Mit Computern heizen – Interview zum Crowdfunding für AOTERRA mit Lars Olbrich

AOTERRA

AOTERRA-Logo

Klaus-Martin Meyer: Herr Olbrich, Sie verantworten den Bereich Business Development bei AoTerra. Könnten Sie ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Lars Olbrich: AoTerra baut seit Mai 2012 in Immobilien Computer (Server) ein, deren Rechenleistung im Cloud-Markt genutzt wird. Parallel dient die entstehende Wärme zum Heizen der Häuser und zum Erwärmen von Wasser.
Der Nutzen: Sowohl Rechenleistungen als auch Heizungen sind preiswert und die Umwelt wird geschont. Das hat bislang rund 200 Interessierte und die Jury des renommierten „Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft“ überzeugt, die uns als Finalist ausgewählt hat. Ich bin einer von 35 Experten bei AoTerra, die Tag für Tag mit hohem Einsatz für das rasante Wachstum gesorgt haben und verantworte die marktseitigen Geschäftsbereiche bei der AoTerra GmbH.

Klaus-Martin Meyer: Sie konnten in der Vergangenheit bereits nennenswerte Mittel von einem Venture Capital-Fond und Business Angels akquirieren. Wie unterscheidet sich das Pitchen bei einem VC und bei einer Crowdfunding-Plattform?

Lars Olbrich: Der Unterschied liegt in erster Linie in der Art der Kommunikation. So finden Information und Dialog auf einer Crowdfunding-Plattform auf digitalem Wege, bei Venture Capital Fonds und Business Angels vor allem persönlich statt. Bei allen Genannten ist jedoch entscheidend, dass man ein überzeugendes Geschäftsmodell besitzt und dieses einfach erklären kann.

Klaus-Martin Meyer: Warum nun der Weg über die Crowd? Überwiegen da ggf. die Marketing-Überlegungen in Bezug auf ihre doch ungewöhnliches Geschäftsmodell?

Lars Olbrich: Wir sind selbst mit einem innovativen Geschäftsmodell am Markt erfolgreich. Da lag und liegt es nahe, auch innovative Wege bei der Finanzierung zu beschreiten.

Klaus-Martin Meyer: In der Szene wurde in den letzten Monaten öfters die VC-Kompatibilität von Crowdfundings diskutiert. Wie sehen Sie das? Wurden Sie seitens Ihres VC-Fonds eher ermutigt oder gebremst?

Lars Olbrich: Wir wurden ermutigt. Hinter abstrakten Begriffen wie Venture Capital oder Crowdfunding stecken letztendlich immer Menschen. Aus unserer Erfahrung hängt die beschriebene Kompatibilität von deren Haltung und Geschäftsverständnis ab. Genau wie in vielen anderen Geschäftsfeldern und -bereichen auch.

Klaus-Martin Meyer: Das Funding ist recht dynamisch gestartet, obwohl dieses nach dem Volumen das bisher größte ist (nach der Bewertung ist es sogar fünf mal größer als die nach diesem Kriterium bisher größten Fundings bei Seedmatch). Haben Sie angesichts dieser Werte auch Ihre „Friends, Family & Fools“ motiviert, am Funding teilzunehmen?

Lars Olbrich: Meine Kolleginnen und Kollegen bei AoTerra kommen Tag für Tag hochmotiviert  zur Arbeit. Naturgemäß erfährt das private Umfeld folglich auch von unseren Aktivitäten – die AoTerra-Experten berichten von neuen Projekten, Erfolgen, Kunden, dem Umzug in ein größeres Headquarter etc. Wir haben jedoch nicht explizit für das Funding im privaten Umfeld geworben. Vermutlich überzeugt unser Geschäftsmodell „Mit Computern heizen“, also der Verbindung des Cloud- mit dem Heizungsmarkt und die daraus resultierenden Kosten- und Sicherheitsvorteile und die geringen Umweltbelastungen.

Klaus-Martin Meyer: Man liest immer wieder, dass Google & Facebook ihre Rechenzentren bewusst in kalten Gegenden dieser Welt bauen, um Kühlenergie zu sparen. Könnten diese Firmen mit Ihrer Technologie Fernwärmenetze versorgen? Oder anders gefragt: Sind Sie ein Übernahmeziel für Google?

Lars Olbrich: Fernwärmenetze haben unabhängig von der Wärmequelle immer den Nachteil hoher Transportverluste – diese sind bei unserer Technologie äußerst gering, da wir wie beschrieben lokal direkt vor Ort die anfallende Wärme nutzen. Ob wir deshalb für Google interessant sind, müssen Sie bitte dort nachfragen. Auf alle Fälle sind wir „für kluge Rechner“ im Heizungs- und im Cloudmarkt eine sehr gute Wahl.

Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

2 Responses to Mit Computern heizen – Interview zum Crowdfunding für AOTERRA mit Lars Olbrich

  1. Klaus Kramer sagt:

    Nur eine Frage…wie ist der techn./wirtschaftliche Wirkungsgrad dieser Anlagen?

    • Lars Olbrich sagt:

      Sehr geehrter Herr Kramer,

      vielen Dank für Ihre sehr gute Frage.
      Unsere Server wandeln den eingesetzten Ökostrom zu 100% in Wärme um. Im Winter wird diese Wärme vollständig zur Räumwärme und Warmwasseraufbereitung genutzt.
      Je nach Abhängigkeit der verwendeten Wärmerückgewinnung ist der Wirkungsgrad zwischen 96-99%.