„Grundsätzlich sind wir sehr glücklich, dass unser Angebot so gut ankam“ – Interview mit Florian Ziegler (rent-a-guide) zum Innovestment-Funding

rent-a-guide

Klaus-Martin Meyer: Florian, Du bist Geschäftsführer bei rent-a-guide. Könntest Du Dich und Euer Startup bitte kurz vorstellen?

Florian Ziegler: Ich bin einer von drei Gründern von rent-a-guide und habe zuvor zehn Jahre lang als freier Journalist gearbeitet, ehe ich 2006 mein erstes Startup gegründet habe, das 2007 von der RevierSport online GmbH übernommen wurde. Mit der rent-a-guide GmbH, die wir 2010 gegründet haben, betreiben wir Buchungsportale für touristische Trendmärkte. UnserHauptportal rent-a-guide.de ist ein Buchungsportal für individuelle, deutschsprachige Stadtführungen, Ausflüge und geführte Touren. Reisende können die Angebote in 82 Ländern über www.rent-a-guide.de nach Preis, Dauer und Kundenbewertung vergleichen und direkt online, per Mail oder Telefon buchen. Guides und Anbieter von Führungen und Touren können sich bei rent-a-guide registrieren und ihr Angebot einstellen. Konnten die Kunden zum Start des Portals im Oktober 2010 zwischen 98 Touren wählen, stehen ihnen heute rund 3200 Touren zur Verfügung. Mit
kreuzfahrtausfluege.de betreiben wir ein weiteres Buchungsportale für einentouristischen Trendmarkt.

Klaus-Martin Meyer: Ihr seit bereits 2010 an den Start gegangen. Wie habt Ihr Euch bisher finanziert und warum nun das Crowdfunding?

Florian Ziegler: Zuvor haben wir uns über Eigenkapital der Gründer, Fremdkapital und VC-Kapital eines regionalen Fonds finanziert. Für Crowdfunding haben wir uns entschieden, weil uns die Idee des Crowdfunding an sich überzeugt und weil der Ablauf schnell und unbürokratisch von statten geht. Zudem bieten wir ein Produkt, das im Vergleich zu anderen Geschäftsmodellen nicht besonders erklärungsbedürftig ist und dessen Vorteile nahezu jedem sofort klar sind – schließlich reist jeder selber und hat bereits erlebt, bei Städtereisen in die typischen Touristenfallen getappt zu sein oder stundenlang in Warteschlangen vor den ehenswürdigkeiten zu stehen. Das ist natürlich ein wichtiger Aspekt, wenn ich mich über die Crowd finanzieren lassen möchte.

Klaus-Martin Meyer: Warum habt Ihr das Funding über Innovestment abgewickelt?

Florian Ziegler: Erst einmal kam die erste Rückmeldung schnell und überaus sympathisch. Wir konnten das Team über innovestment jederzeit erreichen und geduldig alle Fragen durchgehen. Das hört sich vielleicht erst einmal belanglos an, aber es macht eine Menge aus, ob ich als Startup etliche Wochen auf eine Antwort warte oder sich ein Crowdfunding-Portal sehr bemüht und sich bereits wenige Tage nach der Bewerbung telefonisch meldet. Aber natürlich muss auch das Gesamtpaket stimmen. Wir haben uns die verschiedenen Modelle, Investoren-Zielgruppen etc. der drei größten Plattformen angeschaut und sind zu der Überzeugung gelangt, dass innovestment für uns die beste Lösung ist.

Klaus-Martin Meyer: Durch den Auktionsmechanismus bei Innovestment wurde die initiale Unternehmensbewertung bei Euch um über 50 Prozent gesteigert.
Dabei ist die Mehrheit der Bieter gar nicht zum Zuge gekommen. Wie wichtig ist die Bewertung. Wäre es nicht ggf. genauso interessant gewesen eine insgesamt höhere Summe von weniger Bietern einzusammeln?

Florian Ziegler: Das gehört natürlich zum angesprochenen Gesamtpaket, dass es am Ende passieren kann, dass einige Interessenten nicht zum Zug kommen. Grundsätzlich sind wir sehr glücklich, dass unser Angebot so gut ankam, dass es am Ende deutlich mehr Interessenten als Tickets/Anteile gab. Das bestätigt natürlich auch, dass wir nicht alles falsch gemacht haben in unserer bisherigen Entwicklung. Gerade der Punkt der Ermittlung der Unternehmensbewertung ist bei innovestment meiner Meinung nach am besten gelöst. Letztlich entscheidet die Crowd durch Ihre Nachfrage, wie viele Wert Ihr das Startup ist. Das finde ich einen deutlich faireren Ansatz, als wenn dies letztlich von den Crowdfunding-Plattformen festgelegt wird und die Investoren diese Bewertung letztlich „schlucken“ müssen, wenn Sie investieren möchten.

Eine höhere Summe von mehreren Investoren einzunehmen ist bei dem Modell von innovestment ohne Börsenprospekt in Deutschland leider nicht möglich, so dass uns bewusst war, dass dieser Fall eintreten kann. Ob man sich deshalb z.B. für die auf anderen Crowdfunding-Plattformen relativ neue Form des partiarischen Nachrangdarlehens entscheidet, mit all seinen Vor- und Nachteilen, muss jedes Startup für sich selber entscheiden.

Klaus-Martin Meyer: Die Crowd ist mit 12 Investoren recht überschaubar. Was können diese 12 Personen nun über das Finanzielle hinaus einbringen?

Florian Ziegler: In der Tat ist die Anzahl der Investoren überschaubar, was natürlich in der weiteren Kommunikation und im Handling eine Menge vereinfacht. Wir sehen das durchaus auch positiv, auch wenn der klassische „Crowdeffekt“ dadurch vielleicht weniger wirksam ist. Dafür können wir bei Bedarf allerdings einen sehr intensiven und persönlichen Austausch mit unseren Crowd-Investoren pflegen. Das ist bei anderen Plattformen natürlich nur bedingt oder mit hohem zeitlichen Aufwand möglich wenn es am Ende mehrere hundert Investoren werden. Ich denke, beide Varianten haben Ihre Vor- und Nachteile. Wir sind aber glücklich, wie es gelaufen ist.

Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Schreibe einen Kommentar