Rausdrängen der Crowd durch neue Finanziers

Im Zuge meines Postings zu den potentiell ersten Crowdfundings mit einer Rendite im Zuge eines Einstiegs von neuen Investoren, hat sich ja eine recht lebhafte Diskussion entwickelt. In diesen Zusammenhang kommen tatsächliche oder vermeintliche Vor- und Nachteile der alten und neuen Beteiligungsverträge zur Sprache, zu denen Seedmatch vielleicht selbst einmal Stellung beziehen sollte.

Die Vorgänge werfen Fragen auf, warum ein Startup Hand in Hand mit einem VC oder einem Fond die Crowd ausboten will. Für ein solches Verhalten muss es ja handfeste Gründe geben. Schließlich ist das Ausboten von Investoren, die einen Vertrag mit dem Startup geschlossen haben, nicht nur mit Opportunitätskosten verbunden. Es war von einer Rendite von 25 Prozent die Rede. Da fallen bei einem Kapital von vermutlich 100.000 Euro reale Zahlungsverpflichtungen von immerhin 25.000 Euro an. Ferner müssen Rechtsanwälte bezahlt werden, die nicht für einen Gotteslohn arbeiten. Darüber hinaus könnte es zu Klagen kommen, was zusätzliche Kosten verursacht. Das alles verursacht unangenehme und vielleicht sogar unnötige Reibungsverluste.

Welche Vorteile hat das Herausdrängen der Crowd?

Da kann es eigentlich nur zwei relevante Argumente geben. Steigerung der eigenen Rendite bzw. Sicherung zukünftiger Finanzierungen, weil weitere Investoren, auch nicht auf die Crowd stehen.
Oder gibt es weitere?

Welche Nachteile hat das Herausdrängen der Crowd?

Wenn ein Startup bereits kurz nach einem Crowdfunding die Crowd wieder loswerden will oder muss, um an eine weitere Finanzierung zu gelangen, dann müssen die Vorteile die Nachteile im “Idealfall” überwiegen. Sofern ich als Investor im Nachgang eines Fundings z.B. geholfen habe über Blogpostings, Facebook- & Twittereinträge Wahrnehmung für ein interessantes Geschäftsmodell zu schaffen und vielleicht sogar mit Kontakten geholfen habe, würde ich das Verhalten “meines” Startups als zutiefst illoyal empfinden. Von einem eCommercer würde ich mich dann sicherlich wieder abwenden und in der ersten Enttäuschung meinen Freunden auch Alternativen für die Zukunft empfehlen.

Hinzu kommen (unverschuldet) Nachteile für die Crowdfunding-Plattform, was auch in mindestens einem Kommentar zum Ausdruck kam. Das ist sicherlich weder im Interesse der Plattform selber als auch der Startups, die sich in Zukunft über diese finanzieren wollen. Also auch die Plattform hat den Anreiz, sich vor solchen Startups zu bewahren.

Was kann aus dem Beispiel abgeleitet werden?

Da es sich augenscheinlich um mindestens zwei bisherige Fälle handelt (glaubt man einem Kommentator, könnte ein weiterer Fall bevorstehen), wo die Crowd herausgekauft oder auch gedrängt wurde, ist das Commitment bei dem einen oder anderen Startup zur Crowd ganz offensichtlich kleiner als zum Zeitpunkt des Fundings vorgegeben. Ferner stellt sich die Frage, wie sich Anleger vor einem solch opportunistischen Verhalten schützen können. Eine Lösung sind ganz zweifelsohne Aktien, wie sie den Crowdinvestoren hoffentlich bald über Bergfürst angeboten werden. Zwar ist ein Squeez-out auch bei an Aktienmärkten notierten Gesellschaften möglich, hierfür gibt es aber einen klaren rechtlichen Rahmen.

Abschließend ist festzustellen, dass sich jedes Startup, dass von einem Investor gedrängt wird, die Crowd auszumanövrieren, überlegen sollte, ob ein Investor, der ein solch illoyales Verhalten forciert, langfristig für das Startup selber eine integre Lösung darstellen kann. Im Interesse der Anleger sollte sich jedes Startup darüber klar werden, ob ein Crowdfunding wirklich der richtige Weg ist. Denn wenn bereits ein halbes Jahr nach dem erfolgreichen Pitch ein VC das Portemonnaie aufmacht, dann gab es sicherlich auch signifikant vorher die ersten Annäherungsversuche…

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One Response to Rausdrängen der Crowd durch neue Finanziers

  1. Hallo Klaus-Martin, CF-Plattformen braten die Tauben, die den VClern in’s Maul fliegen. Aus der Vielzahl eingereichter Projekte wählen die Plattformenbetreiber die chancenreichsten aus. Wer dann die Crowdfundigrunde erfolgreich abschließt, ist ein guter Kandidat für VC-Gesellschaften. Insofern nimmt das Crowdunding den VClern die Arbeit ab.

    Das Problem besteht nun darin, dass die VCs die Crowd nicht als Chance, sondern als lästig empfinden. Gewinndarlehensgeber oder still Beteiligte haben Informationsrechte, die vom Startup berücksichtigt werden müssen. Außerdem können die VC-Gesellschaften mit hundert oder mehr stillen Gesellschaftern am Bein nicht so schalten und walten, wie sie es gewohnt sind.

    Aber: Irgendwann wird es die ersten VCler geben, die das Wissen, die Netzwerke und die Kreativität der Crowd zu nutzen verstehen, um dem Startups zu helfen und damit indirekt auch etwas für die eigene Rendite zu tun. Andere VCler springen dann auf den fahrenden Zug auf und alle spielen mit.

    Momentan katapultieren die VC-Gesellschaften gefundete Startups sofort zurück in die klassische Welt der Unternehmensfinanzierung. Es ist aber noch gar nicht so lange her, als die VCler selbst als Schmuddelkinder galten.