Buch erschienen: Erfolgsfaktoren im Crowdfunding. Interview mit Autorin Alexandra Harzer und Herausgeber Dennis Brüntje (Technische Universität Ilmenau)

Klaus-Martin Meyer: Dennis, Du forscht im Bereich Crowdfunding. Könntest Du dich und deine Forschungsaktivitäten bitte kurz vorstellen?

Dennis Brüntje: Ich bin Wissenschaftlicher Mitarbeiter am von Prof. Andreas Will geleiteten Fachgebiet Medienmanagement an der Technischen Universität Ilmenau. Wir beschäftigen uns seit Anfang 2011 mit verschiedenen Aspekten im Crowdfunding. Auf unserer Forschungsagenda stehen unter anderem Themen wie die Analyse von Erfolgsfaktoren und Motivationskriterien, Crowdfunding in verschiedenen Medienmärkten und Crowdfunding in der Wissenschaft. In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit Kommunikation im Equity based Crowdfunding. Crowdfunding erfreut sich auch bei unseren Studierenden großer Beliebtheit in Abschlussarbeiten und unseren Forschungsseminaren.

Durch unsere Forschung, Lehre und Praxisprojekte möchten wir unseren Beitrag zum besseren Verständnis von Crowdfunding in Deutschland leisten. Als Experten widmen wir uns aus wirtschafts- und kommunikationswissenschaftlicher Sicht der umfassenden Analyse dieses Phänomens und übernehmen zudem die Beratung und wissenschaftliche Begleitung verschiedener Crowdfunding-Plattformen.

Klaus-Martin Meyer: Zusammen mit Prof. Dr. Andreas Will hast Du das Buch „Erfolgsfaktoren im Crowdfunding“ herausgegeben. Ist das Thema ergiebig genug, um ein ganzes Buch über Erfolgsfaktoren zu schreiben.

Dennis Brüntje: Auf jeden Fall. Wir werden häufig danach gefragt, wie erfolgreiche Crowdfunding-Projekte funktionieren und initiiert werden können. Und ich freue mich, dass das Buch von Alexandra Harzer nun als zitierfähiges Werk verfügbar ist. Dieses eignet sich jedoch nicht nur für den Einstieg in den bislang noch überschaubaren wissenschaftlichen Diskurs, sondern richtet sich vor allem auch an Projektinitiatoren, die ein erfolgreiches Crowdfunding-Projekt auf die Beine stellen möchten. Und diese können explizit von anderen Projekten lernen, da das Buch auch auf Meinungen und Aussagen von Projektinitiatoren und Unterstützern basiert.

Die Autorin Alexandra Harzer ist Absolventin der TU Ilmenau und hat von 2010 bis 2012 während ihrer Tätigkeit bei Startnext die Crowdfunding-Plattform mit aufgebaut sowie Projektinitiatoren zu ihren Crowdfunding-Kampagnen beraten und bei der Durchführung unterstützt. Von diesen Erfahrungen hat natürlich auch das Buch profitiert.

Aufgrund unseres Open Science-Anspruchs und da es ideal zum Crowdgedanken passt, haben wir neben der Printversion eine kostenlose Online-Version veröffentlicht.

Um die Transparenz weiter zu erhöhen, werden wir in Kürze einen Forschungsblog starten, um aus unseren laufenden Forschungsprozessen im Medien- und Kommunikationsmanagement berichten zu können. Weitere Publikationen zu Crowdfunding sind in Vorbereitung.

Klaus-Martin Meyer: Eine Frage an die Autorin Alexandra Harzer: Was sind aus deiner Sicht, die wichtigsten Erfolgsfaktoren? Was darf man auf keine Fall tun?

Alexandra Harzer: Einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg eines Crowdfunding-Projektes ist meiner Meinung nach eine gut durchdachte und vorbereitete Kampagne. Der Projektinitiator sollte sich neben der Aufmachung des Projektes auf der Crowdfunding-Plattform (Vorstellungsvideo, kurze und prägnante Projektbeschreibung, Incentives) bereits im Vorfeld überlegen welche Ziele verfolgt und welche Zielgruppen angesprochen werden sollen. Darauf aufbauend kann das Potenzial des Projektes abgeschätzt und alle weiteren Schritte, wie die Gestaltung der Crowdfunding-Seite sowie Werbemaßnahmen geplant werden. In der Regel gilt: Lieber etwas niedriger stapeln und über Werbung, Multiplikatoren und materielle/immaterielle Anreize versuchen das Projektbudget zu überschreiten, als die Finanzierung nicht erfolgreich abschließen zu können.

