Steigende Anzahl von Crowdfundings ist eine Hilfe beim Bewertungsvergleich

Crowdstreet Research

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Die absolut betrachtet deutlich steigende Anzahl von Crowdfundings ist für den Anleger eine deutliche Hilfe bei der Einordnung der Höhe der Bewertung. Bewertungen bei Startups sind immer so eine Sache, da sowohl im Businessplan als auch in den Modellrechnungen zu den erwarteten Zahlungsströmen immer sehr viel Phantasie und Unsicherheiten enthalten sind. Daher hilft es dem Anleger (und natürlich auch der Crowdfunding-Plattform und dem Startup) bei der Anlageentscheidung, sofern zur Validierung der Bewertungsvorstellung die Bewertungen ähnlich gelagerter Startups herangezogen werden.

Besonders relevant sollten Bewertungsvergleiche sein, wenn extrem vergleichbare Geschäftsmodelle ein Funding anstreben. Ein Beispiel könnten die Fundings für die eTukTuk-Vertreiber in Deutschland bzw. Schweden sein, die auf Seedmatch bzw. bei FundedByMe in Schweden ein Funding realisiert haben bzw. anstreben.

Wer sich aktuell mit dem Gedanken trägt via Seedmatch bei Tollabox einzusteigen, der könnte z.B. die Bewertung des Startups von 2.778.000 Euro mit der von Meine-Spielzeugkiste von 1.200.000 Euro in Relation setzen. Natürlich sind die Geschäftsmodelle nicht kongruent, aber beide Ansätze beinhalten Abo-Komponenten und richten sich an ähnliche Zielgruppen, so dass man auch ansatzweise ähnliche Kostenstrukturen annehmen kann. Auch müssen Faktoren wie unterschiedliche Entwicklungsstadien und das jeweilige Marktpotential Berücksichtigung finden.

Das Beispiel der eTukTuk zeigt, dass auch immer ein Blick auf internationale Märkte lohnen dürfte. Bei United Equity steht in Kürze ein Funding eines Stevia-Startups an. Bei Crowdcube im UK kann ebenfalls ein Startup aus dem gleichen Bereich finanziert werden. Für den Anleger ist sicherlich am besten, sofern zwei vergleichbare Fundings zeitgleich laufen, so dass man – eine interessante Branche vorausgesetzt – mit Hilfe der vorgeschlagenen Bewertungen eine Anlageentscheidung zugunsten der vermeintlich aussichtsreicheren Anlage treffen kann. Optisch günstig muss natürlich nicht zwingend mit aussichtsreicher gleich gesetzt werden.

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5 Responses to Steigende Anzahl von Crowdfundings ist eine Hilfe beim Bewertungsvergleich

  1. Carsten sagt:

    Das eTukTuk-Beispiel ist insofern unglücklich, weil das schwedische Funding grandios vor die Wand gefahren ist und auf FundedByMe nirgends mehr verlinkt ist und folglich nicht mehr nachvollzogen werden kann.
    Mit United Equity tue ich mich wiederum ebenfalls schwer, weil die dort überwiegend (lässt sich bei bisher drei Fundings leicht behaupten, haha) Genussrechte verhökern, die nicht unbedingt durch Transparenz glänzen und eine Unternehmensbewertung sehr schwer machen.

    Was mir hingegen bei den beiden jüngsten Seedmatch-Fundings auffällt: sowohl bei Tollabox als auch bei AoTerra gehen sehr signifikante Summen über den Tresen; im Falle von Tollabox ist man mit den nun 600k bei deutlich über 20% der Unternehmensbewertung angekommen. Nur zu schade, dass das reinrassiges Fremdkapital ist.

  2. Hallo Klaus-Martin, hallo Carsten,

    dazu von uns (Seedmatch) zwei kurze Anmerkungen, damit keine Verwirrung entsteht:

    a) das Funding von eTukTuk bei FundedByMe hat mit Seedmatch und der deutschen eTukTuk GmbH aus Berlin nichts zu tun. eTukTuks werden von einem holländischen Hersteller produziert und von Unternehmen wie der eTukTuk GmbH vertrieben. FundedByMe hat das übrigens auch bei Twitter bestätigt: https://twitter.com/electrictuktuk/status/320932246875955200

    2) Die partiarischen Darlehen, die alle Startups bei Seedmatch realisieren, sind kein „reinrassiges Fremdkapital“, sondern haben mezzaninen Charakter.

    Generell ist der Vergleich der Unternehmensbewertung sicher ein naheliegendes Hilfsmittel, dabei sollte aber im Hinterkopf behalten werden, dass nicht nur Geschäftsmodell (z.B. Abo), sondern auch Faktoren wie Team, Hintergrund, Marketing-Plan, Netzwerk, Stadium der Unternehmensentwicklung und viele, viele mehr Einfluss auf den Erfolg eines Investments nehmen.

    Viele Grüße,
    Jakob Carstens
    Head of Marketing
    Seedmatch

    • klausmartin sagt:

      zu a) der Eindruck sollte auch nicht aufkommen. Es ging mehr nur darum, dass soetwas ein Beispiel ist, warum man vergleichen sollte im Hinblick auf die Validierung der Bewertung.

    • Hallo Herr Carstens,

      danke für Ihr Feedback. Allerdings haben Sie meine Einstufung der Partiarischen Nachrangdarlehen als reinrassiges Fremdkapital (bewusst?) missinterpretiert. Es ist zwar korrekt, dass die Startups die Darlehen als Eigenkapital bilanzieren können; nichts desto trotz handelt es sich dabei aber aus Sicht von uns Investoren um ein Darlehen mit allen damit verbundenen Nachteilen in Punkto Mitbestimmung, Informationsrechten etc., somit also Fremdkapital.
      Damit grenzt sich das Ganze sehr deutlich gegenüber echtem Eigenkapital (lies: AKTIEN) ab.

