Interview mit Wolf M. Nietzer zu seinem Einstieg als Business Angel bei miBaby

mibaby

Klaus-Martin Meyer: Herr Prof. Nietzer, Sie sind u.a. Geschäftsführer der Firma Wolfman Holdings GmbH aber auch Business Angel. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Wolf M. Nietzer: Ich bin „hauptberuflich“ Wirtschaftsanwalt in der von mir gegründeten Wirtschaftskanzlei NIETZER & HÄUSLER (www.unternehmensrecht.com), und dort auf deutsches und US.amerikanisches  Unternehmens- und Gesellschaftsrecht, M&A, Vertragsrecht spezialisiert, zudem zugelassen als Anwalt u.a. in New York und am US.Supreme Court. In der WOLFMAN Holdings GmbH halte ich seit 2000 meine Beteiligungen (old / new economy), alle hieraus resultierenden Tätigkeiten als Business Angel sind dort gebündelt. Der gegenwärtige Fokus liegt auf Food, Kinder und Neue Medien.

Klaus-Martin Meyer: Laut Pressemitteilung von miBaby sind Sie aktuell bei dem Internet-Startup eingestiegen. Demnach ist diese Beteiligung eine der ersten nach dem neuen Konstrukt „Investitionszuschuss Wagniskapital“. Wie kam es zu der Beteiligung und welche Rolle haben die neuen Möglichkeiten des Investitionszuschusses dabei gespielt?

Wolf M. Nietzer: Die thematische Nähe zu meiner Beteiligung an KINDSSTOFF (www.kindsstoff.de) war mit ein Grund, mibaby passt in den gegenwärtigen Fokus von WOLFMAN sehr gut. Auf mibaby wurde ich zusätzlich über Seedmatch aufmerksam. Der „Investitionszuschuss Wagniskapital“ hat insoweit einen Ausschlag gegeben, als dass sich alle Beteiligten schneller bei der Höhe der zu investierenden Summe einig wurden, eine klare Win / Win Situation.

Klaus-Martin Meyer: Es hat bereits Fälle gegeben, wo VCs die Crowd aus Unternehmen gedrängt haben. Warum können Sie mit der Crowd leben? Welche Vor- oder Nachteile sehen Sie als Business Angel im Crowdfunding?

Wolf M. Nietzer: Die „crowd“ kann ein Treiber in der Bekanntheit sein und Viralität und Verbreitung im Web unterstützen, zudem eine flankierende Massnahmen in der Beschaffung von Geld sein. Es gibt in den USA bereits eine große Diskussion der „Party Rounds vs. Series A Rounds“, also hinsichtlich der Beteiligung vieler kleiner Investoren (ob nun als direkte/offene Beteiligung oder im Wege einer stillen Beteiligung) im Gegnsatz zu wenigen, dafür aber professionellen Investoren, die Know-how und Netzwerke mitbringen können. Es ist auch so, und das ist in der Wichtigkeit nicht zu unterschätzen, dass die emotionalie Verbundenheit mit der Größe des Invest korreliert. Und last but not least, verlässt sich die „crowd“ – in der Regel – auf „andere“, während die direkt beteiligten, größeren Investoren / Business Angels miteinander / untereinander im Austausch stehen und dem Startup direktes Feedback geben und Hilfe anbieten können. Letztlich kann eine Kombination aus Business Angels und „crowd“ durchaus sinnvoll sein, natürlich auch beim jeweiligen Startup branchen- und zielgruppenanhängig. Die Crowdfunding-Plattformen sind eine stets im Auge zu behaltende (Zusatz) Option bei der Frage, wie kann sich ein Startup Geld für sein Wachstum besorgen (in Proof of Concept Phasen sehe ich die „crowd“ völlig außen vor). Wichtig ist es darauf zu achten, dass sich die vertrags- und gesellschaftsrechtlichen Gegebenheiten bei einer Kombination nicht in die Quere kommen, und das Management der „crowd“ sollte nur minimal Zeit der Gründer in Anspruch nehmen, Kosten für das eine oder andere Modell sind genau abzuwägen.

Klaus-Martin Meyer: Es haben inzwischen diverse Business Angel in miBaby signifikant 6stellig investiert. Über die Crowd werden – bei Erreichen des Fundingslimits – nocheinmal 750.000 Euro dazu kommen. Ist das nicht eine Menge Holz für ein vergleichsweise einfaches Affiliate-Modell mit in Relation zum Invest eher noch dünnen Umsätzen. Was spricht aus Ihrer Sicht dennoch für ein Investment.

Wolf M. Nietzer: miBaby macht im Vergleich zu klassischen Contentportalen für Eltern (wie Netmoms & Co.) bis zu 5 mal mehr Umsatz je Impression – und das bei ähnlicher Viralität. Die Umsätze und dank der Viralität auch Margen je Nutzer sind also deutlich höher als beim Wettbewerb in diesem attraktiven Segment. Viele auch institutionelle Investoren haben sich in den vergangenen Jahren mit dem Thema Affiliate ‚verbrannt‘. Der sehr auf Nische und stark vom Bedürfnis her fokussierte Ansatz von miBaby scheint im Gegensatz zu den bisherigen Affiliate-Versuchen gut zu funktionieren. miBaby macht aufs Jahr hochgerechnet inzwischen sechsstellige Umsätze. Ich glaube, das jetzt die Zeit ist, das Modell weiter zu skalieren. Das rechtfertigt aus meiner Sicht auch weitere größere Investitionen, um die bereits aufgenommene Geschwindigkeit zu erhöhen, Ziel ist es, die Nr.1 in Europa zu werden.

Klaus-Martin Meyer: Zum Schluss würde mich noch eine Einschätzung interessieren, wie Business Angels und Crowdfunding-Szene in Zukunft kooperieren werden bzw. sollten.

Wolf M. Nietzer: Insoweit kann ich auch auf meine obige Antwort zur Kombination aus Business Angels und „crowd“  Bezug nehmen. Ich denke man sollte sich nicht als Konkurrenz zueinander sehen, eine Kombination der Geldmittel einerseits und des Inputs der Business Angel in ein Startup andererseits können durchaus Vorzüge haben. Bei manchen Startups scheidet der eine oder andere („crowd“ versus Business Angels) ohnehin aus, da ungeeignet. Vielleicht bietet sich für die Zukunft auch eine Option an, bei welchem die „crowd“ zusammen mit einem „Kooperationspartner“ oder „Lead Investor“ investiert. Es gilt den US-Markt zu beobachten, denn von dort kommen die Ideen und neuen Konzepte, so vielleicht auch in diesem Punkt.

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