„Wir legen großen Wert auf die Kommunikation mit unseren Investoren und verschicken regelmäßige Updates zu unseren Fortschritten.“ – Interview mit Benedikt Escher (Design Thinking Startup AG)

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Klaus-Martin Meyer: Benedikt, Du bist der einer der Gründer der Design Thinking Startup AG. Könntest Du dich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Benedikt Escher: Ich bin 28, komme aus Hamburg und habe an der Universität St. Gallen Internationale Beziehungen studiert. Gegen Ende meines Studiums las ich von der Möglichkeit, sich als Mitgründer eines ganz besonderen Startups zu bewerben. Da ich schon lange vom Unternehmertum begeistert war, habe ich mich sofort beworben und wurde gemeinsam mit meinen Teamkollegen ausgewählt, bei diesem Experiment mitzuwirken.

Unser Unternehmen wurde im Oktober 2011 als Spinoff des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen gegründet. Das Ziel war, mit der in Stanford entwickelten Innovationsmethode *Design Thinking *eine Geschäftsidee zu entwickeln und umzusetzen. Gestartet sind wir mit einem gecasteten Gründerteam, Coaching von der Universität und einem Gründungskapital von etwas über 100.000 Schweizer Franken, welches per Crowdfunding über das Schweizer Onlineportal C-Crowd.com von 56 Investoren eingebracht wurde.

Während der ersten Monate galt es, ausgehend von einem „weißen Blatt Papier“ durch Beobachtung und Befragung von Menschen im Alltag, den Bau und das Testen von Prototypen und intensive Recherche eine innovative Geschäftsidee zu finden. Mit der Zeit entwickelten wir dabei die Grundidee von stablish.me, welches wir dann ab Sommer 2012 gemeinsam mit unseren Webdesignern in Polen und unseren Programmierern in Budapest bis zur Marktreife entwickelt haben.

stablish.me ist eine Lösung für eine glaubwürdige und authentische Reputation im Web 2.0. Während Internetnutzer bisher selbst ihre Onlineprofile kreieren und sich dabei selbst darstellen, dreht stablish.mediesen Prozess um: Nicht der Nutzer selbst, sondern seine Netzwerkkontakte beschreiben, was ihn auszeichnet. Dafür geben die Nutzer auf stablish.meeinander Badges für ihre Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Durch die Masse von vergebenen Badges ergeben sich dadurch persönliche Profile, die auch auf anderen Webseiten angezeigt werden können und auf einen Blick zeigen, mit wem man es zu tun hat und was diese Person besonders macht.

Seit Dezember 2012 sind wir online und verzeichnen seitdem eine erfreuliche Entwicklung der Nutzerzahlen. Wir entwickeln unsere Lösung laufend weiter und verfolgen die Vision, dass stablish.me bis 2014 als *die *Lösung für Reputation im Web etabliert und in diverse andere Online-Netzwerke integriert sein wird.

Klaus-Martin Meyer: Ihr habt Euch im letzten Jahr mit Hilfe eines Crowdfundings finanziert. Wie kam es dazu und was waren aus Deiner Sicht die kritischen Erfolgsfaktoren für das Funding?

Benedikt Escher: Genau genommen haben wir sogar bereits zwei Crowdfunding-Runden abgeschlossen. Das Gründungskapital unserer AG kam bereits im Oktober 2011 durch Crowdfunding in einer ersten Finanzierungsrunde über die Schweizer Onlineplattform C-Crowd.com zusammen.
Dort konnten sich Interessenten über das Projekt informieren und direkt ein Investment tätigen. Große Vorteile waren dabei die Bekanntmachung des Projekts durch die Medienkanäle von C-Crowd und die Erledigung sämtlicher Formalitäten durch deren Netzwerk. Ein anderer wichtiger Erfolgsfaktor bei dieser ersten Runde war die Reputation der Universität St. Gallen: Wir sind ein Spinoff von deren Institut für  irtschaftsinformatik.

Im vergangenen Sommer konnten wir dann durch eine Kapitalerhöhung per Crowdfunding weitere 140.000 Schweizer Franken einsammeln, wodurch die Zahl unserer Aktionäre auf 99 anstieg. Wir haben in dieser Runde von unserem Investoren-Netzwerk aus der ersten Runde profitiert und u.a. durch ein öffentliches Investoren-Event in Zürich weitere Investoren gewinnen können.

