Arbeitswelt Crowdfunding-Plattform VII: Interview mit Maike Nastoll (Startnext)

Maike Nastoll, Startnext

Klaus-Martin Meyer: Maike, Du bist bei Startnext für die Projektbetreuung zuständig. Wie wird man auf eine Crowdfunding-Plattform als Arbeitgeber aufmerksam?

Maike Nastoll: Es war tatsächlich ein Projekt, das mich zu Startnext geführt hat. Eine Freundin hat mit ihrem Duo ihre erste CD über Startnext finanziert und ich habe das Projekt unterstützt. Ich war sofort begeistert von der Plattform und habe mich durch die Seiten geklickt und wollte wissen, wer dahinter steht – ein paar Wochen später gehörte ich dann auch zum Team.

Klaus-Martin Meyer: Gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitstag für einen Projektbetreuer? Wie würdest Du zudem einem 80jährigen Senior erklären, was Du eigentlich so genau machst?

Maike Nastoll: Typisch ist, dass jeder Tag anders ist. Die Themen sind so vielfältig, die Menschen besonders und es wird vor allem nie langweilig. Wir betreuen aktuell rund 400 Projekte, die Fragen stellen, Feedback beantragen, ihr Projekt starten oder für die Finanzierung freischalten möchten – da haben wir aller Hand zu tun. Unser Fokus auf Startnext liegt auf kreativen Projekten: An einem Tag berate ich Informatiker zur Finanzierung einer App, an einem anderen eine Künstlerin, die eine Ausstellung vorstellt per Skype oder treffe einen Filmemacher bei uns im Berliner Startnext Lab. Unser Ziel ist es, jedem die passenden Werkzeuge an die Hand zu geben, um seine Idee optimal zu präsentieren und damit erfolgreich zu finanzieren.

Meinem Opa habe ich unsere Plattform mal so erklärt: Startnext ist wie ein Marktplatz. Kreative und Erfinder präsentieren dort ihre Idee, einen Film, ein Buch eine CD etc. und suchen Menschen, die ihre Idee finanzieren. Dafür ist es wichtig, den Marktstand interessant zu gestalten und die Menschen auf dem Markt persönlich anzusprechen und sein Projekt zu erklären. Das findet natürlich alles im Internet statt. Und der Unterschied zu einem Markt besteht darin, dass die Ideen noch nicht umgesetzt sind, also zum Beispiel die CD von einem Musiker noch nicht hergestellt ist. Nur wenn am Ende des Tages das Geld zusammen gekommen ist, kann die CD produziert werden. Anderenfalls geht das Geld an die Unterstützer zurück.

Klaus-Martin Meyer: Crowdfunding ist für viele „Otto Normalverbraucher“ noch nicht wirklich bekannt. Wie ist der Wissensstand bei den Leuten, die Projekte einstellen?

Maike Nastoll: Das ist ganz unterschiedlich. Manchen Startern müssen wir tatsächlich erst das Prinzip von Crowdfunding erklären, das Alles-oder-Nichts-Prinzip und, dass es dabei um Geben und Nehmen geht. Vor allem der Unterschied zu einer Spendenplattform ist vielen nicht klar. Andere kennen das Prinzip bereits bis ins kleinste Detail und gehen sehr intuitiv damit um, legen die Projektseite komplett eigenständig an und wir müssen eigentlich nur noch auf den Knopf drücken.

Klaus-Martin Meyer: Kannst Du ein paar typische Fehler benennen, die bei der Gestaltung der Pitches gemacht werden?

Maike Nastoll: Es gibt Projektstarter, die etwas kamerascheu sind oder die sich selbst als Person nicht in den Vordergrund stellen möchten. Das kann ich sogar verstehen. Für eine Crowdfunding-Kampagne ist das jedoch sehr wichtig, denn vor allem die persönliche Ansprache der Crowd ist aus unserer Erfahrung entscheidend für den Projekterfolg. Die Unterstützer möchten wissen, wer hinter dem Projekt steht. Beim Crowdfunding geht es viel um Vertrauen. Dieses fasse ich in eine Person, die mir das Gefühl vermittelt, das Projekt kompetent umsetzen zu können.

Klaus-Martin Meyer: Wie wichtig ist die Betreuung der Projekte noch, wenn diese bereits gestartet sind?

Maike Nastoll: Nach der Erstellung der Projektseite und dem Start, fängt die eigentliche Crowdfunding-Aktion für den Starter erst an. Ganz wichtig dabei: Die Crowd wird nicht von allein auf das Projekt aufmerksam. Der Starter selbst macht sich jetzt auf die Suche nach Unterstützern. Dabei begleiten wir die Starter natürlich und beantworten alle Fragen, die in dieser Phase aufkommen. Wir beobachten die laufenden Projekte soweit es bei der Vielzahl möglich ist und geben den Startern Hinweise und Tipps mit auf den Weg. Projekte, die eine gelungene Präsentation haben und aktiv kommunizieren, unterstützen wir gerne über unsere Kanäle und stellen sie zum Beispiel im Newsletter oder empfehlen sie an unsere Pressekontakte.

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