwerken bei Facebook & Co. zu teilen. Komfortabel für den Nutzer, aber auch eine erhebliche Steigerung der Chancen der Kampagnen, sich einem möglichst großem Publikum vorzustellen und Feedback zu erhalten.

Funktionalitäten wie Gruppen, lokale Suche und Benachrichtigungsoptionen für neue Projekte machen das Ganze zusätzlich vielseitig und spannend. Es entstehen völlig neue Möglichkeiten, beispielsweise auch für kleinere Nachbarschaftsprojekte oder für die kaputte Rutsche im Kindergarten mehr Rückendeckung und helfende Hände zu bekommen.

Klaus-Martin Meyer: Wenn ich den letzten Facebook-Eintrag richtig interpretiere, habt Ihr erfolgreich eine BaFin-Lizenz beantragt. Warum braucht Ihr die?

Markus Brütsch: Wir sind sehr um Nachvollziehbarkeit und Transparenz bemüht, um uns das Vertrauen der Menschen zu verdienen. Insbesondere wenn es um Investitionen geht, gibt es hierzu viele Gesetze und Auflagen zu beachten. Ich denke, die Kollegen von Bergfürst haben das bereits sehr gut deutlich gemacht. So darf ein Unternehmen ohne Erstellung eines von der BaFin genehmigten Verkaufsprospekts nur Finanzierungen bis zur Bagatellgrenze von derzeit 100.000 EUR in Deutschland öffentlich einwerben. Während für viele Unternehmen der Betrag zu klein ist, sind die Kosten und Laufzeiten eines Prospekts für viele zu groß.

Wir haben ein Beteiligungsmodell entwickelt und dafür eine Genehmigung der BaFin erhalten. Investoren nehmen bei uns nicht nur am Gewinn, sondern auch an der Steigerung des Unternehmenswertes teil. Trotzdem bleiben Gewinne Kapitalerträge und werden pauschal nur mit 25% versteuert. Gleichzeitig dürfen wir über die 100.000 EUR Grenze hinaus in unbegrenzter Höhe Investitionen abwickeln, ohne das für jedes Unternehmen ein eigener Prospekt geschrieben werden muss. Investitionen sind schon ab 1 EURO möglich.

Wichtig ist uns dabei, dass Investoren und Gründer sich auf FUNDSTERS.de auch über den Fundingzeitraum hinaus austauschen und auf die Verfolgung ihrer Ziele konzentrieren können. Das Unternehmen muss sich dafür nicht mit der Verwaltung und steuerlichen Betreuung von hunderten Einzelbeteiligungsverträgen blockieren, wir übernehmen das ohne Verwaltungskosten für Investor oder Unternehmen – im Erfolgsfall bekommen wir dafür 10% des Gewinns, das eingesetzte Kapital sowie 90% der Gewinne gehen an die Investoren.

Klaus-Martin Meyer: Wie wichtig ist die Nähe zur HHL für Euer Geschäftsmodell und in der Folge für die über Euch finanzierten Startups und Projekte?

Markus Brütsch: Die Handelshochschule wurde im Financial Times Ranking 2012 erneut als die weltweit führende Universitätsausbildung für Gründer ausgezeichnet. Ich verdanke der Schule selbst sehr viel und bin stolz, dass wir diese Kooperationsanfrage erhalten haben. Wir arbeiten derzeit an einer Reihe von Kooperationen mit Hochschulen, Verbänden und Forschungseinrichtungen, die für uns und auch den über uns finanzierten Startups und Projekte hilfreiche Angebote machen können. Im Kern ist unser Geschäftsmodell davon unabhängig, jedoch glauben wir, dass ein Netzwerk mit starken Partnern für die Projekte und auch für die Partner viele zusätzliche Chancen bietet.

Klaus-Martin Meyer: Damit ein funktionstüchtiger Marktplatz entstehen kann, braucht es eine kritische Masse an hochwertigen Startups und Projekten sowie liquider Investoren. Wie wollt ihr beides generieren auch im Konzert der vielen bereits aktiven oder im Entstehen begriffenen Plattformen?

Markus Brütsch: Der Zugang zu verschiedenen Netzwerken ist da natürlich wichtig. Das HHL Umfeld ist da ein gutes Beispiel, viele daraus hervorgegangene Gründungen wurden zum Beispiel von Apax, Earlybird, Wellington oder Holtzbrink finanziert. Die Gespräche mit solchen Investoren auch über mögliche Co-Investments, bei denen der VC eine professionelle Bewertung und durch sein finanzielles Engagement ein Signal liefert sowie die Crowd durch ihr Investment gleichzeitig Reichweite und Multiplikation generiert, erscheinen vielversprechend.

Gleichzeitig gibt es unzählige Gründungen, die in eine solide Zukunft blicken aber eben nicht die enorme Skalierbarkeit des klassischen VC Cases liefern. Crowdfunding bietet die Chance, auch kleine, weniger wachstumsorientierte Investitionen zu realisieren, oft mit nettem Zusatznutzen. Ein Beispiel: Ich bin lange Zeit mit der Londoner U-Bahn gefahren. An meiner Station war ein kleiner Imbiss mit superleckeren Sandwiches. Der Laden hat zugemacht, weil der Mann nicht das Geld hatte, um nach einem Kabelbrand in neue Geräte zu investieren und die Bank ihm keinen Kredit gegeben hat.
Ich wette, wenn er es geschafft hätte, von jedem Pendler an seiner Station 10 EUR Investition zu bekommen, wäre der Laden nicht nur weiterhin da, sondern sein Umsatz erheblich gestiegen. Eben diese profanen und lokalen Fälle sind eine große Chance des Crowdfundings, nicht nur die leuchtenden Einzelfälle. Darum geht es.

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