Auf keinen Fall sollten Projektinitiatoren den Werbeaufwand ihrer Kampagne unterschätzen. Während meiner Zeit bei Startnext und beim Schreiben des Buches habe ich mit vielen Projektinitiatoren gesprochen und dabei hat sich vor allem eine Aussage durchgesetzt: Die Kampagne ist ein Fulltime-Job, der viele Nerven kosten kann. Als Projektinitiator sollte man sich daher nicht auf den Netzwerkeffekt einer Plattform verlassen, sondern sich vor Kampagnenstart folgende Fragen stellen: Wie spreche ich meinen Bekanntenkreis an? Wie motiviere ich diesen, anderen von meinem Projekt zu erzählen? Welche Multiplikatoren, wie bspw. Blogger oder andere Künstler kann ich für meine Kampagne gewinnen? Wie halte ich bereits gewonnene Unterstützer weiter bei der Stange, so dass sie für mich aktiv werden?

Last but not least sollte nach einer Finanzierung, egal wie Sie ausgegangen ist, nicht vergessen werden, dass Crowdfunding auch Marketing für sich selbst, ein bestimmtes Projekt und weitere Vorhaben ist. Die Nachbereitung und Kommunikation mit Unterstützern setzt daher den Grundstein für weitere (Finanzierungs-)Projekte.

Klaus-Martin Meyer: Wie seht Ihr das Phänomen des Crowdfundings ganz allgemein. Welche Entwicklungsschritte stehen uns noch bevor?

Dennis Brüntje: Allgemein sehen wir Crowdfunding als sinnvolle und sich weiter fest etablierende Finanzierungsalternative für Projekte jeglicher Art, die derzeit vorrangig im Kreativ- und Kulturbereich sowie zur Unternehmensfinanzierung erfolgreich funktioniert. Ein hoher Stellenwert kommt unseres Erachtens der strategischen Kommunikation im Crowdfunding-Prozess zu. Mit steigender Anzahl an Projekten wird auch dessen Bedeutung weiter steigen.

Ich bin gespannt, in welchen Nischen Crowdfunding weiterhin erfolgreich funktionieren wird. Es ist sicherlich eine Konsolidierung im Markt zu erwarten. Außerdem hoffe ich, dass sich Unternehmen und andere Organisationen vermehrt auf Cofunding-Modelle einlassen werden.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss möchte ich noch einmal auf die Erfolgsfaktoren zurück kommen. Gibt es ein idealtypisches Funding, das als Lehrbuchbeispiel besonders gut taugen würde? Wenn ja welches sollte man herausstellen?

Alexandra Harzer: Vor allem in den letzten beiden Jahren hat Crowdfunding in Deutschland gehörig an Fahrt gewonnen. Meiner Meinung nach gibt es jedoch keine Gleichung, die bei Einhaltung einen garantierten Projekterfolg mit sich bringt. Heißt: Ein idealtypisches Funding gibt es nicht. Dafür sind die Ausgangspositionen vieler Projekte zu unterschiedlich. So gibt es z.B. Projekte, die aufgrund von bekannten Persönlichkeiten eine große Medienaufmerksamkeit erhalten (bspw. SEIN ODER NICHT’N GAAGE! Der MAULWURF Film!, finanziert über Startnext) oder durch ihre Individualität eine besondere Nische ansprechen (bspw. iCrane auf Startnext) und damit gegenüber anderen Projekten möglicherweise schnellere Erfolge erzielen können. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass Crowdfunding-Projekte nicht gegenseitig voneinander profitieren können. Es lohnt sich immer einen Blick über den Tellerrand zu werfen, ähnliche Crowdfunding-Projekte zu analysieren, mit anderen Projektinitiatoren über ihre Erfahrungen zu sprechen und Ratschläge einzuholen. Wenn das Projekt gut durchdacht ist und ein paar Regeln (Projektvideo, Projektkommunikation usw.) eingehalten werden, kann eine gute Basis für den Projekterfolg geschaffen werden.

Alexandra Harzer: Erfolgsfaktoren im Crowdfunding

Kostenloser Zugriff auf den Volltext über die Digitale Bibliothek Thüringen: http://www.db-thueringen.de/servlets/DocumentServlet?id=20873

Die Printversion ist im MV-Buchshop erhältlich: http://www.mv-buchshop.de/catalog/product_info.php/products_id/2425

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