Klaus-Martin Meyer: Der Tipp für dieses Interview kam von Claus Lehmann (p2p-kredite.com). Er lobte nicht nur Eure Arbeit im Allgemeinen, sondern vor allem Eure (Crowd-) Investor Relation Aktivitäten. Worauf habt Ihr besonders geachtet und was ist bei der Crowd besonders gut angekommen?

Benedikt Escher: Das positive Feedback freut uns natürlich. Wir legen großen Wert auf die Kommunikation mit unseren Investoren und verschicken regelmäßige Updates zu unseren Fortschritten. So konnten die Investoren von Anfang an miterleben, wie aus unserem Experiment nach und nach ein professionelles Unternehmen wurde. Außerdem haben wir den Investoren bei diversen Investoren-Events die Möglichkeit gegeben, an unserer Ideenfindung mitzuwirken, was tatsächlich viele spannende Erkenntnisse zu Tage gefördert hat, die in stablish.me eingeflossen sind. Viele Investoren haben genau wegen dieser Mitgestaltungsmöglichkeiten überhaupt erst in unser Unternehmen investiert, und wir freuen uns, den Austausch zu pflegen und von der Erfahrung der Investoren zu profitieren. Selbstverständlich haben die Investoren durch ihre Mitspracherechte an unseren Generalversammlungen das letzte Wort zu wichtigen Entscheiden wie beispielsweise Kapitalerhöhungen und der Wahl der Verwaltungsratsmitglieder.

Klaus-Martin Meyer: Gibt es auch Themen, die aus Eurer Sicht trotzdem zu kurz gekommen sind. Und könnt Ihr dann zusammen mit den geschilderten Erfahrungen aus Frage drei so etwas wie Best-Practice-Vorgaben für die Kommunikation mit der Crowd formulieren?

Benedikt Escher: Da keiner von uns Gründern zuvor nennenswerte Erfahrungen mit der Firmengründung, geschweige denn mit der Investorenkommunikation hatte, war unsere Lernkurve im vergangenen Jahr natürlich enorm. Unsere drei wichtigsten Erkenntnisse: 1.) Es lohnt sich, trotz des generell grossen Aufwands, den eine Unternehmensgründung und die Ideenfindung mit sich bringen, der Kommunikation mit den Investoren viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn man eine grosse Menge teils sehr erfahrener Investoren hinter sich weiss, sollte man nicht auf die Nutzung dieses Erfahrungsschatzes verzichten. 2.) Die regelmässige Information und Einbindung der Investoren führt dazu, dass man sich deren Zustimmung bei wichtigen Entscheiden sicher sein kann. Hier haben wir während der zweiten Finanzierungsrunde im vergangenen Sommer einen Fehler begangen, indem wir nicht mit einigen erfahrenen Unternehmern aus unserem Investorenkreis über die Bewertung der Firma für die Kapitalerhöhung gesprochen haben. Am Ende wurde die Kapitalerhöhung zwar wie von uns angestrebt von der Generalversammlung beschlossen; wir hätten uns jedoch durch etwas mehr Austausch zu konkreten Fragen über die Kapitalerhöhung einige Unsicherheit sparen können. In jedem Fall haben wir viel daraus gelernt. 3.) Die Verwendung von Online-Lösungen für die Investorenkommunikation ist bei einer grösseren Crowd unerlässlich. So verwenden wir beispielsweise eine kostenlose Cloud-Lösung für den Versand von Newslettern etc., und für die Kapitalerhöhung im vergangenen Sommer haben wir ein eigenes Investitionsportal programmiert, mit dem alte und neue Investoren direkt online Aktien erwerben konnten. Dadurch wurde die Komplexität bei unserer Investorenkommunikation bisher immer im Rahmen gehalten.

Klaus-Martin Meyer: Euer Produkt stablish.me ist ja ein digitales Produkt. Könnt Ihr auch etwas quantifizieren, in welchem Umfang es gelungen ist, die Crowd zu Beta-Testern und Usern zu konvertieren?

Benedikt Escher: Im vergangenen Sommer haben wir eine geschlossene Alpha-Version, d.h. einen Prototyp, von stablish.me lanciert, welche insbesondere von unseren Investoren ausgiebig getestet wurde. Das Feedback hat uns enorm geholfen, die aktuelle Beta-Version entwickeln. Auch bei den ersten Nutzern der Beta-Version waren etliche unserer Crowd-Investoren dabei, welche erneut sehr nützliches Feedback gegeben haben. Da unter den Investoren auch etliche erfahrene und gut vernetzte Unternehmer sind, profitieren wir auch bei der Bekanntmachung unserer Lösung von der Crowd.

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