Replik an die WirtschaftWoche zum “Resterampe”-Artikel

Sehr geehrter Herr Heismann,

es ist sehr schön, dass zum wiederholten Male, das Thema Crowdfunding breiten Raum in Ihrem Magazin erhalten hat. Allerdings geht mir als Langzeit-Abonnent die Attitüde hinter Ihrem Artikel “Resterampe für hoffnungslose Fälle” etwas auf den Zeiger .

Ihr Beitrag liest sich, als sei Crowdfunding per se eine unseriöse Geschichte mit der Kleinanleger geködert werden sollen. Ich bin dagegen der festen Überzeugung, dass die ganz überwiegende Mehrheit dieser Kleinanleger sich des Risikokapital-Charakter ihrer Einlagen bewusst ist und das Scheitern durchaus einkalkuliert.

Wenn Sie schreiben, dass die Anleger angesichts der Einhaltung der 100.000 Euro-Grenze auf die Segnungen der Finanzaufsicht verzichten, ist das zwar richtig. Weil Sie aber gleichzeitig an das Scheitern des Neuen Marktes erinnern, seien Sie darauf hingewiesen, dass beim Neuen Markt die Anleger gigantische Verluste erlitten haben, und dies obwohl damals tolle “rechtsverbindliche” Prospekte gedichtet wurden.

Was mir aber am meisten auf den Keks geht, ist diese peinliche Doppelmoral. Da wird vor ein paar Wochen in der Wiwo ein toller Beitrag gemacht, dass auch das Scheitern seinen Nutzen hat und viele Beispiele gebracht, wo Gründer es im zweiten Anlauf geschafft haben, tolle Firmen aufzubauen. Sie allerdings rücken die Karriere des Bergfuers-Gründers bei der Berliner Effektenbank und bei E-Trade in ein schlechtes Licht, um das Crowdfunding an sich zu diskreditieren.

Sicherlich wird auch berechtigte Kritik formuliert, aber Positivbeispiele werden offenbar bewusst unterschlagen.

Dass ich mit meiner Meinung nicht allein dastehe, entnehmen Sie bitte der folgenden Diskussion.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Leser und Kunde
Klaus-Martin Meyer

[Update 11.11.2012] Ferner weise ich darauf hin, dass immer wieder beklagt wird, dass in diesem Land die Banken lieber eine Pommesbude finanzieren als ein innovatives Startup. Da wäre doch mal ein Lob angebracht, dass es in Deutschland zahlreiche Crowdfunding-Marktplätze geschafft haben, interessante Startups mit risikobehaftetem Kapital auszustatten. Wenn sich diese Szene etabliert, haben wir da langfristig alle etwas davon, auch wenn viele Anleger zusammengenommen viel Geld verlieren werden.

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