„Wir wurden nach dem Start von LeihDeinerStadtGeld immer häufiger von Projektträger aus dem Umweltbereich angesprochen, die einen Weg suchten, eine breite Bürgerschaft an ihren Projekten partizipieren zu lassen.“ – Im Gespräch mit Johannes Laub

Klaus-Martin Meyer: Herr Laub, nach LeihDeinerStadtGeld.de starten Sie mit LeihDeinerUmweltGeld.de gleich die zweite Crowdfunding-Plattform. Wie kam es zu diesem Schritt?

Johannes Laub: Wir wurden nach dem Start von LeihDeinerStadtGeld immer häufiger von Projektträger aus dem Umweltbereich angesprochen, die einen Weg suchten, eine breite Bürgerschaft an ihren Projekten partizipieren zu lassen. Eine bürgernahe Finanzierung bedeutet für den Einzelnen einen enormen Abwicklungs- und Administrationsaufwand. Wir haben uns daraufhin vor allem der Situation im Umfeld der Energiegewinnung aus regenerativen Quellen gewidmet und festgestellt, dass die im Markt vorhandenen Beteiligungsmodelle durch unseren Ansatz vereinfacht, transparenter und attraktiver gemacht werden können. Diesen Kontext nahmen wir als Anlass zur Umsetzung von LeihDeinerUmweltGeld.

Klaus-Martin Meyer: Setzen Sie verglichen mit den Plattformen für die Startupfinanzierung bewußt eher auf sichere Investments?

Johannes Laub: Sicherlich sind LeihDeinerUmweltGeld und insbesondere LeihDeinerStadtGeld einer anderen Risikoklasse zuzuordnen, in der sich die meisten der aktuellen Crowdfunding-Plattformen bewegen. Unsere Strategie basiert jedoch nicht auf reinem Opportunismus, sondern entspringt vielmehr den Vorlieben des deutschen Durchschnittanlegers. Dieser ist nämlich risikoavers und parkt sein Geld noch immer lieber auf dem Sparbuch zum Minizins als in andere Anlageklassen zu investieren. Dabei ist es durchaus möglich bei überschaubarem Risiko eine attraktive Rendite zu erwirtschaften. So bieten wir beispielsweise mit dem aktuellen Beteiligungsangebot an einer Solaranlage zu 5,00% Festzins dieser Bürgergruppe neue Perspektiven.

Klaus-Martin Meyer: Wie groß schätzen Sie das Anlagevolumen in den von Ihnen adressierten Märkten?

Johannes Laub: Das Kreditvolumen bei Kommunen und kommunalen Unternehmen belief sich zuletzt auf rund 280 Mrd. Euro, das Investitionsvolumen allein im Erneuerbaren Energien-Sektor auf rund 23 Mrd. Euro. Demgegenüber steht ein Geldvermögen von rund 320 Mrd. Euro, das die Deutschen allein in langfristig, festverzinsliche Anlagen (ohne Spar- und Termineinlagen von ca. 900 Mrd. Euro) investiert. Das Marktpotenzial  ist also sicherlich gegeben. Unsere Aufgabe ist es vielmehr die Bürgerinnen und Bürger zu bewegen, ihr Geld selbst in die Hand zu nehmen, damit sie es sinnvoll und transparent anlegen können.

Klaus-Martin Meyer: Wie beurteilen Sie die Konkurrenzsituation mit etablierten Vertriebsfirmen im Bereich von Wind- und Solarstromanlageformen?

Johannes Laub: Anders als bei LeihDeinerStadtGeld ist die Beteiligung privater Investoren vor allem im Bereich der Wind- und Solarenergie schon möglich. Dennoch konnten wir mit LeihDeinerUmweltGeld auch in diesem Umfeld ein einzigartiges Angebot starten. Wir bieten den gesamten Investitionsprozess sowohl offline, als auch online an, bieten eine deutlich höhere Transparenz als bei Solar- oder Windfonds, eine Beteiligung ist bereits ab 100 Euro möglich und mit einer Standardisierung der Investitionsform erhöhen wir die Flexibilität der Anleger bei der Liquidation ihrer Geldanlage. Sicherlich werden die einen oder anderen Anbieter konventioneller Beteiligungsformen nachziehen und ihr Angebot anpassen, aber dies hilft uns auch bei der Etablierung der Bürgerbeteiligung und letztlich der Erschließung des Marktes. Zudem wird sich das Angebot von LeihDeinerUmweltGeld nicht auf Solar- und Windprojekte beschränken.

Klaus-Martin Meyer: Kann man schon absehen, inwieweit beide Plattformen gegenseitig unterstützen können?

Johannes Laub: Die homogene Plattformtechnologie schafft bereits jetzt Synergieeffekte bei der Abwicklung und der Administration. Auch überschneiden sich die Anlegergruppen, sodass in der Vermarktung ebenfalls Synergiepotenzial besteht. Wie sich diese Effekte auf die operative Entwicklung auswirken, werden wir in den kommenden Monaten beobachten müssen.

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