Erste Rendite mit Crowdfunding?

Dieser Tage wurde bereits an diversen Stellen über das Blogposting von Thomas Promny diskutiert und auch ich habe zwei Anmerkungen dazu gemacht.
Viel interessanter als das Blogposting an sich, ist möglicherweise einer der Kommentare. Denn es gibt einer der Diskutanten das folgende Statement ab:

“2x bei Seedmatch StartUp investiert und 2x nach rund 6 Monaten erfolgreich und mit 25% Gewinn das Investment zurückgeholt weil ein großer Investor an Bord kam der die Kleinen raus haben wollte…
Man muss halt schauen wo man mit ischt.”

Das Statement ist deshalb interessant, weil es vermutlich die erste Dokumentation (oder kennt ihr weitere/frühere Quellen?) einer via Crowdfunding erzielten Rendite ist.
Freilich konnte ich über Seedmatch keine Bestätigung bzw. Details erhalten. Mit welchem Startup möglicherweise bereits eine Rendite erzielt werden konnte, ist meiner Liste mit den Folgefinanzierungen zu entnehmen. Zeitlich und inhaltlich könnte es sich um Smarchive und/oder Tastybox handeln. BluePatent war es wohl nicht, mir wurde jedenfalls kein Angebot unterbreitet. Es gibt freilich aber auch die Möglichkeit, dass hier von ganz anderen Startups die Rede ist, die die Transaktionen aber noch nicht bekannt gegeben haben.

Sollten die Angaben des Investors stimmen, ist die Rendite sicherlich in Ordnung, spektakulär hoch ist sie aber nicht angesichts eines Risikoinvestments und der Steuerpflicht nicht.

Man darf gespannt sein, ob weitere Informationen zu dem o.g. Zitat bekannt werden. Sollten z.B. alle Crowdinvstoren in den genannten Fällen rausgekauft worden sein, würde sicherlich die Diskussion um die VC-Kompatibilität von Crowdfunding wieder aufflammen…

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20 Responses to Erste Rendite mit Crowdfunding?

  1. Johann sagt:

    Über den kurzen Zeitraum geht die Rendite definitiv in Ordnung. Längerfristig sollte es natürlich schon mehr werden! 😉

  2. Carsten sagt:

    Ich weiss aktuell, quasi aus erster Hand, dass ein solcher Buyout der Crowd noch bei mindestens einem weiteren Seedmatch-gefundeten Startup in der Pipeline steht, darf aber natürlich auch keine Namen nennen, so lange das nicht hochoffiziell über die Bühne gegangen ist.
    Ich betrachte diese Verdrängungsaktionen der Crowd noch im ersten Jahr nach den Fundings als sehr kritisch und bin da gar nicht drüber begeistert, und das aus mehreren Gründen:
    1. Vorzeitige Vertragsauflösungen, egal zu welchen Konditionen, sind in den Verträgen speziell bei Seedmatch, aber auch anderen Plattformen, in den Vertragsbedingungen nicht eingeplant. Es dürfte so manchen CrowdInvestor geben, der sich auf die Mindestlaufzeiten verlässt und den Angaben der Businesspläne mehr als nur ein Quäntchen Glauben geschenkt hat und sich bei einem so schnellen Exit um den Lohn fürs eingegangene Risiko betrogen fühlt.
    2. Auch wenn man sich die 25 bis 30% durch eine Umrechnung auf IRR-Ebene (interner Zinsfuss, für alle, die die Abkürzung vllt. noch nicht kannten) schön rechnen kann, ist das wie von dir schon angemerkt der ROI vor Steuern. Für das eingegangene Risiko ist die Nachsteuerrendite lausig.
    3. Mindestens beim mir bekannten Fall ist die Unternehmenskommunikation des betreffenden Startups, also die Umgangsformen mit den Investoren, in höchstem Masse unglücklich gelaufen und schwer verbesserungsbedürftig.
    4. In allen bisherigen Fällen und auch dem konkreten mir bekannten Fall von Buyouts der Crowd handelt(e) es sich zwangsläufig um „alte“ Beteiligungsverträge mit atypischer Stiller Beteiligung und noch nicht um die neun partiarischen Darlehen. Diese Verträge zeichneten sich dadurch aus, dass bei einer Kapitalerhöhung des Startups die Beteiligungsquote der Crowdinvestoren nicht verwässern konnte. Natürlich sind genau solche Verträge sowohl dem Startup als auch Folgefinanzierern ein Dorn im Auge. Erschwerend kommt bei Seedmatch sogar noch hinzu, dass diese „alten“ Verträge bei zu niedrigem bzw. nicht vorhandenem Gewinn zum Exitzeitpunkt ersatzweise den Umsatz zur Bewertungsgrundlage erheben und damit das reguläre Vertragsende ein ziemlich teurer Spass werden kann (gerade dieser doppelte Boden hat mir aber an den alten Verträgen so gut gefallen). Das offensichtlich nun schon mehrfach praktizierte und von Seedmatch offenbar aktiv begleitete Rausdrängen der Crowd lässt für die verbleibenden Altverträge also nichts gutes erahnen.

