„Wir haben uns mit Econeers bewußt für eine neue Plattform entschieden, um diese Investmentart auch klar von den klassischen Startups abzugrenzen“ – Im Gespräch mit Jörn Schmidt (Tiefschwarz GmbH)

Tiefschwarz

Klaus-Martin Meyer: Herr Schmidt, Sie sind bei der Tiefschwarz GmbH für den Bereich „Produktentwicklung & Vermarktung“ zuständig. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Jörn Schmidt: Die Philosophie der Tiefschwarz GmbH ist es, das energetische Potential von abfallartiger Biomasse zu nutzen und daraus attraktive Produkte zu erzeugen, ohne weitere Abfälle entstehen zu lassen. Das Geschäftsmodell dazu ist relativ einfach: Mit einer innovativen Anlagentechnologie ist es uns möglich biogene Reststoffe in Biokohle umzuwandeln – das im Prozess entstehende Gas kann in einem konventionellen Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt werden. Damit können wir also insgesamt drei Produkte anbieten und vermarkten – 1. der Strom wird nach dem EEG zu einem festen Preis in das öffentliche Netz eingespeist, 2. die Wärme wird in ein lokales Wärmenetz eingespeist und im umliegenden Gewerbegebiet verbraucht; 3. die Biokohle wird am freien Markt verkauft.

Ich selbst bin klassischer Betriebswirt und habe nach meinem Studium über 10 Jahre in der Unternehmensberatung im Banken und Börsenbereich gearbeitet. Seit ca. 4 Jahren bin ich im Sektor der Erneuerbaren Energien aktiv und konnte die Bereiche Projektentwicklung, Finanzierung als auch Produktvermarktung intensiv kennenlernen. Für die Tiefschwarz GmbH habe ich die Aufgabe übernommen, die Produktentwicklung und Vermarktung der Biokohle voranzutreiben und zu optimieren. Aktuell bin ich dabei unsere Kooperation mit Wissenschaftlern der TU-Harburg weiter zu intensivieren, um vor allem die Möglichkeiten der Veredelung von unserer Biokohle zu Aktivkohle zu analysieren, da in diesem Bereich ein enormes Potential zur Steigerung der Einnahmen für die Tiefschwarz GmbH besteht.

Klaus-Martin Meyer: Zur Etablierung Ihres Geschäftsmodell benötigen Sie nun Kapital. Dieses wollen Sie per Crowdfunding einsammeln. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen und welche alternativen Schritte haben Sie erwogen aber nicht umgesetzt?

Jörn Schmidt: Unsere Idee soll bekannt gemacht werden und möglichst viele Leute inspirieren – dazu ist Crowdfunding aus meiner Sicht ideal geeignet, da man bereits mit der Vorstellung des Projektes eine große Anzahl an Leuten erreicht und begeistern kann. Wenn diese Leute dann auch noch das Kapital zur Umsetzung des Projektes bereitstellen und dabei attraktive Renditen erwirtschaften können, ist das sowohl für die Initiatoren als auch für die Investoren eine ideale Konstellation. Natürlich haben wir auch mit Banken und Leasingfirmen gesprochen und hätten das Projekt durch unsere Bereitschaft einen doch erheblichen Eigenkapitalanteil von ca. 300.00 Euro einzubringen auch auf diesem Wege realisieren können. Beim dem aktuell angebotenen Crowdfundingmodell kann sich dieser Anteil ggf. reduzieren und uns damit einen finanziellen Spielraum ermöglichen, mit dem wir dann bereits die nächsten Projekte optimal vorbereiten können. Sofern es über Crowdfunding möglich ist, das benötigte Kapital einzusammeln lassen wir natürlich die Zinsen viel lieber direkt den Leuten zukommen, die unsere Idee verstehen und unterstützen und nicht irgendwelchen Banken.

Klaus-Martin Meyer: Ihr Funding ist nicht nur das Premieren-Funding bei Econeers, sondern aufgrund seiner Höhe auch gleich ein Paukenschlag für so eine Premiere. Warum trauen Sie es sich und Econeers das Funding zum Erfolg zu führen?

Jörn Schmidt: Sicherlich ist der Betrag für ein Crowdfunding recht hoch, wenn man das mal mit den Beträgen vergleicht, die in der Regel für ein klassisches Startup gesammelt werden. Ich möchte hier aber auch nochmal hervorheben, dass wir uns mit dem Geschäftsmodell der Tiefschwarz GmbH recht stark von einem klassischem Startup unterscheiden, denn bei uns sind fast 90% der geplanten Erlöse durch den Verkauf von Wärme und Strom bereits jetzt vertraglich fixiert oder durch eine gesetzliche Grundlage (EEG) gesichert – zudem bringt unser Produkt Biokohle ein interessantes Potential in der Vermarktung, wodurch auch der Bonuszins noch erheblich höher ausfallen kann, als in der aktuellen sehr konservativen Planung. Wir können also eine relativ sichere Investitionsmöglichkeit bieten, die auch noch auf einem wirklich nachhaltigen und ökologisch sinnvollen Konzept aufbaut. Wir haben an einem aus unserer Sicht optimalen Standort erhebliche Vorarbeit geleistet und konnten sogar den Anlagenbauer in das Projekt integrieren. Außerdem sind die Initiatoren bereit ein erhebliches eigenes finanzielles Engagement in die Tiefschwarz GmbH einzubringen (je nachdem wie viel über das Funding zusammenkommt bis zu 300.000 Euro) – das Fundingmodell bietet also auch noch jede Menge Flexibilität.

