Arbeitswelt Crowdfunding-Plattform VI: Interview mit Michael Beck (BERGFÜRST)

Bergfürst

Klaus-Martin Meyer: Herr Beck, Sie sind Director Marketing bei BERGFÜRST. Wie anstrengend ist es Marketing für eine Plattform zu machen, die nach längerer Vorbereitung jetzt im September das erste Funding realisieren wird?

Michael Beck: Bei BERGFÜRST sind wir in der angenehmen Situation mit einem renommierten Gründerteam gestartet zu sein. Guido Sandler und Dennis Bemmann sind auf ihren Gebieten angesehene Experten und dies verschafft uns von Beginn an einen Vertrauensvorschuss, der auch nicht durch eine längere Vorbereitungszeit geschmälert wird. Hinzu kommt, dass wir mit einem sehr disruptiven Geschäftsmodell angetreten sind, welches das Potential hat, die Branche nachhaltig zu verändern. Dabei spielen wir zum einen die Stärken beider Gründer aus („Corporate Finance meets Social Media“) und setzen zum anderen den Crowdinvesting-Gedanken (zum Beispiel dank Eigenkapitalbeteiligung und Handelsplatz) am konsequentesten um. In meiner täglichen Arbeit kann ich von diesen Stärken profitieren. So nutzen wir die verlängerte Vorbereitungszeit vermehrt für den Dialog mit Branchenkennern und generell Interessierten – sei es im Rahmen von öffentlichen Auftritten oder nicht-öffentlichen Meetings, wo wir die Chance ergreifen, unser Modell im Detail vorzustellen.

Klaus-Martin Meyer: Ihre Vita ist ist ja sehr Startup-„lastig“. Nun machen Sie Marketing in einer Branche, die sich selber im Startup-Modus befindet. Ist das noch einmal eine Steigerung zu ihren vorangegangenen Engagements?

Michael Beck: Als ich 2006 als einer der ersten Mitarbeiter bei studiVZ begonnen habe, war auch die Social Network Branche in der „Startup-Phase“. Besonders spannend an dieser Phase ist, dass nicht nur das eigene Unternehmen, sondern die gesamte Branche entwickelt werden will. Als Steigerung empfinde ich meine Arbeit bei BERGFÜRST vielmehr, weil wir mit einem sehr erfahrenen Team in einem jungen Unternehmen starten. Viele Trial-and-Error-Aktivitäten bleiben uns damit erspart. Ich finde allerdings, dass ein höherer Grad an Erfahrung nicht nur auf uns zutrifft – die gesamte Startup-Szene ist professioneller geworden.

Klaus-Martin Meyer: Was sind aktuell die zentralen Aufgabenstellungen, die der Vorstand an Sie richtet? Gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitstag?

Michael Beck: Im Marketing haben wir drei zentrale Aufgaben: die Nutzerakquise, die Nutzerbindung und die Begleitung der Wachstumsunternehmen auf dem Weg zur Emission und in den Handel. Hinzu kommt, dass die Verantwortung für die Kommunikations- und Pressearbeit ebenfalls in der Marketingabteilung liegt.

Die Aufgaben sind sehr vielfältig, aber ich möchte einige konkrete Beispiele geben: Im Bereich Nutzerakquise geht es beispielsweise um die Optimierung der SEM-Kampagnen oder um den Abschluss und Pflege von Kooperationen mit Finanzportalen. In der Nutzerbindung werden Social Media Kampagnen, Newsletter und Blogbeiträge entworfen und umgesetzt. Im Rahmen der Arbeit mit dem Emittenten bereiten wir beispielsweise einen Webcast vor – das ist eine Web-Produktion, bei der der Emittent live in einem TV-Studio sich und sein Unternehmen vorstellt. Live-Produktion und Aufzeichnung sind auf www.bergfuerst.com zu sehen.

Klaus-Martin Meyer: Die Erwartungshaltung bezügliche Bergfürst ist in meiner Wahrnehung sehr hoch. Ein Kommentator auf gründerszene sprach sinngemäß davon, dass Bergfürst der neue Neue Markt werden könnte. Werden die ersten Fundings von Bergfürst (und der Sachverhalt, dass wir von Aktien sprechen) das ganze Thema Crowdfunding noch einmal auf ein höheres Level heben, von dem die ganze Branche profitieren wird?

Michael Beck: Tatsächlich hat BERGFÜRST weit vor dem Start der ersten Emission eine breites Publikum erreicht und darüber sind wir sehr froh. Über 6.000 Nutzer hatten sich bereits registriert, noch bevor der erste Emittent genannt wurde. Die Erwartungen sind hoch, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir Ihnen gerecht werden können. BERGFÜRST eröffnet Investoren den Zugang zu einer Anlageklasse, die bisher nur institutionellen Anlegern vorbehalten war: Venture Capital. Die Möglichkeit, Aktionär und somit Miteigentümer zu werden, rundet das Angebot ab. Ich bin der Meinung, dass BERGFÜRST viele Internetnutzer als Finanzinteressierte (re-)aktivieren wird.

Dennoch grenzen wir uns klar vom Neuen Markt ab. Von unseren Emittenten verlangen wir, ökonomisch und verantwortungsvoll zu handeln. Zu den Zeiten des neuen Markts standen zwar auch keine Luxuslimousinen oder gar Flugzeuge in den Business Plänen, gekauft wurden sie dann aber trotzdem im Übermut. Unsere Emittenten haben einen Aufsichtsrat, der die Aktivitäten des Unternehmens im Sinne der Crowd überprüft. So werden unnötige Anschaffungen vermieden. Zudem gibt es bei uns klare Haltefristen für das Management und die Altgesellschafter. Der bei der Emission hinterlegte Businessplan ist auf drei Jahre ausgelegt und so dürfen die Altgesellschafter auch erst nach drei Jahren ihre Anteile vollständig veräußern.

Klaus-Martin Meyer: War die Entscheidung für URBANARA als erster Emittent auch eine strategischer Marketing-Entscheidung von BERGFÜRST? Es fällt ja auf, dass die Crowdfunding-Plattformen, die nicht in erster Linie auf Startups setzen (sondern z.B. eher auf Mittelstand-Finanzierungen), vergleichsweise weniger erfolgreich agieren?

Michael Beck: Mit URBANARA haben wir einen Emittenten gefunden, der zunächst einmal alle unsere technischen Anforderungen erfüllt. URBANARA konnte bereits relevante Umsätze verbuchen und sich am Markt behaupten. Gleichzeitig ist URBANARA eine Online-Marke, die sich stark über ihre E-Commerce-Aktivitäten definiert. Von einem solchen Wachstumsunternehmen ist zu erwarten, dass sowohl das eingesetzte Crowd-Kapital als auch die zugehörigen Social Marketing-Effekte schnell ihre Wirkung entfalten – genau das ist wichtig für den Sekundärmarkt. Aus diesem Grund ist URBANARA ein perfekter erster Emittent für uns.

Im Gegensatz zu anderen Crowdinvesting-Plattformen setzen wir auch weiterhin auf Wachstumsunternehmen, die bereits relevante Umsätze verbucht haben und somit ein anderes Risiko-Chancen-Profil als Startups aufweisen.

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