„Die Idee, den Weg des Crowdfundings zu wählen, stammt aus der Comicszene“ – Im Interview mit Daniel Lieske (Wormworld Saga)

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Wormworld – Kickstarter Crowdfunding

Klaus-Martin Meyer: Daniel, Du bist der Macher der Wormworld Saga. Könntest Du dich und dein Werk bitte kurz vorstellen?

Daniel Lieske: Ich bin 35 Jahre alt und war die meiste Zeit meines professionellen Lebens als Grafiker in der Computerspieleentwicklung tätig. Die Wormworld Saga begann als Hobbyprojekt, dass ich neben meinem Job in den Abendstunden und an den Wochenden vorangetrieben habe. Im Kern handelt es sich dabei um einen Fantasy-Comic, der die Geschichte eines jungen Burschens namens Jonas erzählt, den es durch mysteriöse Umstände in eine Paralellwelt verschlägt. Veröffentlicht habe ich den Comic an Weihnachten 2010 im Internet, wo jeder die Geschichte kostenfrei lesen kann. Das Projekt hatte dann binnen weniger Wochen eine bemerkenswerte Resonanz erzeugt. Ich bekam viel Unterstützung von Fans, in finanzieller Form oder in Form von Übersetzungen – das erste Kapitel der Wormworld Saga ist schon in 23 Sprachen verfügbar – und aufbauend auf diesem Support habe ich dann Mitte 2011 entschieden, mich mit dem Projekt selbsttändig zu machen. Seitdem arbeite ich Vollzeit an der Wormworld Saga.

Klaus-Martin Meyer: Du hat auf kickstarter.com erfolgreich ein Funding realisiert. Wie kam es zu der Idee mit dem Crowdfunding?

Daniel Lieske: Ich habe sogar schon zwei erfolgreiche Kickstarter-Kampagnen hinter mir. In der Ersten ging es um die Finanzierung einer Wormworld Saga App für Tablets. Das Funding Goal von 12.000 Dollar wurde dabei um fast 100% überschritten und das Projekt wurde damit ein gutes Stück vorangebracht.
Die zweite Kampagne habe ich gestartet, um die Anfangsinvestition für die Einrichtung eines Fan-Shops auf der Webseite zu stemmen. Mit der zweiten Kampagne bin ich nicht ganz so weit über das Ziel hinausgeschossen, aber es sind immerhin auch knapp über 20.000 Dollar zusammengekommen. Die Idee, den Weg des Crowdfundings zu wählen, stammt aus der Comicszene, die ich beobachte. Dort hatte ich mehrere Projekte beobachtet, die mit Crowdfunding Erfolg hatten und mir gedacht, dass ich das auch hinbekommen könnte.

Klaus-Martin Meyer: Welche Strategie hast Du bei der Ausgestaltung Deiner Perks beim Kickstarter-Pitch verfolgt. Sind Deine Erwartungen erfüllt worden?

Daniel Lieske: Bei der ersten Kampagne war die Liste der Rewards sehr überschaubar. Es gab freien Content innerhalb der App und außerdem habe ich für die
Hardcore-Fans noch digitale Drucke meiner Artworks angeboten. Die zweite Kampagne ähnelte eher einem Vorverkauf und man konnte dort die verschiedenen Items aus unserem Fanshop bekommen. Beide Kampagnen habe ich mit freien Goodies und unterschiedlichen Stretch Goals nach erreichen des jeweiligen Funding Goals noch zusätzlich etwas angeheizt.

Klaus-Martin Meyer: Du hast ja schon vor dem Funding über fleißige Leser verfügt. Wie wichtig war nach Deiner Einschätzung diese „Crowd“ für das Kickstarter-Funding?

Daniel Lieske: Bei der ersten Kampagne habe ich sehr von dem Hype profitiert, der gerade in den ersten Monaten nach Erscheinen um das Projekt entstand. Zu dem Zeitpunkt hat das Projekt viele neue Leser generiert und die Idee einer App ließ sich leicht kommunizieren und hat auch viele Gelegenheits-Unterstützer angezogen. Bei der zweiten Kampagne habe ich mich viel mehr auf die bestehenden Fans gestützt, da Fan-Items ja auch nichts sind, was ein General Interest Publikum anzieht. Die beiden Kampagnen sind daher sehr unterschiedlich verlaufen, was sehr spannend zu beobachten war.

Klaus-Martin Meyer: Kannst Du bitte auch noch etwas sagen, wie wichtig das Funding im Rahmen Deiner gesamten Monetarisierungs-Strategie spielt. Ist das nur ein Mosaiksteinchen oder ist das mehr (auch unter Marketing-Aspekten?)

Daniel Lieske: Also, gerade in den jetzt knapp 1,5 Jahren nach meinem Schritt in die Selbstständigkeit hat das Crowdfunding schon eine enorme Rolle gespielt.
Alle größeren Investitionen wurden mit Hilfe von Kickstarter vorfinanziert (immerhin über 44.000 $ insgesamt) und damit wurde mein unternehmerisches Risiko minimiert. Für diese Investitionen hätte ich ansonsten Kredite aufnehmen müssen – wenn mir die überhaupt jemand gewährt hätte. Die Kampagnen auf Kickstarter haben auf jeden Fall auch für neue Leser gesorgt, obwohl ich diesen Effekt eher untergeordnet einschätzen würde.

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