„Ich schätze das Potential in diesem Segment um ein vielfaches höher ein als im Startup-Segment.“ – Interview mit Dirk Littig von der Mittelstands-Crowdfunding-Plattorm bankless24

bankless24

Klaus-Martin Meyer: Dirk, Du bist der Geschäftsführer der bankless24 GmbH. Könntest Du dich und deine Firma bitte kurz vorstellen?

Dirk Littig: Gern. Ich bin mit 42 Jahren wahrscheinlich eher der Methusalem unter den Gründern alternativer Finanzierungsplattformen. Ich bewege mich seit mittlerweile 20 Jahren im Bereich Banken und Private Equity Gesellschaften – habe also im Grunde seit meinem Studium eine hohe Affinität zu Mittelstand und Finanzierungsthemen. Häufig habe ich dabei in verschiedensten Funktionen die Erfahrung gemacht, dass der Begriff „Mittelstand“ durchaus unterschiedlich belegt sein kann. So wird sich beispielsweise ein PE-Fund (oder auch die etablierten Geschäftsbanken) unter Mittelstand irgendetwas in einer mindestens dreistelligen Umsatzgrößenordnung vorstellen, wohingegen sich der größere Handwerksbetrieb durchaus auch als Mittelstand sieht.

bankless24.de ist die erste Crowdinvesting Plattform, die sich ausschließlich auf den Mittelstand konzentriert. Wir definieren Mittelstand dabei nicht anhand von Umsatzgrößen oder Mitarbeiterzahlen, sondern machen das eher einerseits am Selbstverständnis der Unternehmer und andererseits an den Größenordnungen der benötigten Finanzierung fest. Mittelstand ist hinsichtlich der Finanzierungsvolumina für uns jedes Unternehmen, dem es an Alternativen zu klassischen Finanzierungswegen wie der Bank mangelt.

Ein starker Treiber unseres Modells ist die Standardisierung – das gilt sowohl für Produkte als auch für Prozesse. Deshalb gibt es bei uns nur ein Produkt, das eigenkapitalnah ausgestaltete Genussrecht. Das übrigens nicht begrenzt auf 100.000 Euro, sondern nach oben offen. Für die bei größeren Beträgen erforderliche Prospekterstellung haben wir eine Kooperation mit einer etablierten Anwaltskanzlei, die diese Aufgabe – ebenfalls weitestgehend standardisiert – übernimmt.

Von der Anlegerseite betrachtet bietet bankless24 nicht weniger als den Zugang zu einer vollkommen neuen Anlageklasse – und das bereits ab 100 Euro. Bisher war es Anlegern nicht möglich, breit in den Mittelstand zu investieren. Wir ermöglichen das. Dabei sind Transparenz und Sicherheit aus unserer Sicht wesentliche Faktoren. Wir verlangen daher von allen Unternehmen auf der Plattform – sofern sie seit mindestens zwei Jahren bestehen – ein Bilanzrating unseres Partners Creditreform Rating AG. Außerdem werden alle Finanzierungsprojekte über ein Treuhandkonto bei unserem Partner Fidor Bank AG abgewickelt.

Klaus-Martin Meyer: Wie kam es zu der Idee eine Crowdfunding-Plattform für den Mittelstand zu initiieren?

Dirk Littig: Die Idee ist im Grunde schon ziemlich alt. In meinen früheren Funktionen im Banken und PE-Bereich hat mich immer wieder die Frage umgetrieben, wieso eigentlich niemand kapitalmarktähnliche Alternativen unterhalb von 20-25 Mio. Euro Finanzierungsbedarf bietet. Immerhin tragen die sogenannten KMU an die 40% zur Wirtschaftsleistung in unserem Land bei und beschäftigen ca. die Hälfte aller Arbeitnehmer. Irgendwann wurde die Idee dann zum Businessplan und der ist jetzt bankless24.

Anders betrachtet: Nennen wir es Börse, dann ist die Idee keine neue. Neu ist eigentlich nur die Standardisierung und damit Kostensenkung einerseits und die Disintermediation, also der Verzicht auf Banken, Berater und andere Mittler, sodass Anleger direkten Zugang zu den Investments haben.

Klaus-Martin Meyer: Ihr startet gleich mit zwei Fundings. Das ist sehr mutig. Woher soll so schnell eine kritische Masse an Investoren kommen?

Dirk Littig: Danke! Es ist natürlich, wie es immer ist. Wenn man ein neues Modell launcht, hat man immer auf die ein oder andere Weise das Henne-Ei-Problem. Hätten wir keine Fundings, in was sollten Anleger investieren?

Wir haben – auch in unserem offline-Netzwerk – Zugang zu zinsorientierten Anlegern, die durchaus auch bereit sind, größere Beträge in die Anlageklasse „Mittelstand“ zu investieren. Darüber hinaus kooperieren wir nicht nur bei der kontenmäßigen Abwicklung sondern auch auf vertrieblicher Ebene mit der Fidor Bank, deren Kunden ja durchaus eine gewisse Affinität zu dem Thema haben. Überzeugen müssen natürlich immer die Unternehmen und ihr Angebot.

Aber: Jeder zusätzliche Anleger ist uns natürlich hoch willkommen!

Klaus-Martin Meyer: Wie schätzt Du die Möglichkeit ein, dass die Finanz-Crowd den mittelständischen Firmen auch über das Finanzielle hinaus zu helfen?

Dirk Littig: Bleiben wir erstmal beim Finanziellen: Aus meiner eigenen Vergangenheit weiß ich, dass es in den Kreditabteilungen der Banken immer auch Branchen gibt, die von vornherein kaum eine Chance haben. Dabei wird vielfach nicht gesehen, dass es auch in Branchen mit überdurchschnittlich vielen schlechten Unternehmen eben auch die Guten gibt. Nehmen wir ein Unternehmen aus einer solchen Branche und nehmen wir einige Anleger, die berufliche Erfahrungen in genau dieser Branche haben. Die Anleger werden relativ schnell zu einer Entscheidung kommen, ob sie ein gutes oder schlechtes Unternehmen vor sich haben und so möglicherweise dem Unternehmer die Finanzierung sichern, der bei seiner Bank kaum einen Termin bekommen hat.

Um auf Deine Frage zurück zu kommen: Natürlich kann die Crowd auch mittelständischen Unternehmen über das Finanzielle hinaus helfen. Ich denke hier z.B. an alle Unternehmen, die mit Konsumgütern zu tun haben. Solche Unternehmen haben bei uns die Möglichkeit, beispielsweise Einkaufsgutscheine als Bonus anzubieten. Ein tolles Instrument, Investoren zu Kunden und umgekehrt zu machen.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss würde mich eine Einschätzung interessieren, wie groß das Crowdfunding-Potential im Mittelstand einzuschätzen ist?

Dirk Littig: Klare Antwort: Immens! Aber frage mich bitte nicht nach genauen Zahlen.

Ich schätze das Potential in diesem Segment um ein vielfaches höher ein als im Startup-Segment. Das liegt an vielen Faktoren, nicht zuletzt an der schieren Größe der Zielgruppe. Das liegt an der immer noch schwachen Eigenkapitalausstattung deutscher Mittelständler, das liegt an der Entwicklung in der Bankenlandschaft und vieles mehr.

Auch auf der Anlegerseite ist das Potential für diese Anlageklasse riesig. Soweit ich das überblicke, sind standardisierte, transparente Mittelstands-Genussrechte ein Anlageinstrument, auf das viele Anleger nur gewartet haben.

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