All diese Punkte führen aus meiner Sicht dazu , dass wir ein sehr attraktives Investmentangebot unterbreiten können, das bei der Crowd auf große Zustimmung trifft und das Funding zu Erfolg führen wird.

Wir haben uns mit Econeers bewußt für eine neue Plattform entschieden, um diese Investmentart auch klar von den klassischen Startups abzugrenzen – die Initiatoren der Plattform setzen sich aber im Wesentlichen aus demselben Team zusammen, das bereits die Plattform „Seedmatch“ erfolgreich als Marktführer im Crowdfunding für Startups etabliert hat. Wir konnten also zu Go-Live eine Kombination aus erfahrenen Projektinitiatoren und erfahrenen Crowdfunding Experten kombinieren, um das Funding erfolgsversprechend zu gestalten.

Ich denke die bisherige Resonanz auf das Projekt bestätigt unser Konzept – nach gerade einmal 10 Tagen haben wir schon fast die Fundingschwelle von 250.000 Euro erreicht und sind sehr zuversichtlich, dass das Projekt auf jeden Fall über das Crowdfunding realisiert werden kann.

Klaus-Martin Meyer: Anders als bei einer Startupfinanzierung auf Seedmatch für ein eCommerce-Startup dürften bei Ihnem Funding Nebenziele wie Marketing-Hilfen durch die Crowd eher begrenzt sein. Was erwarten Sie sich von der Crowd? Nur Kapital oder auch Unterstützung in anderer Form?

Jörn Schmidt: Ich muss Ihnen bezüglich der angesprochenen Nebenziele absolut Recht geben – Marketing-Hilfen durch die Crowd sind für die Tiefschwarz GmbH eher sehr begrenzt möglich und zum Glück ja auch nicht wirklich nötig. Für Anregungen zur Vermarktung der Biokohle sind wir natürlich jederzeit offen und dankbar, wobei wir ja selbst bereits mehrere Möglichkeiten analysieren. In erster Linie ist sicherlich das Kapital für uns der entscheidende Faktor – wir wollen aber natürlich auch gerade mit dem ersten Projekt Vertrauen bei der Crowd aufbauen und noch viele weitere Projekte mit Hilfe der Crowd realisieren. Zudem hoffen wir natürlich auch durch die spezielle Form der Crowdfundingvermarktung unser innovatives und nachhaltiges Konzept einer breiten Masse bekannt zu machen und damit auch einige Investoren oder deren Umfeld anzuregen vielleicht ein ähnliches Projekt umzusetzen. Auch hier gab es bereits erste Resonanz und Anfragen zu der Anlage, was uns auch hier extrem bestätigt, mit Crowdfunding den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Klaus-Martin Meyer: Wenn das Projekt richtig läuft und alle Beteiligten zufrieden sind. Können Sie das Projekt am Standort einfach dublizieren? Werden dann die Investoren der ersten Stunde bevorzugt um neue Mittel gebeten?

Jörn Schmidt: Eine Duplizierung des Projektes am Standort ist sicherlich ohne weiteres möglich – das Blockheizkraftwerk (BHKW) verfügt ja bereits über die doppelte Leistung, die Inputstoffe sind in der Region in ausreichender Menge verfügbar und auch in der bestehenden Halle wäre es ohne weiteres möglich einen zweiten Tiefschwarz-Reaktor zu installieren. Sollte diese Option umgesetzt werden, ist es sicherlich eine gute Überlegung den „Investoren der ersten Stunde“ eine erneute Beteiligung bevorzugt anzubieten, denn diese Investoren haben dann ja bereits Erfahrungen mit der Anlage und dem Konzept sammeln können und sind dann sicherlich leichter zu überzeugen als Investoren, für die das Modell ganz neu ist. Denkbar wäre es auch, diesen Investoren einen kleinen Bonus für das zweite Investment anzubieten, wie z.B. eine exklusive Vorabzeichnungsfrist oder einen Renditebonus – bei der Konzeption eines solchen Modells würden wir uns aber eng mit den Experten von Econeers abstimmen, denn generell sollten ja die Crowdinvestoren auch alle gleich behandelt werden.

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