„Beim Crowdfunding sieht man immer wieder, dass die Investoren Produkte und Geschäftsmodelle lieben, die jeder verstehen und anfassen kann.“ – Im Gespräch mit Marc Clemens (Sommelier Privé)

Sommelier-Prive

Klaus-Martin Meyer: Herr Clemens, Sie sind Geschäftsführer der Firma Sommelier Privé GmbH. Können Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Marc Clemens: Hallo Herr Meyer! Sommelier Privé ist ein doppelt kuratierter online Weinshop für Weine im Premium-Bereich. Doppelte Kuration bedeutet: Erstens werden bei uns alle Weine von Deutschlands besten Sommeliers und Weinkritikern ausgewählt und zweitens bekommt jeder Kunde seinen eigenen Weinshop entsprechend seines individuellen Geschmacks zusammengestellt. Dieses ist möglich durch einen Online-Geschmackstest, bei dem der Kunde 12 Fragen zu seinem Geschmack beantwortet. Darauf basierend können wir ihm dann für jeden Wein im Shop sagen, wie gut er prozentual zu seinem Geschmack passt. Durch Feedback des Kunden entwickeln wir sein Geschmacksprofil immer weiter, so dass unser Algorithmus den Kunden besser und besser kennenlernt. In Newslettern bekommt der Kunde die neuen Entdeckungen der Sommeliers vorgestellt und sieht immer gleich wie gut diese zu seinem Geschmack passen.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell wollen Sie 300.000 Euro per Crowdfunding akquirieren, in einem Marktsegment, wo auch Inkubatoren aktiv sind. Warum dieser Weg?

Marc Clemens: Die Aktivität der Inkubatoren im Weinbereich hält sich in Grenzen, insbesondere im Premium Weinmarkt. Project A hat mit Wine in Black ein erfolgreiches Konzept etabliert, das zu uns komplementär ist. Unsere Nähe zu Inkubatoren & Business Angels ist durch unser persönliches Netzwerk gegeben. Ich selbst habe 2010 kurze Zeit bei Team Europe die Entwicklung von Digitale Seiten mit unterstützt, woher auch der Kontakt zu einem unserer Business Angels – Daniel Offermann, meinem damaligen Chef – kommt. Darüber hinaus sind bei uns Angels wie Christian Vollmann (ehem. eDarling, iLove, Myvideo, uvm.), Rafael Otero (ehem. United Internet, heute Payleven – Rocket Internet) involviert. Dieses Netzwerk und der rege Austausch mit den Angels hat dazu geführt, dass Inkubatoren nicht in Frage kommen.
Außerdem sind wir große Fans von Crowdfunding und sind der Überzeugung, dass das Involvement der Investoren auf der Marketing-, wie auf der Produktweiterentwicklungsseite tolle Fortschritte bringen wird.

Klaus-Martin Meyer: In den letzten Wochen haben diverse Food-Startups sehr viel Geld eingesammelt. Hat das auch Sie motiviert?

Marc Clemens: Definitiv. Beim Crowdfunding sieht man immer wieder, dass die Investoren Produkte und Geschäftsmodelle lieben, die jeder verstehen und anfassen kann. Nur so erzeugt man auch eine aktive Unterstützung durch die Investoren und erreicht einen tollen Word-of-mouth-Effekt.

Klaus-Martin Meyer: Können Sie potentiellen Investoren wichtige KPIs präsentieren, um die Anlageentscheidung zu erleichtern? Wie hoch ist etwa der Aufwand einen neuen Kunden zu akquirieren?

Marc Clemens: Natürlich können wir nicht alles verraten, sonst werden die Konkurrenten zu aufmerksam…:)
Aber wir haben gesehen, dass in unserem Modell die durchschnittlichen Warenkörbe bei 130 € liegen und 26% der Erstkunden zu Bestandskunden werden. Dies ermöglicht auch einen höheren Preis zur  Kundenakquisition zu zahlen, da die Customer-Lifetime-Values schlicht weg sehr hoch sind. Mit Sicherheit leistet hier auch unser Newsletter-Marketing einen bedeutenden Beitrag. Wir verschicken zur Zeit drei Newsletter pro Woche, bleiben aber dabei bei überdurchschnittlichen Öffnungsraten von knapp 27%. Mit Hilfe der Crowdfunding-Kampagne planen wir daher einen Jahresumsatz von 266.000€ für das Jahr 2013.

Klaus-Martin Meyer: Wie sieht es mit der Mittelverwendung aus, wie lange wird das Geld reichen und welche zukünftigen Finanzierungsformen werden angestrebt?

Marc Clemens: Nachdem wir uns in den letzten Monaten stark auf Marketing- und Produkttests gestürzt haben, wollen wir mit der Crowd-Finanzierung nun ordentlich unser Marketing antreiben. Dies bedeutet, dass wir in den nächsten Monaten mit einem Cash-Burn von 30.000 € monatlich rechnen, um ein schnelles Umsatzwachstum zu erzeugen. Je nach Finanzierungshöhe werden wir ab Ende Dezember Anpassungen bei der Cash-Burn vornehmen, um ohne Probleme eine Anschlussfinanzierung zu garantieren. Nach Plan haben wir ab Januar auch die Möglichkeit, Sommelier Privé profitabel zu drehen, wobei unser Fokus klar auf Wachstum liegt.

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