„Unsere Vision ist es, die Bürgerschaft zum größten Investor im Bereich Energieeffizienz zu machen und sie im Gegenzug an den Einsparungen zu beteiligen.“ – Interview mit Patrick Mijnals (bettervest)

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Klaus-Martin Meyer: Patrick, Du bist Gründer und Geschäftsführer der bettervest GmbH. Könntest Du dich und deine Firma bitte kurz vorstellen?

Patrick Mijnals: Hi Klaus-Martin! Ich bin 33, von Hause aus Kognitionswissenschaftler und arbeite seit 2006 im Bereich Trend- & Zukunftsforschung, bzw. Innovationsmanagement. Dadurch beobachte ich das Phänomen Crowdfunding schon seit etlichen Jahren und habe aus dieser Erfahrung heraus auch die bettervest-Geschäftsidee entwickelt. Im Oktober letzten Jahres habe ich gemeinsam mit meinen vier Mitgründern Marilyn Heib, Torsten Schreiber, Evgenij Terehov und Ingo Birkenfeld die bettervest GmbH gegründet. bettervest.de ist unseres Wissens die erste equity-based Crowdfunding-Plattform für Energieeffizienzprojekte, bei denen sich die Projektinhaber verpflichten einen Teil ihrer Kosteneinsparungen als Rendite an die Crowd auszuschütten.
Momentan reden alle von erneuerbaren Energien und Ausbau der Netze – die schlummernden Potenziale im Bereich Energieeffizienz liegen aber brach. Ohne sie zu heben wird die Energiewende nicht möglich sein, doch dazu fehlt vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, Vereinen oder auch Kommunen das Geld. Unsere Vision ist es, die Bürgerschaft zum größten Investor im Bereich Energieeffizienz zu machen und sie im Gegenzug an den Einsparungen zu beteiligen. Führende Experten, wie unser Schirmherr Ernst Ulrich von Weizsäcker, gehen davon aus, dass unsere Wirtschaft und Gesellschaft um den Faktor Fünf effizienter sein könnten. Es ließen sich also bis zu 80% Energie und Ressourcen einsparen, wenn die effizientesten Technologien eingesetzt würden.
Unser primärer Antrieb ist die Umsetzung der Energiewende.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell tummeln sich ja bereits gefühlt zwei Dutzend Crowdfunding-Plattformen auf dem deutschen Markt, weitere internationale Marktplätze kommen kommen nach Deutschland. Was ist Dein Plan, sich in dieser Gemengelage noch die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen?

Patrick Mijnals: Zunächst einmal sehen wir die anderen Plattformen nicht als Konkurrenten und stehen mit einigen bereits in freundschaftlichem Kontakt. Jede Plattform, die gute Arbeit leistet, tut der Verbreitung von Crowdfunding und der Branche insgesamt gut. An dieser Stelle also die aufrichtige Einladung mit uns Kontakt aufzunehmen und zu überlegen, wo es Synergien geben kann.
Dennoch unterscheidet sich unser Ansatz maßgeblich von den bisherigen. Wir bieten nachhaltige Investitionsprojekte mit gut kalkulierbaren Renditen und Risiken. Unser USP gegenüber Crowdfunding für Startups ist – neben der ökologischen Sinnhaftigkeit – die höhere Investitionssicherheit. Keiner weiß, ob die Geschäftsmodelle der gefundeten Startups funktionieren und die allgemeinen Gründungsstatistiken sprechen eher dagegen, dass sie in ein paar Jahren überhaupt noch am Markt sein werden. Bei unseren Projekten geht es um etablierte Unternehmen (oder andere Organisationsformen), mit funktionierenden Geschäftsmodellen, die ihre Nachhaltigkeit durch höhere Energieeffizienz verbessern wollen. Damit werden sie unabhängiger von der Energiepreisentwicklung, verbessern ihre Bonität, werden konkurrenzfähiger und können ihre Kosten reduzieren, um für kommenden Herausforderungen besser gewappnet zu sein. Damit setzen wir auch direkt am regionalen Wirtschaftskreislauf an, schaffen und erhalten Arbeitsplätze und bringen Produzenten und Handwerksbetrieben zusätzliche Aufträge. Gegenüber Plattformen, die allgemein in Umweltprojekte investieren, haben wir einen sehr gut kalkulierbaren revenue stream und sind z.B. nicht abhängig von der Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz.
Kurzum, wir verbinden ökologische, ökonomische und soziale Ziele zu einer bislang einzigartigen Win-Win-Situation.

