Arbeitswelt Crowdfunding-Plattform V: Interview mit Stephan Roevenich (FUNDSTERS)

FUNDSTERS

Klaus-Martin Meyer: Herr Roevenich, Sie sind Director Marketing bei FUNDSTERS. Können Sie sich und Ihre Plattform bitte kurz vorstellen?

Stephan Roevenich: Ich bin seit März 2013 bei FUNDSTERS und für das gesamte Spektrum unserer Kommunikation verantwortlich. Dies erstreckt sich von Werbemaßnahmen, redaktioneller Gestaltung der Internetpräsenz, über PR, bis hin zu den für uns sehr wichtigen Social Media Kanälen. Gerade haben wir zum Beispiel unsere Seite www.fundsters.de gestalterisch und von der Userführung überarbeitet und damit das Nutzungserlebnis deutlich verbessert. Des Weiteren sehen wir uns bei FUNDSTERS mit unseren Kampagnenstartern in einer Partnerrolle und unterstützen und beraten sie in allen Belangen – was mich und mein Team betrifft, bezieht sich dies folgerichtig auf deren Marketingmaßnahmen. Unsere Plattform wurde gelauncht im November 2012 und wir bieten sowohl Crowdinvesting, wir sprechen von Investitionskampagnen, als auch Crowdfunding, was wir als Unterstützungskampagnen bezeichnen, an. Wir sind in der Lage, Eigenkapitalinvestitionen von mehr als 100.000 Euro abzuwickeln, denn FUNDSTERS verfügt als einzige Crowdfunding-Plattform in Deutschland über einen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gebilligten Verkaufsprospekt.

Klaus-Martin Meyer: Warum trauen Sie dem noch jungen Phänomen Crowdfunding so viel Potential zu, dass Sie sich beruflich in diesem Bereich engagieren?

Stephan Roevenich: In meinen vorigen Stationen bei Montblanc, Coca-Cola, ECE Projektmanagement, oder auch zuletzt der BAUER Advertising KG habe ich bereits viel mit dem Medium Internet gearbeitet. Ich traue dem Crowdfunding ein sehr großes Potential zu, weil es auf einigen Grundprinzipien menschlichen Zusammenlebens basiert. So halfen sich die Menschen schon vor tausenden von Jahren. Derzeit ist zu beobachten, das Engagement, Mitbestimmung und familiäre Werte zunehmend wieder zum Zeitgeist werden. Das internetbasierte Crowdfunding ist eine moderne Umsetzung dieses Zeitgeistes, perfekt angepasst an unsere jetzigen Lebensgewohnheiten und Mediennutzung. Was Deutschland betrifft – wir beginnen gerade erst das Potential zu erahnen. Wenige Menschen wissen, was Crowdfunding ausmacht, einige haben schon mal davon gehört und viele können aber noch nichts damit anfangen. Das wollen wir ändern!

Klaus-Martin Meyer: FUNDSTERS gehört eher zu den Spätstartern beim equity based Crowdfunding. Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Herausforderungen des Director Marketing?

Stephan Roevenich: Gemessen am Anteil der potenziellen Nutzer ist Crowdinvesting immer noch ziemlich unbekannt. Wir arbeiten konsequent und ausdauernd daran, unser Modell an den Bedürfnissen unserer Projekte und Nutzer auszurichten. Insbesondere bei Investitionskampagnen existieren in Deutschland viele Gesetze und regulatorische Anforderungen, die es zu beachten gilt. Statt nach Schlupflöchern zu suchen, erfüllen wir in der Ausgestaltung unseres Modells gezielt diese Anforderungen. Das heißt wir arbeiten eng mit den Regulierungsbehörden zusammen, um bestmögliche Bedingungen für unsere Investoren und Startups zu bieten. Diese Bemühungen sind aufwändig und kosten vor allem Zeit. Wir sind aber der Meinung, dass sie sich durchsetzen werden, denn sie fangen bereits an, Früchte zu tragen. Wir wollen keinen Hype inszenieren, sondern ein nachhaltiges Modell schaffen, das Investition von der Vorbereitungsphase bis zum Exit begleitet und betreut. Unser Ziel ist es, dass bei unseren Kunden ab dem ersten Kontakt spürbar zu machen. Das ist die zentrale Herausforderung, nicht nur für mich, sondern für unser gesamtes Team. Wir verfolgen hierzu viele verschiedene Strategien und Ansätze, die wir im Laufe des Jahres nach und nach umsetzen werden.

Klaus-Martin Meyer: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei FUNDSTERS aus?

Stephan Roevenich: Es gibt keinen typischen Arbeitstag. Und das gefällt mir ich sehr. Wir beschäftigen aktuell neun Teammitglieder in Vollzeit und bilden mittlerweile alle Funktionen inhouse ab. Das Themenspektrum ist demnach breit gefächert. Wir bilden projektbezogene, kleine Teams und arbeiten sehr strukturiert und effizient. Wir geben ordentlich Gas, aber als Startup genießen wir auch unsere Flexibilität. Freitags arbeite ich beispielsweise in Hamburg aus dem Home-Office, Interna besprechen wir auch schon mal abends bei einem kühlen Bierchen, oder als unser neuer Frontend Entwickler – er ist in Frankreich aufgewachsen – angefangen hat, haben wir die Teamsprache auf Englisch gewechselt. Alles in allem feiern wir unsere Erfolge zusammen mit unseren Kampagnenstartern und pushen uns als Team voran. Mein liebstes Stück im Büro? Na, logisch: Unser Team-Grill!

Klaus-Martin Meyer: Welchen Einfluss hat der Sachverhalt, dass Ihr Firmensitz in Meerbusch ist, während jeder zweite Investment-Euro, der in ein Startup fließt in Berlin investiert wird, auf ihren Arbeitsalltag?

Stephan Roevenich: Das ist schwer einzuschätzen. Berlin ist dank seiner Infrastruktur schon recht weit. Wir haben viele Kontakte und Berührungspunkte mit Startups und VCs dort. Eine ganze Reihe von Startups sind aber auch außerhalb vom Berlin sehr gut aufgestellt und Beispiele wie Trivago zeigen, dass es auch woanders funktionieren kann. Ich glaube auch nicht, dass sich Investoren, Unterstützer oder Kampagnenstarter sich für eine Plattform wegen ihres Bürostandorts entscheiden. Unsere Kundennähe und unsere „Online-Leistungswerte“ sind da doch viel entscheidender.

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