„Cashare vermittelt Darlehen von Privatpersonen an Privatpersonen mit Wohnsitz in der Schweiz ohne Banken.“ – Interview mit Michael Borter (Geschäftsführer)

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Klaus-Martin Meyer: Herr Borter, Sie Geschäftsführer der Cashare AG. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Michael Borter: Nach gut 12-jähriger Erfahrung in diversen Bankbereichen bei verschiedenen Banken habe ich mich 2006 dazu entschlossen, mit einer eigenen Plattform das Social Lending (resp. p2p-Kredite oder auch Crowdlending) in die Schweiz zu bringen. Anfangs 2007 kündigte ich meine Anstellung bei der Bank um mich vollumfänglich auf den Aufbau der Plattform Cashare zu konzentriert. Zusammen mit meinem Co-Gründer Roger Müller wurde die Firma im Januar 2008 gegründet und ging im Februar online. Cashare vermittelt Darlehen von Privatpersonen an Privatpersonen mit Wohnsitz in der Schweiz ohne Banken. Gleich von Beginn weg haben wir uns darauf konzentriert, eine absolute seriöse Dienstleistung anzubieten. So setzten wir von Anfang an auf eine fundierte Bonitätsprüfung, End-to-End-Services und transparentes Gebührenmodell. Seit 2012 bieten wir als zusätzliches Produkt auch Crowdsupporting an, mit welchem Projekte finanziert werden können.

Klaus-Martin Meyer: Sie sind seit 2008 mit Ihrer Plattform am Start. Was waren in diesen Jahren die wichtigen Meilensteine für Cashare?

Michael Borter: Einer der wichtigsten Meilensteine war die erfolgreiche Umsetzung aller regulatorischen Anforderungen um mit der Plattform überhaupt starten zu können. Anschliessend erreichten wir weitere Meilensteine durch die Steigerung des vermittelten Darlehensvolumens sowie die technologische Weiterentwicklung der Plattform (wir betreiben heute die Plattform bereits in der 3. Generation). Nicht direkt ein Meilenstein (da ein laufender Prozess), aber sehr wichtig war die kontinuierliche Steigerung des Bekanntheitsgrades von Cashare und somit von Crowdfunding generell in der Schweiz.

Klaus-Martin Meyer: Welche Reaktionen gab es in der Zeit seitens der traditionellen Schweizer Banken gegenüber Ihrem Modell?

Michael Borter: Anfänglich war wohl die Skepsis bezüglich des Geschäftsmodels grösser und wurde allenfalls sogar als kurzfristiges Strohfeuer abgetan. Wir gehen davon aus, dass mit der Finanzkrise ein erster Wandel eingetreten ist und Crowdlending als interessante Alternative immer mehr Beachtung gefunden hat. Mittlerweile ist aber das Interesse stark gestiegen und Crowdfunding wird insgesamt durchaus auch ernst genommen. Dies vernehmen wir einerseits laufend an den diversen Referaten die wir vor einem Bankenpublikum halten und auch immer mehr eingeladen werden. Andererseits hatten wir auch schon diverse direkte Gespräche mit Banken und erhalten weiterhin Anfragen für Solche. Generell kann sicherlich auch gesagt werden, dass die grossen Veränderungen in der Bankenbranche in den vergangenen Jahre nicht ohne Wirkung blieb und alternative Modelle vermehrt in den Fokus rücken. Dies erfolgt nicht zuletzt auch aufgrund der verschiedenen grossen IT-Unternehmen (Google, Apple, eBay etc.), die als bankenfremde Akteure immer mehr in den Finanzmarkt vordringen. Auch seitens der Politik in der Schweiz sehen wir ein wachsendes Interesse an den verschiedenen Arten von Crowdfunding.

Klaus-Martin Meyer: Ist die Schweiz groß genug für Ihre Ambitionen?

Michael Borter: Die Schweiz ist traditionell ein wichtiger Player im internationalen Finanzwesen. Der Start in einem solchen Land kann viele Vorteile mit sich bringen unter anderem z.B. bezüglich des verfügbaren Know-Hows. Für Cashare als schweizerisches Unternehmen bedeutet dies dann auch, dass wir uns primär auf den Markt in der Schweiz konzentrieren. Der Markt ist zwar kleiner als zum Beispiel in Deutschland, aber nicht minder Interessant. Klar ist aber auch, dass gerade ein kleinerer Heimmarkt schneller ein Unternehmen dazu führt, die Internationalisierung zu wagen. Kurz gesagt, die Schweiz ist sehr interessant, aber unsere Ambitionen sind naturgemäss grösser.
Dementsprechend haben wir schon mit verschiedenen Interessenten in anderen Länder bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit gesprochen und erste konkrete Schritte sind erfolgt.

Klaus-Martin Meyer: Das Thema p2p-Kredite hat in diesem Jahr z.B. durch den Einstieg von Google bei Lending Club scheinbar eine neue Dynamik erhalten. Nun will Rocket Internet offenbar ebenfalls in diesen Markt eintreten. Wie beurteilen Sie die Schritte von Google und Rocket Internet?

Michael Borter: In den gut sechs Jahren wo wir auf dem Markt sind, hat sich einiges bewegt, wie auch oben bei der Frage nach der Reaktion der Banken bereits vorweg genommen wurde. Das Thema p2p-Kredit wird immer mehr als attraktive Alternative zu traditionellen Anlagen und Finanzierungen wahrgenommen. Das Businessmodell konnte sich etablieren und die einzelnen Plattformen ihre jeweilige Seriosität unter Beweis stellen und einen Kundenstamm aufbauen.
Die Zinsen sind für beide Parteien wesentlich attraktiver und absolut konkurrenzfähig. Wir gehen davon aus, dass einige Banken den Wandel in der Finanzbranche generell unterschätzt haben. Viele sind zurzeit eher mit sich selber und gewissen Altlasten beschäftigt und nehmen sich nicht viel Zeit für Innovationen. Wie bereits oben erwähnt wird dies nun von branchenfremden Unternehmen aufgenommen, die mit innovativen Produkten in den Finanzmarkt eintreten und die klassischen Banken konkurrenzieren. Der Einstieg von Google bei Lending Club werten wir als wichtiges Zeichen, dass diesem Businessmodell auch von einem internationalen und wichtigen Unternehmen eine gute Zukunft vorausgesagt wird. Crowdfunding hat sich in den letzten Jahren laufend weiterentwickelt und selbstverständlich wollen dann auch neue Akteure in den Markt einsteigen und davon profitieren. Wir sind fest davon überzeugt, dass Crowdfunding noch viel bewegen wird. Wie wichtig das Thema bereits geworden ist zeigt nicht zuletzt auch die Gesetzgebung in den USA mit dem JOBS Act.

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