Warum werden Crowdfunding-Fonds eigentlich so kritisch gesehen?

In meinem bisher hier im Blog am häufigsten kommentieren Posting “Wie gewinnt die Crowdfunding-Szene weiter an Dynamik?” hatte ich den Raum gestellt, dass die Liquidität auf den CF-Plattformen durch das Auflegen von Fonds sicherlich gesteigert werden könnte.

Fonds und Crowdfunding scheinen sich für viele Fans der Schwarmfinanzierung jedoch irgendwie auszuschließen.
Das in dieser Beziehung sicherlich schlagendste Argument wurde im oben genannte Beitrag von Manuel hervorgebracht:

“Außerdem geht der informelle, unkomplizierte Charakter den Crowdinvesting bisher ausgezeichnet hat, verloren.”

Dies wäre in Bezug auf das einzelne Investment, dass ein Fond tätigen würde, sicherlich richtig. Da aber – wenn ich mich recht entsinne – die meisten Plattformen Einzelinvestments auf 10.000 Euro nach oben begrenzen, würde bei einer regelmäßig dreistelligen Anzahl von Investoren dem einzelnen Startup nicht unbedingt viel entgehen, vorausgesetzt es würden nicht 20 Fonds daher kommen und jeweils 10.000 Euro investieren.

Manuel führt in seinem Kommentar ein weiteres wichtiges Argument gegen Fonds an, nämlich dass Fondmanager bekanntlich Kosten verursachen. Dieses ist nicht von der Hand zu weisen. Aus der Sicht der Anleger würden von dem investierten Geld über einen Fond letztlich noch weniger Geld beim Startup selbst ankommen. Es wäre natürlich denkbar, dass die Crowdfunding-Plattformen selber und weitgehend unentgeltlich Fonds auflegen, denn diese nehmen ja schon eine Gebühr von Startup. Natürlich wären bei einer solchen Konstellation Interessenkonflikte vorprogrammiert.

Auch unter Risikogesichtspunkten wäre es für den Anleger interessanter, wenn das Fondmanagement unabhängig von einer CF-Plattform agiert und auf unterschiedlichen Marktplätzen investiert. Denn die Plattformen könnten schließlich ein unterschiedlich glückliches Händchen bei der Auswahl der Startups haben.

Der Vollständigkeit halber soll auch noch Manuels drittes Argument aufgeführt werden:

“Die Risikostreuung, die ein Fonds bietet, kann der Investor auch selbst herstellen durch die Finanzierung mehrerer Start-ups.”

Ich denke, dass abgesehen von Investments via Companisto bzw. bei einem hinreichend großem Budget, dieses Argument gegen Fonds nicht zutrifft. Das belegt aus meiner Sicht auch der Kommentar von Tom:

“Ich habe vor 2 Wochen das erste mal selbst an einem crowd investment bei seedmatch teilgenomnmen. Während ich es selbst sehr interessant fand, mich mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen, habe ich mir aber auch viele Gedanken darüber gemacht, dass mein Investment ja komplett verloren sein könnte. Kann es nicht sein, dass viele Menschen, die grundsätzlich an dem Thema Crowd investment/funding interessiert sind genau aus diesem Grund dann doch nicht investieren? Könnte ein Fonds, der das Risiko verteilt und von “Experten” geleitet wird ggfs dieser Gruppe von Menschen den Weg in diese Anlageklasse öffnen und somit mehr Dynamik reinbringen?
Was denkt Ihr?”

Wie man sieht, gibt es diverse Argument, die für und gegen Fonds genannt werden. Eines aber scheint mir sicher zu sein. Sollte sich die Schwarmfinanzierung aufgrund der Schwarmintelligenz als erfolgreicher als andere Finanzierungsformen herausstellen, werden ganz sicher auch eines Tages Fonds von wem auch immer aufgelegt werden.

Ich selber würde eher nicht in Crowdfunding-Fonds investieren, würde die Auflegung solcher Fonds aber dennoch begrüßen. Ich bin sicher, dass auch die Startup im Sinne von zügigen und Finanzierungen in maximaler Höhe zur Not auch das Geld von Fonds annehmen würden. Gleiches gilt für die CF-Plattformen. Wie seht Ihr das?

Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Schreibe einen Kommentar