Arbeitswelt Crowdfunding-Plattform I: Interview mit Philipp Temme – Investment Manager bei Companisto

Investmentmanager Philipp Temme

Klaus-Martin Meyer: Philipp, Du bist Investment Manager bei Companisto. Könntest Du dich bitte kurz vorstellen und erzählen, was Deine ersten Anknüpfungspunkte zum Thema Crowdfunding waren?

Philipp Temme: Als Investment Manager betreue ich die Startups auf Companisto, von der Kontaktaufnahme bis zur Präsentation auf der Plattform. Mit dem Thema Crowdfunding bin ich das erste Mal im Rahmen meiner Tätigkeit bei einer internationalen Unternehmensberatung in Kontakt gekommen, als wir strategische Chancen und Risiken für Finanzinstitute unter der Überschrift “Bankless Banking” ausloten sollten. Da wurde Schwarmfinanzierung als relevanter Punkt herausgearbeitet und mein Interesse war sofort geweckt.

Klaus-Martin Meyer: Wie weit war der Weg vom ersten Interesse an Crowdfunding zum Job bei Companisto?

Philipp Temme: Ehrlich gesagt war der Weg nicht sehr weit, weil schnell klar war, dass gegenseitiges Interesse besteht.

Klaus-Martin Meyer: Was genau macht ein Investment Manager einer Crowdfunding-Plattform und wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Philipp Temme: Wir bekommen viele Anfragen von Startups, die ein Crowdinvesting auf Companisto durchführen wollen. Diese Unternehmenspräsentationen landen dann auf meinem Schreibtisch und ich habe das großartige Privileg, all diese Geschäftsideen kennenzulernen (Traumjob!). Meine Aufgabe ist es, herauszuarbeiten, ob das Vorhaben für ein Crowdinvesting geeignet ist. Dabei achte ich vor allem auf ein skalierbares Geschäftsmodell, den innovativen Charakter, mögliche Exit-Perspektiven, überzeugende Alleinstellungsmerkmale und ein gutes Team – eben all das, was einen Investor interessiert. Bei Interesse holen wir im nächsten Schritt weitere, detaillierte Informationen ein. Unerlässlich ist zuletzt ein persönliches Treffen mit den Gründern. Erst damit ist unser Gesamteindruck vollständig, den wir dann abschließend im Team besprechen.

Klaus-Martin Meyer: Du bist sicher näher dran am Thema Crowdfunding als die meisten. Wo stehen wir in zwei, drei Jahren?

Philipp Temme: Das ist bei einem so jungen Markt schwer abzusehen, vor allem da er ein enormes Potential hat. Wir haben in Deutschland die paradoxe Situation, dass wir einerseits über eine der spannendsten Startup-Szenen weltweit verfügen, aber andererseits eine riesige Lücke in der Frühphasen-Finanzierung klafft, da einfach zu wenig Risikokapital von den bestehenden Strukturen zur Verfügung gestellt wird. Das ändert sich nun langsam, so dass immer mehr erfolgreiche Startups die notwendige Finanzierung erhalten, wovon am Ende alle profitieren. Ich gehe davon aus, dass Crowdinvesting in Deutschland bis 2015 auf jeden Fall ein zweistelliger, vielleicht sogar ein dreistelliger Millionenmarkt ist.

Klaus-Martin Meyer: Angenommen die prognostizierte Entwicklung trifft ein. Welche möglicherweise neuen Berufsbilder werden sich rund um das Crowdfunding herauskristallisieren?

Philipp Temme: Aus Sicht der Startups hat sich die Investorensuche durch Crowdfunding nicht grundsätzlich verändert: ihnen stehen auch heute schon jede Menge Berater, Coaches und sonstige Experten zur Seite, die sich gegebenenfalls anpassen. Spannender wird die Entwicklung auf der Investorenseite: Jeder hat nun die Möglichkeit, als Investor aktiv zu werden und sich für erfolgversprechende Startups einzusetzen. So etwas wie die Companisten, also unsere Mikro-Investoren, gab es bisher noch nicht. Für diese eröffnet Crowdinvesting eine neue Perspektive, denn sie können erstmals die spannende Entwicklung eines jungen Unternehmens selbst begleiten. Daran wollten wir von Anfang an möglichst viele Menschen teilhaben lassen, weswegen es bei www.companisto.de auch keine Mindestinvestitionssumme gibt. Crowdinvesting als „Unternehmertum live“ steht bei uns jedermann offen. Am ehesten kann ich mir vorstellen, dass sich hier – bei der Ansprache, der Analyse etc. von Mikroinvestoren – neue Berufsfelder ergeben.

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