Wie gewinnt die Crowdfunding-Szene weiter an Dynamik?

Crowdinvestor Relations Manager

Auch dynamische Trends sind Zyklen unterworfen. Betrachtet man die letzen Seedmatch-Fundings, die noch im alten Jahr zustande kamen, so waren die meisten sehr zügig platziert. Das gilt auch für das Folgefundings von LeaseRad und die Finanzierung von Protonet als gleich zweimal die bis dato gültige 100.000 Euro “Schallmauer” gesprengt wurde.

Seit dem läuft es alles etwas zäher:

– ETukTuk muss in den verbleibenden sieben Tagen sicher noch kämpfen, um das Maximalziel zu erreichen.
– Honestlys erstes Funding war sehr viel schneller platziert, als nun die ersten 100.000 Euro der zweiten Finanzierungsrunde. 400.000 Euro sind noch recht weit weg.
– Der Pich von Saustark Design läuft aus meiner Sicht – für ein Startup mit Umsätzen und Proof of Concept durch ein ähnlich gelagertes Startup auf einem anderen (ausländischen) Markt – doch etwas zäh.

Auch bei Companisto und Innovestment war der Schwung gefühlt schon einmal größer als aktuell. Livekritik muss die nächsten 10 Tage vermutlich ebenfalls noch kämpfen, um die 100.000 Euro Zielgrade zu erreichen und bei Manetch wurden lediglich 41.000 Euro eingeworben.

Es kann durchaus sein, dass der Markt aufgrund der zunehmenden Anzahl von Fundings und der steigenden Finanzierungshöhen aktuell einfach nur Anlauf nimmt für die nächsten Entwicklungsstufen. Es stellt sich dennoch die Frage, was könnte dem Markt den gewünschten zusätzlichen Schwung verleihen.

Hier ein paar Aufzählungen:

– Ein fetter Exit eines Startups lässt investiertes Crowdkapital zu den Investoren mit riesiger Rendite zurückfließen. Sagen wir, die 100.000 Euros, die in die ersten Krautfundings im Jahr 2011 investiert wurden, verzehnfachen sich beim Exit. Würden diese Mittel in Gänze wieder in Crowdfundings fließen, könnte dies einen großen Schub geben. Auch weil Crowdfunding damit noch stärker von den Medien aufgegriffen würde.

– Wichtige Business Angels erkennen verstärkt den disruptiven Charakter von Crowdfunding und investieren vermehrt auf den Plattformen.

– Banken wollen von dem Hype-Thema profitieren und legen erste kleine Fonds auf, die sie auf Crowdfunding-Plattformen bevorzugt in größere Fundings investieren.

– Erste Plattformen schließen sich zusammen oder geben auf, nicht ohne die gewonnenen Anleger an erfolgreichere Player weiterzureichen.

– Plattformen gehen für bestimmte Fundings Kooperationen ein, was beiden Seiten hilft und dem einzelnen CF-Marktplatz neue Kunden erschließt.

Gibt es weiter Optionen für neuen Schwung, die vergessen wurden?

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9 Responses to Wie gewinnt die Crowdfunding-Szene weiter an Dynamik?

  1. ingo sagt:

    neben den genannten Optionen würde ich das Fundinglimit wieder auf zb. 100.000 Euro begrenzen. Bei Seedmatch sind die Limits aller laufenden Projekte i. M. bei 1,65 Mio Euro. Dazu kommt noch ein neues Projekt, welches morgen gelauncht wird. Das sind Summen die sind einfach noch nicht im Markt..
    Sedmatch macht sich damit ,meiner Meinung nach, keine Freunde und eher neg. Schlagzeilen, wenn die Fundings ihre Schwelle nicht mehr erreichen. Das ist für die Zukunft nicht gerade förderlich.

  2. Johann sagt:

    Bessere Startups als Fundingangebote wären der wichtigste Punkt. Diese kriegt man aber nicht mit der künstlichen Verknappung auf 100k, denn 100k Fundings bringen viele Startups nicht wesentlich weiter.

    Die im Artikel genannten Punkte sind wohl größtenteils weit entfernt von realistisch.
    Viele Angels sind im Endeffekt nichts anderes als „spray and pray“-Investoren, klar, aber wer von denen gibt das zu bzw. will so wahrgenommen werden? Ein aktives nutzen dieser Plattformen würde diese Wahrnehmung mindestens verstärken.
    Und Banken bzw. Fonds – das ist wohl mehr ein Scherz, oder?

    • klausmartin sagt:

      Hallo Johann, bessere Startups, der Punkt geht an Dich. Aber warum sollten Fonds ein Scherz sein? Selbst wenn Sie nur aufgelegt würden, wg. einer vermeintlich positiven Publicity. Und spray and pray kann man sicher auch über CF-Plattformen praktizieren.

