Mit einer (motivierten) Crowd kommt man weiter… – Ergebnisse einer Crowdstreet-Umfrage bei Startups

Vielfach ist zu lesen, dass eine Crowd dem (crowd-) finanzierten Unternehmen über das Geld hinaus im Hinblick auf den Geschäftszweck behilflich sein kann. Meine Interviews mit den Startups werden ja meist geführt, wenn das Funding kurz bevorsteht bzw. gerade läuft. Zu diesem Zeitpunkt hat das Startup natürlich gewisse Erwartungen, von denen noch nicht bekannt sein kann, ob diese Erwartungen sich erfüllen, nicht erfüllen oder ob diese im Idealfall vielleicht sogar übertroffen werden.

Dieses Erkenntnis-Defizit hat mich veranlasst, alle Firmen, die über die bekannten deutschen Plattformen erfolgreich Geld eingesammelt haben, einmal zu dem Punkt zu befragen, wie die Crowd – abgesehen vom Kapital – geholfen hat.

Meine eigene bisherige Erfahrung im Umfang mit den Startups ist, dass dort Anfragen bzw. Vorschläge zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen bzw. beantwortet werden, dass aber das Potential der Crowd bei weitem nicht ausgeschöpft wird.

Genau diesen Punkt bestätigte Coskun Tuna von rankseller in einer sehr ausführlichen Mailantwort auf meine recht allgemein gehaltene Anfrage. Er stellt fest, dass “die Initialzündung sehr oft vom Startup ausgehen muss, denn im allgemeinen Alltagsbetrieb hört und sieht man von den Mikroinvestoren nichts.

Es gibt beim Ausschöpfen des maximalen Unterstützerpotentials einer Crowd also zwei Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Erstens muss das Startup die Hilfe wollen und zweitens muss diese auch eingefordert werden. Wie dies initial aussehen kann, zeigte z.B. der Pitch von ePortrait, über den ich bereits vor einigen Wochen bloggte.

Damit aber nicht genug, die Hilfe muss auch fortgesetzt eingefordert werden, das bringt das obige Zitat von Coskun sehr gut zum Ausdruck. Die Hilfe kann dann auch sehr unkonventionell ausfallen, wie im Falle von Righteous, wo die Crowd vor Ort in Supermärkten in verschiedenen Städten, z.B. Fotos von den Produkten in den Supermarktregalen gemacht hat, als die Firma noch nicht in der Lage war die üblichen Dienstleister im Absatzkanal zu bezahlen.

Wie Hilfe bei einzelnen Startups ganz konkret aussah, kommt in den folgenden Zitaten zum Ausdruck:

„Das Potenzial der Crowd muss man sich aktiv holen! Und zumeist ist das Feedback wirklich gut!“ Coskun Tuna, rankseller

„Unsere Crowdfunding-Runde hat Larovo geholfen, den Begriff „Online-Kaufberatung“ in die Welt zu tragen und unser Google-Ranking zu verbessern. Darüber hinaus haben wir Zugang zu weiteren potenziellen Investoren und bekommen aus der Crowd regelmäßig Feedback zu Website und Service.“ Ulrich Glemnitz, Larovo GmbH

„Die Companisten unterstützen uns auf verschiedene Weise: Sie sind nicht nur Investoren sondern auch Nutzer von BetterTaxi und machen die App dadurch bekannter. Ein gutes Beispiel ist die Wahl von BetterTaxi zur App des Monats auf telefon.de, bei der die Stimmen unserer Investoren zum Sieg beigetragen haben. Sehr hilfreich für BetterTaxi ist auch das umfangreiche Feedback der Crowd, um die App weiter zu verbessern.“ Timo Euteneuer, Bettertaxi

„Die Vorteilhaftigkeit von Crowdfunding liegt in der Kombination von mehreren Schlüsselelementen neben der reinen Kapitalbeschaffung in der Gründungsphase; nämlich dem Marketingaspekt und dem kontinuierliches Feedback zum Konzept und Produkt durch direkt einbezogene Kunden.“ Konstantin v. Keyserlingk, Munich Distillers UG

