Wie sollten Banken (rational) mit dem Thema Crowdfunding umgehen?

Crowdinvestor Relations ManagerMan kann es sich leicht machen und die oben gestellte Frage damit beantworten, dass die Banker sich die Lektüre von Clayton M. ChristensenThe Innovators Dilemma” vornehmen sollten, um diese aufmerksam zu studieren. Noch besser ist möglicherweise der Rat, dass die Banker nicht den bekannten Klassiker lesen sollten – der mir 1997 aufgrund einer Rezension in der Financial Times in die Hände fiel, worauf hin ich das Buch im schönen Newcastle las – sondern stattdessen ein späteres Werk des selben Autors, nämlich “Seeing what‘s next – Using the Theories of Innovation to predigt Industry Change.

Seeing what’s next – diese Frage sollten sich Banker stellen

Etablierte Player tun sich schwer mit “disruptive innovations”, während sie mit nachhaltigen Innovationen besser klar kommen. Ein Beispiel für eine nachhaltige Innovation im Bankwesen war das Online-Banking. Vermutlich war seinerzeit die Einschätzung eine etwas andere, weshalb sich neue Player gründeten, die nur auf die Karte online setzten. Letztlich haben aber alle Banken ohne Schaden zu nehmen, die Innovation “Internet” in ihre eigenen Prozesse integriert.

Mit Crowdfunding werden sich die Banken schwerer tun, wenn es ihnen überhaupt gelingt, das Phänomen als disruptive zu erkennen.

Ist Crowdfunding überhaupt ein disruptiver Ansatz?

Hierzu zunächst eine Definition, die bei Wikipedia ganz ordentlich die Beobachtungen, wie sie Christensen in seinem Klassiker beschrieben hat, wiedergibt:

 

“Disruptive Innovationen sind meist am unteren Ende des Marktes und in neuen Märkten zu finden. Die neuen Märkte entstehen für die etablierten Anbieter in der Regel unerwartet und sind für diese, besonders aufgrund ihres zunächst kleinen Volumens/Kundensegmentes uninteressant. Sie können im Zeitverlauf ein starkes Wachstum aufweisen und vorhandene Märkte bzw. Produkte und Dienstleistungen komplett oder teilweise verdrängen.”

 

Definiert man ferner Crowdfunding als “Crowdsourcing of Funds” dann sind die beiden Crowdfunding-Disziplinen Crowdlending und equity based Crowdfunding von signifikanter Relevanz für klassische Bankgeschäfte, nämlich die Kreditvergabe und die Unternehmensfinanzierung.

Das passt also schon einmal.

Bestätigend für die gestellte Frage ist zudem, dass Christensen selber Crowdfunding für eine disruptive Innovation hält und sich selber an einem Marktplatz beteiligt hat.

Heute dürften sowohl der Crowdlending-Markt als auch der Crowdfunding-Markt vom Volumen her für die meisten Banken vollkommen uninteressant sein. Aufgrund der oben beschriebenen Zeitkomponente und des Wachstums müssen die Banken das Thema aber auf jeden Fall im Auge behalten. Die Wachstumsraten z.B. von isePankur sind spektakulär. Auxmoney (die ein zugesagtes Interview leider abgesagt haben) und Smava wachsen sicherlich in eines Tages interessante Größenordnungen hinein.

Was die Banken zudem aufhorchen lassen muss, ist, dass auch branchenfremde Player wie Google kräftig in das Segment investieren.

Dass mit Crowdfunding signifikante Größenordnungen erreichbar sind, belegt schon das Beispiel kiva. Bei kiva geht es um Mikrokredite mit einer sozialen Komponente (man verzichtet auf Zinseinnahmen). Kiva hat in dieser Woche 2.552.350 Dollar an Krediten vermittelt. Was muss dann erst möglich sein, wenn es um richtige Zinsen geht!

Was können/sollten Banken tun?

Für weitsichtige Banker ist allmählich die Zeit gekommen, sich mit der Frage zu befassen, wie man auf das Phänomen Crowdfunding adäquat reagiert.
Aufgrund der gesamtwirtschaftlich betrachtet bis auf Weiteres vergleichsweise wenig relevanten Größenordnung des Crowdfundings, sind Banken gut beraten, Crowdfunding auf jeden Fall nicht inhouse zu betreiben. Disruptive Innovationen sind in Startups besser aufgehoben und sollten nicht nur die Konzernkultur in Großbanken gebremst werden. Eine gute Herangehensweise zeigt meiner Ansicht nach die Volksbank Berlin (hier warte ich noch auf ein Interview), indem man bei Bergfürst einsteigt.

Ein weiteres Best-Practice-Beispiel gibt die Fidor Bank ab, die mit diversen Crowdfunding-Plattformen kooperiert.

Die Volksbank Berlin täte sicherlich nun gut daran, das Angebot von Bergfürst bei den eigenen Kunden zu bewerben. So mischt man sich quasi nicht in das Tagesgeschäft der Plattform ein, unterstützt aber das Geschäftsmodell über die bloße Beteiligung hinaus und signalisiert gegenüber der eigenen Unternehmenskultur, dass man nicht wie das Kaninchen auf die Schlage auf disruptive Innovationen starrt, um anschließend von dieser gefressen zu werden.

Gleichwohl dürfte das Crowdlending-Geschehen relevanter für das klassische Bankwesen sein. Sofern ich Vorstand einer großen Bank wäre, würde ich langsam anfangen zu versuchen, national wie international Anteile von p2p-Marktplätzen zu kaufen. Aufgrund von Netzwerkeffekten haben große Plattformen Größenvorteile. Käme es zu einer Konsolidierung, könnte man diese aktiv mitbetreiben, um dann auf einen Schlag ein relevanter Player in diesem Business zu sein. Bleibt man außen vor, könnten eines Tages die p2p-Marktplätze dazu übergehen, ihrerseits Banken zu kaufen. Auch wenn es dann nur noch um deren Lizenzen und Kundenverhältnisse gehen könnte. Der Mobilfunkmarkt hat es vorgemacht. Vodafone war einst ein reiner Mobilfunker und kauft sich nun z.B. in Deutschland wieder einmal ins Festnetz ein.

Ein abschließender Tipp an die Vertreter der Bankenzunft. Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, in München im November beim Crowd Dialog vorbeizuschauen. Da soll sich schon eine illustre Scharr an Bankern angemeldet haben, wie Veranstalter Michael Gebert auf Facebook durchblicken ließ.

Ich würde mich über Kommentar freuen, wie sich Banken aus Eurer Sicht verhalten sollten!

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