Berliner Volksbank beteiligt sich an Bergfürst

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Gestern poppte um 9:07 Uhr in meinem Postfach die Pressemitteilung von Bergfürst auf, die aus meiner Sicht die spektakulärste News für die deutsche Crowdfunding-Szene in diesem Jahr ist. Bergfürst gewinnt die Berliner Volksbank als Anteilseigner. Immerhin ist die Berliner Volksbank nicht irgendeine kleine vergleichsweise unbedeutende genossenschaftlich organisierte Bank, sondern eine der größten Volksbanken des Landes, noch dazu am Börsenplatz Berlin beheimatet.

Die Pressemitteilung sagt aus, dass die Beteiligung “strategisch” sein. Also keine Mehrheit, aber sicher substanziell. Crowdinvestoren, die an Companisto, Crowdcube oder FundedByMe beteiligt sind, hätten sich freilich über eine Hausnummer in Sachen Bewertung gefreut, aber das ist für die Beurteilung der Transaktion vollkommen nebensächlich.

Aus der Hausbank wird Aktionär

Der Deal ist aus meiner bescheidenden Sicht ein perfekter Fit. Die Genossenschaftsbanken haben sich bisher am weitesten vorgewagt, wenn es um das Thema Crowdfunding geht. Darüber hatte ich bereits im April unter der Überschrift “Bankensektor entdeckt das Thema Crowdfunding” geschrieben. Die Volksbank Brühl hat mit viele-schaffen-mehr.de eine eigene Crowdfunding-Plattform gelauncht. Startnext hat darüber hinaus das eine oder andere Beispiel geliefert, dass es zwischen dem Genossenschaftssektor und der Crowdfunding-Szene Anknüpfungspunkte gibt.Hierzu passt das Zitat von Dr. Holger Hatje, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank:

„Mit unserer Beteiligung an der Bergfürst AG folgen wir dem genossenschaftlichen Gedanken, dessen gemeinschaftliche Elemente auch im Crowdinvesting ihre Anwendung finden. Das demokratische Miteinander in Finanzfragen liegt in der DNA der Berliner Volksbank und daher ist dieses strategische Investment in ein aufstrebendes Wachstumsfeld ein konsequenter Schritt für uns. BERGFÜRST ist auf dem Weg, eine entscheidende Rolle im vorbörslichen Anleger-Markt für realwirtschaftliche Kapitalanlagen zu übernehmen.“

Warum ist der Schritt wichtig für Bergfürst und das Crowdfunding an sich?

Natürlich wird es weiter viel Geld kosten, einen funktionsfähigen Marktplatz für gelungene Aktienemissionen in der von Bergfürst avisierten Größenordnung zu etablieren. Gleiches gilt für den anschließenden Handel. Da kann ein neuer Aktionär für die Bergfürst AG nur willkommen sein. Die Volksbank Berlin kann allein über 100.000 genossenschaftliche Mitglieder und über 2000 Mitarbeiter in die Wagschale werfen. Die Anzahl der Kunden dürfte also sehr bedeutend sechsstellig sein. Diese Kundenbasis kann und wird hoffentlich ein bedeutender Absatzkanal für die Emissionen von Bergfürst werden. So die Volksbank in dem Bereich mit anderen Volks- und Raiffeisenbanken kooperiert, könnte dieser Ansatzpunkt weiter gehebelt werden, denn beinahe jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist Mitglied einer Volksbank. Das ist auch ein wichtiges Signal an potentielle Emittenten.

Aus der Beteiligung können deutliche Wettbewerbsvorteile von Bergfürst gegenüber den anderen Plattformen erwachsen. Hier wird auch deutlich, welche Vorteile echte Aktien verglichen mit den etwas unglücklichen Beteiligungsformen hat, die sonst im Crowdfunding üblich sind. Natürlich vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen, da Bergfürst auf reifere Geschäftsmodelle setzt.

Warum ist der Schritt gut für die Volksbank Berlin?

Die Volksbank Berlin beteiligt sich in einer vergleichsweise frühen Phase an der Bergfürst AG und ihrem disruptiven Geschäftsmodell. Eine Beteiligung an einem Startup ist natürlich geschickter als den Ansatz inhouse zu verfolgen. Mit dem Invest ist die Volksbank nun von Anfang an dabei und kann mit ihren Ressourcen für einen bedeutenden Hebel sorgen, das Wachstum zu beschleunigen. Die Volksbank hat wie erwähnt eine große Kundenbasis und mit ihrer 160jährigen Geschichte eine Menge Trust, von der auch Bergfürst profitieren wird. Über die Beteiligung an einem aussichtsreichen Geschäftsmodell hinaus, kann die Begleitung von Bergfürst und ihrer Emittenten sicherlich helfen, neue wachstumsstarke Firmenkunden an die Volksbank heranzuführen, mit denen dann auch die Bank Wachstum realisiert.

Fazit: Der Zeitpunkt (die Volksbank hätte ja auch in aller Ruhe den Proof-of-Concept – also eine gelungene Emission – abwarten können) der Beteiligung ist sicher etwas überraschend, aber der strategische Fit ist bestechend. Man kann eigentlich beiden Parteien zu diesem Einstieg nur gratulieren. Ich drücke die Daumen, dass die aufgezeigten Synergien zu 100 Prozent gehoben werden. Wenn das gelingt, kann ich mir bis auf Weiteres keinen wichtigeren Schritt aller beteiligten Player in der Branche vorstellen, das Thema Crowdfunding in den Mainstream bzw. Massenmarkt hineinzumanövrieren.

Bei aller Begeisterung meinerseits, würde ich mich auch über ggf. kritische Kommentar seitens der Leser freuen!

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