    Unterm Strich behaupte ich, dass diese Entwicklung dem jungen Crowd Investing mehr schadet als nutzt.

  3. ingo sagt:

    @Carsten
    ich stimme Dir ( gerade auch bei Deinen Bedenken für die Entwicklung des CF ) voll zu. Ich habe jetzt gerade nicht die „alten“ Verträge von Seedmatch vorliegen, aber kann man dann einfach die Crowd so rausdrängen ? Es gab doch Fristen für die Kundigung des jeweiligen Vertrages. Werde mir über Ostern die Verträge daraufhin nochmals durchlesen.

    Wie gesagt:
    Sollte die Crowd nur dafür genutzt werden, um eine kurze Phase der Unternehmensgründung zu begleiten, ist das der falsche Ansatz. Als Investor möchte man ja gerade vom langfristigen Erfolg profitieren.

    • Carsten sagt:

      Sollte die Crowd nur dafür genutzt werden, um eine kurze Phase der Unternehmensgründung zu begleiten, ist das der falsche Ansatz. Als Investor möchte man ja gerade vom langfristigen Erfolg profitieren.
      Genau das…. und eben weil die „Alt“verträge eine vorzeitige Kündigung weitgehend ausgeschlossen bzw. mit sehr hohen Hürden versehen haben, bekommt dieses Rausdrängen der Crowd ein Geschmäckle. Faktisch kündigt das Startup die Verträge auch nicht, denn das wäre juristisch anfechtbar. Stattdessen wird mal als Crowdinvestor vor die Wahl gestellt: „Unterzeichne diesen Auflösungsvertrag und du bekommst eine Prämie. Unterzeichnest du besonders schnell, fällt die Prämie ein paar Prozent höher aus“ ist die eine Alternative. Die andere lautet „unterzeichne diesen anderen Auflösungsvertrag, der deinen Anteil in etwas anderes umwandelt (aber keinesfalls in eine direkte Kapitalbeteiligung, mit der du am Ende doch noch Mitspracherechte bekämst). Dabei verwässert dein Anteil aber gewaltig, weil ja der BA bzw. VC-Investor, der nur dann kommen wird, den Unternehmenswert hochtreibt und dafür auch XX Prozent von uns bekommen will“. Die dritte Alternative „die Crowd weigert sich irgendeinen der beiden Verträge zu unterzeichnen“ wird systematisch zum Nogo unter Androhung der dann angeblich unabwendbaren und quasi sofortigen Insolvenz des Startups deklariert.

      Das ist genau das, was ich mit extrem schlechten Umgangsformen im konkreten Beispiel gemeint habe.

      Selbstredend ist die Barabfindung attraktiver als die Umwandlung gestaltet, um einen möglichst hohen Anteil der Crowd direkt im ersten Anlauf loszuwerden.

      Ich finde die Signalwirkung dieses Exempels ziemlich verheerend, und als dies im internen Bereich bei Seedmatch zu heftigen Diskussionen und Gegenreaktionen führte, versuchte Seedmatch sehr schnell die Crowd einzubremsen.
      Seitdem habe ich da einen sehr schalen Geschmack im Mund und habe speziell bei Seedmatch jegliche weitere Investitionstätigkeit bis auf weiteres eingestellt, um die weitere Entwicklung abzuwarten.

      Ich habe die Befürchtung, dass dieses Vorgehen, die Crowdinvestoren schnell wieder rauszudrängen – speziell eben aus den alten, unverwässerbaren Verträgen – Schule machen wird, denn schaut man sich diese genauer an, hat Seedmatch selbst kein Interesse daran, dass diese Vertragsverhältnisse lange Bestand haben. Anders nämlich als die partiarischen Darlehen schliessen diese Altverträge eine Übertragbarkeit (geschweige denn einen Handel mit den Anteilen) aus. Die neuen Vertragsformulare hingegen schliessen schon jetzt explizit die Möglichkeit ein, die Anteile später mal auf einer wie-auch-immer gestalteten Handelsplattform auf Seedmatch weiterzuveräussern. Man kann also absehen, in welche Richtung Jens-Uwe Sauer sein Baby weiterentwickeln will.

  4. Hallo Klaus-Martin, Deine Liste mit den Folgefinanzierungen ist enorm wichtig, um das Vertrauen in das Crowdinvesting zu stärken. Deshalb wäre es zu begrüßen, den Link permanent auf Deiner Startseite zu sehen. Vielleicht in der sidebar oder so.
    LG Eric

