„Shekra hat eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und agiert zudem Shariah-konform.“ – Interview mit Dr. Shehab Marzban (Shekra.com)

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Klaus-Martin Meyer: Herr Dr. Marzban, Sie sind Co-Funder der Firma Shekra.com. Könnten Ihre Firma kurz vorstellen?

Shehab Marzban: Shekra basiert auf einem Programm, dass Startups von der Ideenkreation bis zur Finanzierung und Implementierung begleitet. Basierend auf dem Konzept Aktienanteil-basiertem Crowd Funding finanzieren wir Startups durch ein geschlossenes Netzwerk von Investoren, aber unsere Dienstleistungen beinhalten auch Ausbildung, Mentoring and Berichterstattung.

Klaus-Martin Meyer: Bitte erklären Sie uns doch etwas genauer, wo der Unterschied liegt zwischen existierenden Crowdfunding-Plattformen und Ihrer islamischen Crowdfunding-Plattform?

Shehab Marzban: Unabhängig von Shariah Überlegungen, konzentriert Shekra sich zunächst darauf, typische Probleme der Crowdfunding-Plattformen zu überwinden, durch die Integration von zusätzlichen Aktivitäten des Entrepreneurial Ökosystems, um die Erfolgschancen von Startups durch Maßnahmen wie Fortbildung, Unterstützung bei der Erstellung eines Business Plans sowie laufender Überwachung und regelmässiger Berichterstattung zu erhöhen.
Shekra hat eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und agiert zudem Shariah-konform. Das bedeutet, dass Start-ups sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein müssen und dementsprechend handeln, sowie keine Aktivitäten betreiben, die nicht Shariah-konform sind so wie die Generierung von direkten oder indirekten Umsätzen von Alkohol, Pornografie, Glücksspiel, Tabak oder auf Zins basierenden Transaktionen.
Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, dass Start-ups vertraglich daran gebunden sind, auch in Zukunft kein zusätzliches Kapital durch Zins-basierte Schulden aufzubringen. Auch die rechtlichen Vereinbarungen werden in Übereinstimmung mit der Shariah getroffen, um das Prinzip einer klaren Verteilung von Gewinnen als auch Verlusten zwischen Unternehmern und Investoren sicherzustellen.
Shekra konzentriert sich daher nur auf Aktienkapital Crowdfunding statt zinsbasierter Darlehensvergabe.
Für uns ist es wichtig, sich auf diese Grundwerte zu fokussieren, das Branding unseres Produkts als islamisch ist nebensächlich.

Klaus-Martin Meyer: Wenn ich die Ausführungen auf Ihrer Internetseite richtig verstehe, fokussieren Sie sich auf die Region Afrika und MENA. Ist es auch denkbar, dass Sie z.B. eine Firma in Deutschland funden würden, die Ihren islamischen Ansatz sympathisch findet?

Shehab Marzban: Unser Fokus liegt vor allem auf Entwicklungsländern und da vor allem auf islamischen Ländern, wo es noch eine deutliche Lücke bei der Bereitstellung von Crowdfunding gibt. So ist es unser Ziel sequenziell in Ägypten, im Nahen Osten, Afrika und dem Rest der islamischen Länder zu expandieren.
In diesen Ländern ist es generell schwierig für Startups und kleine Unternehmen sich durch Banken oder Fonds das nötige Kapital zu sichern. Die dortigen Unternehmer, die zur Wirtschaft beitragen wollen, möchten wir unterstützen, um somit lokale Talente zu fördern und zu vermeiden, dass die brillantesten Köpfe dieser Länder auswandern.
Natürlich glauben wir auch an das große Potenzial von Islamic Finance und durch die enge Verbundenheit eines Großteils des Shekra Teams mit Deutschland, hoffen wir auf eine Partnerschaft mit bestehenden Anbietern auf dem deutschen Markt, um sie in der Erbringung von kompatiblen Dienstleistungen für Scharia-konforme Investoren zu unterstützen.

Klaus-Martin Meyer: Wie groß schätzen Sie die Herausforderung ein, von Ägypten aus einen funktionierenden Crowdfunding-Marktplatz zu etablieren?

Shehab Marzban: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Einerseits ist das Konzept sehr neu in Ägypten und der Region, andererseits hat der Arabische Frühling (Arab Spring) zu einer wachsenden unternehmerischen Stimmung geführt und dem Glauben und der Hoffnung daran, dass alles möglich ist.
Obwohl es viele brillante Ideen gibt, war unser Hauptproblem, das konventionelle Crowdfunding-Modell anzupassen, um zusätzliche Maßnahmen wie Business Skill, Schulungen und praktische Hilfe von kompetenten Ratgebern bereitzustellen.
Darüber hinaus arbeiten wir mit einem geschlossenen Netzwerk von Investoren, da der rechtliche Rahmen für Crowdfunding – so wie in Europa – hier noch nicht existiert.
Die Herausforderung ist groß, aber das Potenzial ist größer.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss interessiert mich noch ein Ausblick. Wo sehen Sie Ihre Firma in fünf Jahren?

Shehab Marzban: In fünf Jahren sehen wir uns als Anbieter eines kulturell angepassten und maßgeschneiderten Crowdfunding-Modells, als regionaler Marktführer im Crowdfunding und von unternehmerischen Ökosystem-Dienstleistungen, und mit beginnender internationaler Präsenz.

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