Sekundärmarkt-Experiment: Übertragung einer Crowd-Beteiligung – Einfach geht anders

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Am 20. April habe ich hier auf Crowdstreet eine via Seedmatch erworbenen Stille Beteiligung zum Kauf angeboten. Ziel der Übung war es, herauszufinden, ob es man so etwas wie einen Sekundärmarkt initiieren kann und wie einfach bzw. kompliziert eine solche Angelegenheit ist.

Gestern war es soweit. Die liquiden Mittel in Höhe des Verkaufspreises wurden auf meinem Girokonto verbucht. Aber damit war der Deal noch nicht endgültig finalisiert. Aber der Reihe nach…

Meinen Verkaufswunsch habe ich wie erwähnt im April gepostet. Es meldete sich nach ein, zwei Wochen jemand, der Interesse an meinem Anteil bekundete. Die Art und Weise, wie dies passierte, ließ jedoch darauf schließen, nur meine Motive bzw. Infos über das Startup abfragen zu wollen.
Der jetzige Käufer meldete sich am Anfang Juni erstmals. Darauf folgte einiges Hin und Her. Naturgemäß wollte der Käufer nicht die Katze im Sack kaufen. Die Herausgabe bestimmter Informationen unterlag andererseits der Vertraulichkeit. Es gab offenbar diverse Kommunikationen von Käufer und Startup sowie Käufer und Seedmatch.

 

Eigenartiges Verhalten des Startups

Laut Vertrag bedurfte die Übertragung der Anteile einer schriftlichen Genehmigung des Startups. Als ich diese erbat, kam zunächst eine Rückfrage, wer der Käufer sei. Hintergrund der Frage sei, dass man sich aufgrund der Infopflichten rückversichern wolle, dass kein Mitbewerber sich bei der Gesellschaft einkaufe. An dieser Stelle riss mir schon fast der Geduldsfaden, weil mir das Argument extrem stark vorgeschoben schien. Hier dachte ich schon darüber nach, die ganze Sache platzen zu lassen.

Da ich bei einem derartigen Verhalten aber immer gleich befürchte, dass das Management auch bei anderen Gelegenheiten seine Zeit unnötig und vorsätzlich verschwenden könnte, besann ich mich eines besseren und dachte, dass es vielleicht richtig sein könnte, auszusteigen.

Lästiger Papierkram zum Abschluss

Heute kam dann noch eine Mail von Seedmatch. Leider reichen schriftlich per Mail eingereichte korrespondierende Willenserklärungen für die Übertragung der Anteile nicht aus. Es müssen noch Erklärungen zu Annahme bzw. der Abgabe bei allen beteiligten Partien unterschrieben vorliegen. Zum Glück reichen dem Startup und Seedmatch die eingescannten Dokumente aus (Seedmatch arbeitet nach eigenen Angaben daran, einen schmerzfreien Online-Prozess zu erarbeiten, was bitter nötig ist).

Damit scheint sich das vor über zwei Monaten gestartete Experiment dem Ende zuzuneigen. Ich bin gespannt, ob dem so ist.

Fazit: Ein liquider Sekundärmarkt sieht anders aus.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen beim Verkauf von Anteilen gemacht? Ich würde mich über Informationen dazu freuen.

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One Response to Sekundärmarkt-Experiment: Übertragung einer Crowd-Beteiligung – Einfach geht anders

  1. Carsten sagt:

    Ist schlussendlich bei vinkulierten Namensaktien in aller Regel auch nicht anders. Insofern überrascht mich die Komplexität des Übertragungsvorgangs überhaupt nicht.
    Dass Seedmatch in Sachen Handelsplattform noch einige Pfeile im Köcher hat, war seit der Umstellung auf die partiarischen Nachrangdarlehen Ende 2012 klar, weil die neuen Vertragsunterlagen explizit eine Übertragbarkeit der Anteile vorsehen, mit der Einschränkung, dass dies nur noch über Seedmatch möglich ist, sobald dieses eine Handelsplattform zur Verfügung stellt.

    Damit ist es also nur noch eine Frage der Zeit (und wahrscheinlich gewisser Schwellgrössen an Startups, Investoren und angemeldeter/registrierter Nutzer), bis es da so weit ist.
    Ich könnte mir aber vorstellen, dass spätestens dann auch kein Weg mehr an einer Identitäts- und Legitimationsprüfung vorbeiführen wird, weil alles andere schlichtweg nicht seriös wäre.