      Und wir zwei sind uns sicherlich einig, dass einem erheblichen Prozentsatz der Seedmatch-Investoren die weiteren Implikationen von Mezzanine-Kapital gar nicht bewusst oder bekannt sind.

      Die Partiarischen Darlehen sind zugegebenermassen nicht ganz so eine Seuche wie Genussrechte und derzeit ja leider die einzig sinnvoll gangbare Möglichkeit, Fundings > 100k ohne Entstehen einer Prospektpflicht umzusetzen (von den Ansätzen Ihrer Konkurrenz mit den Zwischengesellschaften halte ich überhaupt gar nichts), jedoch ändert das nichts daran, dass sehr viele Crowd-Investoren eine Beteiligung in Aktien-Form dennoch bevorzugen würden, wäre sie verfügbar.

      • Florian sagt:

        Hallo Carsten,

        zunächst einmal Danke für deine vielen kritischen Anmerkungen hier in diesem Blog. Auf diese Weise „zwingst“ du die Beteiligten Stellung zu nehmen, Aussagen zu präzisieren und mehr Transparenz zu schaffen. Für mich ist dies ein wichtiger Bestandteil, um langfristig die Spreu vom Weizen zu trennen.

        Dennoch möchte ich an dieser Stelle einigen deiner Aussagen widersprechen bzw. eine andere Meinung darstellen. (Vorab ich bin selbst „nur“ Investor und bin in keinster Weise an Fundingportalen beteiligt)

        „nichts desto trotz handelt es sich dabei aber aus Sicht von uns Investoren um ein Darlehen mit allen damit verbundenen Nachteilen in Punkto Mitbestimmung, Informationsrechten etc.,“

        Im Punkto Mitbestimmung gebe ich dir aus formaler Sicht natürlich recht! Faktisch ist es jedoch so, dass ich auch bei kleinen AGs als Einzelinvestor untergehe und somit kaum/keinen Einfluss auf Entscheidungen habe.
        Gleichzeitig habe ich selbst jedoch die Erfahrung gemacht, dass wenn man mit guten Ideen und Argumenten auf die Unternehmen zugeht, man sehr schnell Gehör findet und auch als Investor etwas bewegen kann.

        Der Punkt Informationsrechte ist eine Frage der Ausgestaltung der Verträge. Glücklicherweise haben wir in Deutschland Vertragsfreiheit weshalb es möglich ist auch Nachrangdarlehn so zu gestalten, dass man als Investor umfassend informiert wird. Ich muss gestehen, dass ich nicht die Verträge aller Anbieter kenne. Jedoch sind mir Verträge bekannt, die mir als Investor vierteljährliche Updates zusichern. Dazu ein Auszug aus einem meiner Verträge: „Das Reporting muss einen Rückblick auf das zurückliegende Quartal als auch eine Vorschau auf das kommende Quartal enthalten zu Markt, Produkt, Finanzen, Wettbewerb, Marketing und Vertrieb, Forschung und Entwicklung, Prognose zu den Finanzen (GuV, Cash-Flow mit Abweichungserläuterungen […]), wichtigen Meilensteinen, die Änderung der Kapitalverhältnisse und die aktuelle Beteiligungsquote der Investoren.“

        „Und wir zwei sind uns sicherlich einig, dass einem erheblichen Prozentsatz der Seedmatch-Investoren die weiteren Implikationen von Mezzanine-Kapital gar nicht bewusst oder bekannt sind.“

        Mein erster Gedanke zu diesem Thema war „ja da hat er recht“ dann habe ich an meine Bekannten und Freunde gedacht, die im Crowdfunding/Crowdinvesting Bereich aktiv sind. Dabei bin ich (mich eingeschlossen) auf 7 Personen gekommen die ich aus 4 verschiedenen Lebensbereichen kenne und mein Schluss war, dass sich ALLE über den Doppelcharakter des Mezzanine-Kapital bewusst sind. Ein, wie ich sagen muss, auch für mich überraschendes Ergebnis. (Mir ist dabei bewusst, dass mein Bekanntenkreis nicht repräsentativ ist, dennoch sollte man dies evt. einfach mal untersuchen anstatt einfach Thesen aufzustellen)

        „jedoch ändert das nichts daran, dass sehr viele Crowd-Investoren eine Beteiligung in Aktien-Form dennoch bevorzugen würden, wäre sie verfügbar.“

        Auch hier war meine Einstellung vor ein paar Monaten auch noch so, dass ich Aktien vorgezogen hätte. Mittlerweile sage ich: „es hängt von der Gestaltung des Vertrages ab.“
        Solange mir Gewinn und Exitbeteiligungen (so wie bei Aktien) sicher sind und ich Anspruch auf ein gewisses Maß an Reportingaktivitäten habe, bin ich bereit auf meine formalen Mitbestimmungsrechte bei Aktien zu verzichten, wenn dadurch bürokratischer Aufwand und Kosten eingespart werden können.

        Keine Anmerkung zum Ende. Ziel meiner Ausführung war es nicht, dich von meiner Meinung zu überzeugen. Ich wollte lediglich darstellen das es unter „uns Investoren“ auch andere Meinungen zu diesem Thema gibt.

        VG
        Florian