Interview mit Saskia Oldenburg über ihr Forschungs-Crowdfunding auf siencestarter.de

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Klaus-Martin Meyer: Saskia, Du forscht an der TU in Hamburg Harburg. Könntest Du dein Forschungsgebiet bitte kurz vorstellen?

Saskia Oldenburg: Ich bin Diplomingenieuren für Energie und Umwelttechnik und arbeite seit knapp drei Jahren am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der technischen Universität Hamburg Harburg. Der Titel meiner Promotion lautet: „Modellentwicklung zur Qualitätsbeurteilung von organischen Abfällen als Substrat für die Biogasproduktion„, ich prüfe also im Rahmen dieser Arbeit, welche organischen Abfälle sich für die Biogasproduktion eignen würden. (Die Zielstellung der Promotion ist die Entwicklung eines Modells zur Qualitätsbeurteilung von organischen Abfällen für die Biogasproduktion.
Hierfür werden im ersten Schritt relevante, bisher nicht vollständig erschlossene, organischen Reststoffe identifiziert und die existierenden Potenziale bewertet. Anschließend werden für die mengenrelevanten Stoffströme Substratcharakteristiken, wie Stoffzusammensetzungen und Biogaspotenziale, analysiert. Darauf aufbauend werden technische und organisatorische Maßnahmen zur Optimierung des Biogasertrages und der Verweilzeit im Fermenter ermittelt. In Bezug auf die organisatorischen Maßnahmen werden relevante Einflussfaktoren, wie z.B. Düngung, Mahdzeitpunkte und Klima identifiziert. Zur Optimierung der Verweilzeit werden sowohl mögliche Aufschlussverfahren, wie der Mikrowellen-, Dampfdruck- oder Ultraschallaufschluss, als auch Vorbehandlungs- und Konservierungsverfahren untersucht. Vor diesem Hintergrund wird die Vergärungstechnik mit Hilfe von Versuchen im Technikumsmaßstab substratspezifisch optimiert. Abschließend werden theoretische Abbaumodelle geprüft und angepaßt, welche als Grundlage für die Entwicklung eines Instruments zur Qualitätsbeurteilung von organischen Abfällen für die Biogasproduktion dienen sollen.)

Klaus-Martin Meyer: Du hast dieser Tage ein Crowdfunding bei sciencestarter.de erfolgreich ins Ziel gebracht. Wie kam es zu der Idee das Forschungsprjekt via Crowdfunding zu finanzieren?

Saskia Oldenburg: Ich bin nicht nur Ingenieurin, sondern auch leidenschaftliche Reiterin – eigentlich saß ich schon auf dem Pferd bevor ich Laufen konnte. Seitdem ich einer Reiterfreundin von meiner Promotion erzählt hatte und wir über die Entsorgungs-problematik von Pferdemist sprachen habe ich mich mit diesem Stoffstrom beschäftigt. Über erste Laboranalysen und Kontakte in die Wirtschaft stellte sich heraus, dass Pferdemist durch die Inhomogenität, den hohen Sandanteil und das viele Langstroh nicht direkt in die Biogasanlage eingebracht werden kann sondern zuerst aufbereitet werden muss. Im Rahmen einer Masterarbeit haben wir dann am Institut ein Aufbereitungsaggregat entwickelt, welches wir gerne in die Praxis umsetzten würden. Und durch meine Aktivität bei Science Slams entstand der der Kontakt zu Wissenschaft im Dialog und ich wurde auf die Crowdfundig-Idee aufmerksam gemacht? Und Forschung witzig und allgemeinverständlich für alle darzustellen ist (bzw. sollte) einer der wichtigsten Punkte der Forschung sein.

Klaus-Martin Meyer: sciencestarter ist noch eine sehr junge Plattform. Hast Du vor dem Start auch andere Plattformen wie z.B. startnext in Betracht gezogen?

Saskia Oldenburg: Nein, das habe ich nie. Erst durch die Idee von sciencestarter wissenschaftliche Projekte onliene darzustellen und zu fördern bin ich auf die Idee gekommen, mein Projekt darüber finanzieren zu lassen.

Klaus-Martin Meyer: Was waren aus Deiner Sicht die kritischen Erfolgsfaktoren für das Funding. Gibt es zudem etwas, was Du heute vielleicht anders machen würdest?

Saskia Oldenburg: Ich denke, dass sowohl der Film als auch eine knappe und gute Darstellung der Forschung die grundlegende Basis ist. Erfolgreich war das Projekt jedoch wahrscheinlich durch die sehr aktive Pressearbeit, die mir zwar sehr viel Spaß gebracht hat, aber auch sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss die Frage nach der Mittelverwendung. Das Fundingziel wurde übertroffen. Wird jetzt noch gründlicher geforscht?

Saskia Oldenburg: Ja – wir werden jetzt einen Prototypen mit mehr Details bauen und haben noch die Möglichkeit unsere Analysen auszuweiten. Mit mehr Geld bekommen wir auch bessere Forschungsergebnisse.

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