„Um diese Projekte an einem Ort zu bündeln und Unternehmer und Investoren näher zu bringen, veranstalten wie die Crowdbiz.“ – Im Gespräch mit Kent Gaertner (Quadriga Communication GmbH)

Crowdbiz

Klaus-Martin Meyer: Herr Gaertner, Sie sind Geschäftsführer der Firma Quadriga Communication GmbH. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Kent Gaertner: Die Quadriga Communication GmbH ist eine PR-Agentur mit den Schwerpunkten Finanz- und Verlagskommunikation, im Herzen Berlins. Unsere Mitarbeiter bringen in diesen Bereichen jahrelange Erfahrung ein, und unsere Kontakte in diese Branchen sind schlicht erstklassig. Von der Pressemeldung bis zur Road-Show, wir unterstützen unsere Kunden als Dienstleister und bei der Präsentation der angebotenen Leistungen. Als Mitveranstalter des Börsentag Berlin, sind wir immer auf der Suche nach neuen Trends und haben uns aus diesem Grund dem Thema Crowdfunding zugewandt.

Klaus-Martin Meyer: Im Oktober veranstalten Sie im Herzen Berlins die Crowdbiz – Die Messe für Crowdfunding. Ist der Crowdfunding-Markt schon so weit, dass eine Messe erfolgreich sein kann?

Kent Gaertner: Crowdfunding ist eine sehr interessante Alternative zur Finanzierung von Projekten unterschiedlicher Art. Je ausgefallener ein Konzept ist, desto schwieriger fällt es vor allem Start-Ups eine Finanzierung auf klassischem Weg auf die Beine zu stellen. Doch genau diese unkonventionellen Ideen haben oft ein großes Potenzial. Das erkennen immer mehr Investoren. Der Markt ist zwar noch jung, das ist richtig. Allerdings glauben wir, dass dieser rasant wachsen wird. Crowdfunding-Monitor hat herausgefunden, dass die Anzahl der erfolgreichen Projekte in Deutschland zwischen 2011 und 2012 um 190 Prozent gestiegen ist. Um diese Projekte an einem Ort zu bündeln und Unternehmer und Investoren näher zu bringen, veranstalten wie die Crowdbiz.

Klaus-Martin Meyer: Ist Berlin der richtige Standort für eine Crowdfunding-Messe? Die führenden Player bei den Plattform-Betreibern sind aktuell in Dresden ansässig.

Kent Gaertner: Vor allem in Berlin sehen wir große Wachstumschancen. Der Sitz der Crowdfunding-Plattform ist in Zeiten des Internets gar nicht so entscheidend. Ebenso ist es dem durchschnittlichen Crowdfunder nicht wichtig, wo das Unternehmen sitzt, das er unterstützt. Wenn sich das Unternehmen ausführlich auf der Crowdfunding-Plattform vorstellt und seine Idee gründlich erklärt, am besten mit einem Video und einem ordentlichen Businessplan, dann kann es von mir aus in Kleinkleckersdorf sitzen. Und das gilt auch für die Plattform selbst. Wobei man sich selbstverständlich über die Reputation so einer Plattform durchaus informieren sollte. Berlin weist nach wie vor die höchste Gründungsdynamik unter den Bundesländern auf. Allein zwischen Januar und März wurden in der Hauptstadt über 10.300 Gewerbe neu eingerichtet. Wo also, wenn nicht in Berlin, eine Crowdfunding-Messe veranstalten?!

Klaus-Martin Meyer: Im UK wurde unlängst festgestellt, dass sich die „old guard“ der Anleger allmählich für das Thema Crowdfunding erwärmt. Dies ist sicher existenziell für eine relevante Liquidität. Gibt es eine solche Entwicklung aus Ihrer Sicht?

Kent Gaertner: Der deutsche Anleger ist mit Sicherheit konservativ, oder eher vorsichtig. Dennoch findet Crowdfunding auch bei den deutschen Anlegern immer mehr Beachtung. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, müsste Crowdfunding besser früher als später in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Was immer noch fehlt, ist eine Regulierung für dieses Finanzprodukt. Die Regulierung würde dem Anleger in Deutschland mehr Sicherheit geben und auf langfristige Sicht die relevante Liquidität für Crowdfunding Projekte.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss würde mich interessieren, in welche Größenordnungen Crowdfunding hier in Deutschland hineinwachsen wird bzw. im Optimumfall hineinwachsen könnte?

Kent Gaertner: So eine Prognose ist sehr schwierig. Das weltweite Crowdfunding-Volumen wird sich dieses Jahr aller Voraussicht nach gegenüber dem letzten Jahr fast verdoppeln: von 2,7 Milliarden auf 5,1 Milliarden US-Dollar. Mehr als die Hälfte des Volumens machen die USA aus. Europa kann sich mit seinen 945 Millionen US-Dollar zwar noch nicht wirklich mit den USA messen, jedoch sind wir schon mal auf einem sehr guten und richtigen Weg. Der europäische, insbesondere der deutsche, Investor ist eher scheu. Gewisse Sicherheiten sollten für ihn schon nachweisbar sein. Geld sitzt im Moment bei niemandem locker. Solange das Wort „Crowdfunding“ in keinem Gesetz auftaucht, spricht es nur sehr abenteuerlustige Anleger bzw. Kleinanleger an. Bisher gibt es eine einzige BaFin-lizensierte Crowdfunding-Plattform in Deutschland. Erstrebenswert wäre eine EU-weite Lösung zur Regelung dieser jungen Finanzierungsform. Auf diese Weise wäre der Investor abgesichert und die Investitionslust würde rapide steigen. Und vielleicht könnte sich Europa tatsächlich in absehbarer Zeit mit dem Crowdfunding-Volumen der USA messen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall!

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