  5. klausmartin sagt:

    done, siehe oben „Empfehlungen“

  6. 25% Gewinn klingt ja erst mal positiv. In einer anderen Quelle klingt das deutlich negativer:
    „…Ein Beispiel zeigt, welche ‚Lösungen‘ in diesem Fall gefunden wurden. Den beteiligten Mikroinvestoren wurde angeboten, ihre Beteiligung in einer Beteiligungsgesellschaft zu bündeln oder diese mit einer Rendite im niedrigen zweistelligen Bereich aufzulösen. Die Bündelung der Anteile bedeutet die Aufgabe der angesprochenen Rechte direkt gengenüber dem Unternehmen, und eine Rendite in angesprochener Höhe ist in Anbetracht der hohen Ausfallwahrscheinlichkeit bei Start-ups kaum zu akzeptieren. Wer mit den beiden Alternativen nicht einverstanden war, dem wurde unter dem Vorwurf eines gesellschaftsschädigenden Verhaltens der Vertrag gekündigt, und er wurde aus dem Unternehmen gedrängt…“
    (Henrich, 2012)

  7. klausmartin sagt:

    Ich bin gespannt, ob vielleicht mal jemand outet, bei welchen Startups sich das Szenario abgespielt hat.

  8. Carsten sagt:

    Zum aktuellen „Fall“ äussere ich mich gerne, sobald die Geschichte offiziell gelaufen ist. Das soll angeblich Mai/Juni der Fall sein. Der Aufhebungsvertrag verpflichtet glücklicherweise nicht zum Stillschweigen, aber aus naheliegenden Gründen warte ich dennoch ab, bis ich die Kohle wirklich auf dem Konto habe.

    Erstaunlich finde ich, dass sich bislang noch niemand von Seedmatch selbst hier geäussert hat.

    Abzuwarten bleibt, wann es zum ersten Mal bei einem der Startups mit partiarischem Darlehen zum Exit kommen wird und wie diese Angelegenheit dann gehandhabt werden wird. Ich hoffe zumindest, dass dies dann professioneller und mit weniger Kommunikationspannen ablaufen wird als in den bisherigen Fällen.
    Nichts desto trotz bleiben immer noch 22 weitere Seedmatch-Fundings nach „alter“ Vertragsstruktur, bei denen die Crowd ein konzentriertes Auge drauf haben sollte, ob die Investoren der ersten Stunde dort ebenfalls rausgedrängt werden. Wie ich zuvor schon ausgeführt habe, würde es mich nicht wundern – im Gegenteil, ich gehe inzwischen sogar davon aus, dass dies früher oder später bei einem Grossteil der Firmen so eintreten wird.

  9. Manuel sagt:

    Das was Carsten beschreibt kann auch die in den letzten Wochen hier viel diskutierte Dynamik, bremsen bzw. nicht weiter aufkeimen lassen, sofern all diejenigen die in der Vergangenheit positiv über das Thema Crowdinvesting geschrieben haben jetzt auch die Schattenseiten beleuchten.
    Ich habe mich auch in meiner Bachelorarbeit sehr mit den Risiken, die von Plattformen ausgehen beschäftigt, ich habe allerdings nicht gedacht, das gerade der Marktführer so mit der Crowd umgeht (sofern das alles zutrifft was bisher geschrieben wurde).
    Wenn ich diese Methoden lese, bereue ich ja fast mein Investment bei Seedmatch heute….
    Mich würde auch interessieren um welche Start-up es sich da handelt. Wundert mich, dass da noch nichts publik wurde von unzufriedenen Investoren.

    • Carsten sagt:

      Achtung, nicht Seedmatch drängt die Investoren raus, sondern das Startup. Seedmatch hat nur verhindert, dass die Crowd das Startup lebendig zerfleischt, auch wenn der Shitstorm angemessen gewesen wäre.

      Namen: ich vermute bei den anderen beiden Firmen einfach mal, dass dies die beiden ersten aus der hiesigen Liste waren.

    • Carsten sagt:

      Gotcha – smarchive ist offensichtlich der eine der beiden Kandidaten (und scheint wohl auch der von Claus Lehmann Genannte zu sein) – die Information findet sich ja auch direkt hier auf crowdstreet, siehe hier im Blitzinterview.

  10. klausmartin sagt:

    Die Liste wurde heute morgen ergänzt, so dass ggf. theoretisch ein weiteres Startup in Frage kommt. Vielleicht outet sich ja auch eine Firma, dass sie weiter Loyal zur Crowd steht? Wichtig ist ferner aus meiner Sicht der Hinweis von Carsten, dass nicht Seedmatch verantwortlich ist, wenn derartige Dinge passieren.

  11. Manuel sagt:

    Ich hatte schon verstanden, dass nicht Seedmatch verantwortlich ist. Mit den Risiken meinte ich die mangelnde Transparenz bzw. Information und die Vertragsgestaltung.

  12. klausmartin sagt:

    In Capital ist ausführlich über einen der vermutlich zwei Fälle nachzulesen: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,891280-3,00.html

    • Carsten sagt:

      Besonders erwähnenswert an dem Artikel ist auch hier wieder, dass der positive Ausgang für das Startup betont wird. Daraus folgt fast zwingend, dass dies für die betroffenen Investoren eben nicht gilt. Das Stammkapital der smarchive-Poolinggesellschaft, eine UG, beträgt übrigens ganze DREI Euro, wie öffentlich im Web nachzulesen ist.

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