  3. Manuel sagt:

    Ich denke es muss bald zu einer Konzentration im Markt kommen . Ich frage mich sowieso, das Plattformen wie Bergfürst, bestBC, Mashup-Finance etc. überleben können, die noch kein einziges bzw. gerade einmal 2-3 Fundings erfolgreich abgeschlossen haben. Bei Provisionen von 8-10% sind sicher 15 und mehr Fundings notwendig um überleben zu können.
    Zur aktuellen Entwicklung: Ich finde es auch nicht richtig wie Seedmatch derzeit agiert. Gerade laufen 7 Start-ups gleichzeitig, dass ist auch meiner Meinung nach für den recht jungen CI -Markt zu viel.
    Eine Begrenzung auf 100k finde ich auch nicht sinnvoll, aber was durchaus denkbar wäre (auf Seedmatch bezogen) auch mal wieder Fundings mit einem Fundinglimit von 100k durchzuführen, die schnell erfolgreich abgeschlossen werden.
    Was mir besonders auffällt ist, dass B2B Start-ups es eher schwerer haben als B2C-Unternehmen, siehe Mantech,Swabr, Honestly, Kryd,.
    Was man vllt. auch nicht vergessen darf ist, dass die Aktienmärkte in den letzten Monaten nochmals kräftig angezogen haben,vllt. haben viele auch nochmals Geld hier investiert anstatt in Start-ups.
    Die weitere Entwicklung hängt meiner Meinung nach davon ab, ob die Zahlen die viele Start-ups dann erstmals in Q4 vorlegen müssen positiv sind, wenn ja wird der Markt auch wieder kräftig in Schwung kommen.

  4. Tom sagt:

    Hallo zusammen,

    ich habe vor 2 Wochen das erste mal selbst an einem crowd investment bei seedmatch teilgenomnmen. Während ich es selbst sehr interessant fand, mich mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen, habe ich mir aber auch viele Gedanken darüber gemacht, dass mein Investment ja komplett verloren sein könnte. Kann es nicht sein, dass viele Menschen, die grds an dem Thema Crowd investment/funding interessiert sind genau aus diesem Grund dann doch nicht investieren? Könnte ein Fonds, der das Risiko verteilt und von „Experten“ geleitet wird ggfs dieser Gruppe von Menschen den Weg in diese Anlageklasse öffnen und somit mehr Dynamik reinbringen?
    Was denkt Ihr?

  5. Manuel sagt:

    Hi Tom,

    folgendes spricht meiner Meinung nach gegen deine Idee eines Fonds der von Experten geleitet wird.
    1. Die Risikostreuung die ein Fonds bietet kann der Investor auch selbst herstellen durch die Finanzierung mehrerer Start-ups.
    2. Experten bedeuten natürlich auch höhere Kosten, wer weiß in wiefern das ein Investment nicht noch unattraktiver machen würde
    3. Außerdem geht der informelle, unkomplizierte Charakter der Crowdinvesting bisher ausgezeichnet hat verloren.

    • klausmartin sagt:

      zu Punkt 1) wäre dieses Argument korrekt, gäbe es allgemein keine Fonds. Wer bei Seedmatch 250 Euro investieren will und sein Risiko streuen wollte, wäre bereits mit einem Fond gut bedient.
      ich bin der Meinung, dass z.B. Companisto so einen Fond zu gar keinen bis sehr geringen Kosten anbieten könnte. gleiches gilt für einen starken Player, der sich aus Kickbacks von den CF-Plattformen finanzieren würde (was natürlich auch ein wenig ein zweifelhafter Ansatz wäre!)

      • Manuel sagt:

        „Wer bei Seedmatch 250 Euro investieren will und sein Risiko streuen wollte, wäre bereits mit einem Fond gut bedient.“
        Noch eine Anmerkung zu diesem Punkt. Die Frage ist, in welcher Form die Plattformen Fonds akzeptieren würden. So wie ich dich verstehe würde das z.B. heißen das ich mich bei einem Seedmatchfonds für 250 € an mehreren Unternehmen beteiligen kann. Allerdings würde das die jeweiligen Mindestbeteiligungssummen der Plattformen ja praktisch zu nichte machen, die einen wichtigen Teil der Strategie und somit auch als Differenzierungsmerkmal zur Konkurrenz dient (bsp. Innovestment 1000€, Companisto 5€).

  6. klausmartin sagt:

    das ist nicht korrekt. Denn ein Fond müßte natürlich natürlich auch die Mindestbeteiligungssumme aufbringen.