„Es stimmt, wir führen die Emission in Eigenregie durch.“ – Im Interview mit Alexander Kuhr zum Crowdfunding mit Alexander Kuhr (DeinBus.de)

Klaus-Martin Meyer: Herr Kuhr, Sie sind einer der Geschäftsführer von Deinbus.de. Könnten Sie sich und ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Alexander Kuhr: Das DeinBus.de-Gründerteam besteht aus meinen beiden ehemaligen Studienkollegen Christian Janisch (30) und Ingo Mayr-Knoch (27) und mir (29). Wir sind 2009 mit großen Zielen, wenig Erfahrung und verschwindend geringem Budget angetreten mit dem Ziel, das Bahnmonopol in Deutschland zu knacken. Inzwischen sind wir ein paar Jahre älter, haben merklich weniger Haare auf dem Kopf, dafür sind wir reicher an Erfahrungen und haben ein einzigartiges, 15-köpfiges Team, das an unserer Seite kämpft und mit uns versucht, die wahnsinnigen Chancen des liberalisierten Marktes 2013 optimal zu nutzen.

Klaus-Martin Meyer: Zur Wachstumsfinanzierung führen Sie aktuell ein Crowdfunding durch. Warum haben Sie sich für diese Form der Finanzierung entschieden?

Alexander Kuhr: Die Emission von Genussrechten hat bei uns gewissermaßen „Tradition“. Als die Deutsche Bahn AG Klage gegen DeinBus.de eingereicht hat, war uns klar, dass wir im Falle eines für uns negativen Richterspruchs die eigenen Anwaltskosten sowie die Anwaltskosten der Gegenseite tragen müssen. Das wäre sehr, sehr knapp geworden. Aufgrund der vielfältigen Medienberichterstattung über die Klage der Bahn gingen plötzlich Spenden auf unserem Geschäftskonto ein, als Unterstützung in diesem Kampf mit ungleichen Mitteln. Wir haben die Hilfe dankend entgegen genommen, später auch aktiv zu Spenden aufgerufen, jedoch hatten wir eigentlich immer den Anspruch, die Spenden irgendwann zurück zu zahlen, schließlich sind wir keine Wohltätigkeitsorganisation sondern eine Gesellschaft mit Gewinnabsicht. Deutsche Crowdfunding-Plattformen gab es damals noch nicht, und nach vielen Gesprächen und einigen Tagen und Nächten in der Bibliothek haben wir uns dann schließlich für das Instrument der Emission von Genussrechten entschieden. Es ist perfekt: Wir können mindestens fünf Jahre mit dem bereitgestellten Kapital arbeiten, um es danach mit einer, idealerweise positiven Ergebnisbeteiligung, wieder zurück zu zahlen. Die diesjährige Emission ist der nächste logische Schritt, ich schließe auch eine größere Emission in Zukunft nicht aus.

Klaus-Martin Meyer: Frei nach dem Motto „Cut the middle man!“ führen Sie das Funding in Eigenregie durch. Haben Sie Alternativen – wie z.B. ein Funding über companisto, wo nur eine einzige stille Beteiligung zu verwalten gewesen wäre – geprüft auch im Hinblick auf die administrativen Aufwendungen in der Zukunft?

Alexander Kuhr: Es stimmt, wir führen die Emission in Eigenregie durch. Auch ist der administrative Aufwand nicht zu unterschätzen. Selbstverständlich haben wir uns Anbieter von Crowdfunding-Plattformen angeschaut, haben uns nach sorgfältiger Abwägung jedoch erneut für eine Emission in Eigenregie entschieden. Einerseits halte ich die Agios und vor allem die langfristigen, teilweise versteckten Kosten bei den bestehenden Plattformen für zu hoch, je nach Anbieter und performance bleibt dem Start-Up oft nur weniger als die Hälfte des eingesammelten Kapitals. Andererseits sollte diese Emission auch als Test für eine zukünftige, möglicherweise unter die Prospektpflicht fallende Emission sein. Wir sind mit dem Verlauf bisher sehr zufrieden!

Klaus-Martin Meyer: Wie beurteilen Sie die Werbewirkung durch die Investoren? Schmort man da nicht im eigenen Saft, wenn man ein Funding in Eigenregie durchführt, während man bei einem Funding über eine Plattform potentiell tausende neue Kunden auf sich aufmerksam macht?

Alexander Kuhr: Das mag stimmen, jedoch sind auch unsere Genussrechtsinhaber wunderbare Multiplikatoren. Die große Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit für die nahende Liberalisierung sorgt dafür, dass wir nicht zu sehr im eigenen Saft schmoren. Schlussendlich war die Entscheidung zwischen einem Anbieter und der Emission in Eigenregie eine vielschichtige, den von Ihnen erwähnten vermeintlichen Nachteil nehmen wir bewusst in Kauf.

Klaus-Martin Meyer: Die Verzinsung Ihrer Genussscheine erscheint mir sehr attraktiv, während die Naturalverzinsung mit dem 5-Euro-Gutschein etwas „schwäbisch“ rüberkommt. Ich glaube hier wäre zwei Gutscheine (für den Investoren nebst Begleitung) für eine schöne Strecke attraktiver, zumal viele Investoren ihre Gutscheine vermutlich ohnehin verfallen lassen. Mit welcher Zielstellung haben Sie die Konstruktion der Perks gewählt?

Alexander Kuhr: Das mag daran liegen, dass ich Schwabe bin (lacht). Im Ernst, bisher übererfüllen wir unsere vertraglichen Pflichten und händigen Gutscheine im Wert von EUR 15 für jedes Genussrecht aus. Die meisten Zeichner investieren EUR 1000 oder mehr, das sind dann bereits Gutscheine im Wert von EUR 60 pro Jahr. Bei unseren niedrigen Preisen reicht das für bis zu sechs Fahrten im Jahr, das ist doch nicht schlecht, oder? Grundsätzlich soll die Naturalverzinsung nicht der zentrale Anreiz für ein Investment darstellen, sondern vielmehr als Schmankerl dienen. Die Fahrgutscheine werden überraschend häufig genutzt, von Familienmitgliedern, Freunden aber auch den Zeichnern selbst. Auch die T-Shirts und die Abendessen erfreuen sich großer Beliebtheit, ich empfinde es als Privileg unsere Unterstützer auf diese Art und Weise persönlich kennenzulernen und den Austausch zu suchen, das schafft eine gemeinsame Basis und gibt uns wichtige Impulse.
Die Verzinsung des eingezahlten Kapitals ist tatsächlich attraktiv, aber meines Erachtens gerechtfertigt: Wer uns zum jetzigen Zeitpunkt derart viel Vertrauen entgegen bringt, sollte langfristig auch von unserem Erfolg profitieren. Unsere Wachstumsraten sind – ganz Start-Up-like – enorm, unsere Genussrechtsinhaber sollen über die kommenden Jahre Ihren gerechten Anteil daran haben.

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