„Der Vorteil liegt im Begriff dieser Finanzierungsmöglichkeit selbst: Die Crowd! Die Multiplikatorfunktion der Crowd war für uns der entscheidende Grund für Seedmatch. Man muss sich das so vorstellen: Wir haben nicht nur zu einer fairen Kondition Seed-Kapital aufnehmen können, sondern unser Team mit Know-How und Erfahrung ausgestattet. Wir haben bereits sehr wertvolle Ideen und Tipps von unseren Investoren erhalten, die wir in unsere weitere Geschäftsentwicklung einfließen lassen. Der Marketing-Effekt mit über 170 Unterstützern ist auch nicht zu unterschätzen. Wir haben auf einen Schlag bundesweit so viele Supporter gewonnen, die in ihrem Bekanntenkreit, ob privat oder professionell, über Userlike berichten und unsere „Message“ weitertragen.“ Timoor Taufig, Geschäftsführer Devcores UG

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf, werden sehr gut betreut und können die Innovestment in jedem Fall mit sehr gutem Gewissen weiter empfehlen! Etliche Crowd Investoren haben uns persönlich angerufen und uns Fragen gestellt, die bei uns die Auseinandersetzung mit unserem Geschäftsmodell nochmal befördert haben! Erfolg allein ist es ja nicht, man muss ihn auch darstellen können! Das hilft sicherlich bei
weiteren Finanzierungsrunden. Unsere Crowdfunding ist ja noch nicht abgeschlossen, wir werden auf jeden Fall die intensive Kommunikation mit den Crowdinvestoren suchen, sobald Anfang Januar alle an Bord sind!“ Christian Sauerteig, CEO Immanitas Entertainment GmbH

„Wir stellen immer häufiger fest, dass Start-ups das beim Crowdinvesting gesammelte Kapital als nützlichen Nebeneffekt auffassen. Ausschlaggebend ist oftmals der kostenlos mitgelieferte Marketingeffekt und die Vielzahl von aktiven Multiplikatoren. Das verändert die Investmentkultur wesentlich. Crowdinvesting ist keine Einbahnstraße. Vielmehr ist jeder Companist bei der Gründung live dabei und kann mithelfen, das Unternehmen und sein Investment voran zu bringen – und das ganz unabhängig von der Höhe seines finanziellen Einsatzes.“ David Rhotert, Gründer und Geschäftsführer von Companisto

„Fast jeder Crowd-Investor ist nicht nur ein guter Kunde, sondern wird zu einem aktiven Botschafter für die Marke.“ Sebastian Witzmann, Geschäftsführer Vela Entertainment Studios UG

Bei Fine Cotton Company sind wir sehr begeistert vom Grundkonzept Crowdfunding. Und zwar weil beide Seiten, Investoren und Startups, enorm profitieren (können). Für erstere eröffnet sich eine komplett neue Anlageklasse (zumindest für Kleinanleger) und Startups erschließen neue Finanzierungsquellen. Jedoch muss die Initiative nach der Finanzierung beim Startup liegen. Das Startup muss sich aktiv um die Einbeziehung der Crowd bemühen, Feedback, Inhalte und Aktionen direkt einfordern.“ Philipp Maier, Fine Cotton Company

„Der Input unserer Investoren ist natürlich bei der Anzahl (mittlerweile über 60 stille Investoren) sehr unterschiedlich, dennoch gibt es darunter Leute, die man fast schon als Business-Angel bezeichnen muss. Sie reagieren freudig bis kritisch auf unsere Quartalsreportings, geben uns Hinweise, wie deren Informationsgehalt verbessert werden kann und hinterfragen unsere Herangehensweise bzw. auch unsere inhaltliche Arbeit. Unsere Investoren geben uns neben (selten) strategischen Tipps immer wieder viele operative Anregungen die das Produkt besser machen, uns motivieren und uns zeigen, dass es nicht die Knete ist, die im Vordergrund ihrer Beteiligung steht sondern vor allem der Glaube an die Idee – und der birgt die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen.
Ich gehe davon aus, dass wir ein paar echte Sahneinvestoren haben und glaube nicht, dass unsere Erfahrungen als exemplarisch herhalten kann – aber mein Eindruck ist, dass die Mühe, die wir uns geben, in jedem Falle gespiegelt wird.“
Es kommt auf Kommunikation an, auf ehrliches Interesse an der Vision und auf gegenseitige Achtung.“ Katja Splichal Marketing und Kundendialog | Media Relations, PaperC GmbH

„Am meisten geholfen haben uns die Verbesserungsvorschläge der Crowd-Investoren und deren Mundpropaganda im jeweils eigenen Umfeld. Zudem waren die zahlreichen positiven Bekundungen zum Businesskonzept eine tolle Motivation für unser gesamtes Team.“ Saveen Krishnamurthy

Ich hoffe, dass an dieser Stelle in den kommenden Tagen weitere Zitate von Firmen, die bisher noch nicht geantwortet haben, ergänzt werden können.

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