Klaus-Martin Meyer: Neben der Nachfrageseite ist natürlich auch die Angebotsseite wichtig. Wie und warum kommt man als Funding suchende Firma auf Bettervest?

Patrick Mijnals: Interessanterweise ist quasi jedes Unternehmen / jede Organisation ein potenzieller Kunde. Zahlreiche Studien besagen, dass sich im Durchschnitt rund 30% Energiekosten fast überall einsparen lassen: z.B. durch Beleuchtung, Klima, Heizung, Druckluft etc. Dazu sind zunächst Investitionen nötig, doch das Kapital ist eben häufig im Tagesgeschäft gebunden, Fördermittel decken nur Teile der Investitionssummen ab und die Banken sind einfach zu zögerlich bei derlei Finanzierung. Meine Mitgründerin Marilyn Hieb ist Expertin für Energieeffizienz und kommt aus der Energiewirtschaft. Sie ist also in dem Bereich äußerst gut vernetzt und noch dazu eine geniale Vertrieblerin. Darüber hinaus kommt ein Großteil unseres Dealflows aber über eine Vielzahl von Partnern, die daran interessiert sind, dass sich ihre Kunden Energieeffizienzprojekte leisten können. Hersteller energieeffizienter Produkte zum Beispiel. Wir setzen neben den schlanken internen Vertriebsstrukturen, also auch auf einen ausgelagerten Netzwerkartigen Vertrieb nach dem „Faltinschen“ Ansatz.

Klaus-Martin Meyer: Welche Art von Beteiligungen können die Anleger über Bettervest eingehen?

Patrick Mijnals: Wir starten jetzt zunächst mal mit Genussrechten, grundsätzlich sind wir aber auch offen für andere Formen.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss interessiert uns ein Ausblick. Wie wird sich Crowdfunding im Allgemeinen und Bettervest im Besonderen in diesem Jahr entwickeln?

Patrick Mijnals: Schon Perikles sagte, es käme nicht darauf an die Zukunft vorherzusagen, sondern gut auf sie vorbereitet zu sein. Crowdfunding steht die große Konsolidierung erst noch bevor. Bislang gab es noch keine großen Pleiten, schwarze Schafe und überwiegend gute Presse. Gleichzeitig ist das Phänomen Crowdfunding noch immer nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. 2013 werden die positiven wie negativen Aspekte eine größere Dynamik erfahren, sodass ich guter Dinge bin, dass wir den Hype Cycle 2014 verlassen werden und Crowdfunding zu einem weitgehend etablierten und solide wachsenden Instrument wird.
Was bettervest selbst anbelangt, bin ich guter Dinge, dass wir ein äußerst erfolgreiches erstes Jahr für das Crowdfunding von Energieeffizienzprojekten erleben werden. Noch sind wir in der privaten Betaphase, aber im Hintergrund scharren nachhaltige Investoren mit den Füßen, um die Energiewende mit bettervest voranzubringen und der Projekt-Dealflow fließt fröhlich vor sich hin. Darüber hinaus wurde bettervest dieses Jahr bereits vom Rat für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet, war Finalist des Code_N Wettbewerbs der CeBIT, erhielt einen der IKT innovativ Preise von Herrn Dr. Rösler und wurde von unserem Umweltminister Altmaier gelobt. Keine schlechte Quartalsbilanz, mal schauen, was der Rest des Jahres so bringt.

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