„Die Plattform startete erst diesen Sommer in Schweden und die deutsche Beta Version ist erst seit gut zwei Wochen online.“ – Im Gespräch mit Kristina Polzin (bigchangewill.com)

bigchangewill.com

Klaus-Martin Meyer: Kristina, Du bist Teammitglied bei bigchangewill.com. Könntest Du dich und die Plattform bitte kurz vorstellen?

Kristina Polzin: bigchangewill.com ging im Sommer 2013 in Schweden ans Netz und hat nun die deutsche Beta-Version online gestellt. Das bigchangewill.com-Team um Gründer Michael Bergman besteht aus Juristen, IT-Beratern, Filmproduzenten und Start-up Spezialisten.

Michael Bergman, selber ein erfahrener Geschäftsentwickler in der IT und Telekommunikationsbranche und früherer Manager für Unternehmen wie IBM, AT&T, Telenor und Teve 2, und sein Team betreiben bigchangewill.com in ihrer Freizeit, ohne Gebühren oder Provisionen zu nehmen.

Die Unternehmer werden schon von Anfang an mit Ratschlägen unterstützt. Ihnen wird geholfen, die Projekte online zu präsentieren, ohne dass die Authentizität der Gründungsidee darunter leidet.

Mikael Kinning, Geschäftsführer von Soldränkta Tomater AB und bekannter schwedischer Produktions-Designer, Produzent und Drehbuchschreiber von Medien- und Filmproduktionen, motiviert die Unternehmer auf der bigchangewill.com-Seite, zur Präsentation ihres Projektes Videos einzusetzen.

Ich selbst bin Schwedin, lebe und arbeite aber seit vielen Jahren in Deutschland. Ich bin Unternehmensberaterin. Meine Beratungsfirma heißt scandi-Search. Ich unterstütze das Team bei der internationalen Geschäftsentwicklung sowie bei Start-up-Unternehmen.

Bei bigchangewill.com müssen keine großen Business-Pläne präsentiert werden, um eine Geschäftsidee online zu stellen. Ein kleines Konzept mit Angaben, was der Unternehmer erreichen möchte, und eine Videopräsentation von etwa drei Minuten Länge, beispielsweise selbst gedreht mit dem Smartphone, reichen aus, um ein Projekt bei bigchangewill.com online zu stellen.

Klaus-Martin Meyer: Die Plattform richtet sich an Kreative und ihre Ideen. Neben der schwedischen Version gibt es eine englische und eine deutsche Variante der Webseite. Ist der schwedische Markt zu klein, um aus bigchangewill.com auch ein Geschäftsmodell zu machen?

Kristina Polzin: Ja und nein. Es gibt viele Ideen, Kreativität sowie Erfindungen in Schweden. Was fehlt ist das Risikokapital, um Projekte umzusetzen. Außerdem leben wir ja in einer globalisierten Welt und wir wollen die Projekte transparent von einem Land zum anderen schleusen. Wenn Japaner Möbel mit schwedischem Design kaufen wollen, wie in einem neuen Projekt geplant ist und das bald online geht, müssen wir auch Japaner mithilfe der englischen Version über unsere Plattform erreichen können.
Denn: Der Crowdfunding-Markt boomt. Im vergangenen Jahr sind durch Crowdfunding im Internet weltweit schätzungsweise 2,7 Milliarden Dollar (etwa zwei Milliarden Euro) zusammengekommen, heißt es in einer Untersuchung der Unternehmensberatung Massolution. Das ist eine Steigerung um 81 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In diesem Jahr könne die Summe fünf Milliarden Dollar erreichen.
Allein 1,6 Milliarden Dollar seien im vergangenen Jahr in Nordamerika eingesammelt worden, 945 Millionen Dollar in Europa. Knapp ein Drittel der über Crowdfunding finanzierten Projekte hätten soziale Zwecke gehabt. Mit knapp 17 Prozent der übers Internet eingesammelten Mittel seien Firmen finanziert worden. Zwölf Prozent flossen in die Finanzierung von Filmen oder Kunstprojekte, 7,5 Prozent in Musikprojekte.
Die ursprüngliche Idee des bigchangewill.com-Teams war es, als Non-Profit-Organisation zu starten. Das primäre Ziel ist es, Erfindern durch Netzwerke zu helfen, wenn Sie anderswo, insbesondere bei Banken, keine Kredite bekommen.
Allerdings streben wir an, wenn Projekte mit unserer Hilfe zu Firmengründungen führen, Anteile daran zu erwerben.
Wir sind außerdem auch dabei ein zweites bigchangewill.com für Investoren zu gründen. Interessierte Investoren können sich jetzt schon bei uns melden.
Erfreulicherweise haben immer mehr Regierungen das Potenzial von Crowdfunding als Katalysator für Wirtschaftswachstum entdeckt. Einige sind schon dabei Vorschriften zu ändern, um diese neue Finanzierungsmöglichkeit aktiv zu unterstützen.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell sind noch nicht so viele Projekte auf bigchangewill.com zu sehen. Was ist für die nähere Zukunft zu erwarten. Wie ehrgeizig sind die Pläne für den deutschen Markt?

Kristina Polzin: Die Plattform startete erst diesen Sommer in Schweden und die deutsche Beta Version ist erst seit gut zwei Wochen online. Sehr viele Unternehmer brauchen am Anfang unsere Hilfe bei der Präsentation ihres Projektes oder wenn es darum geht, Videos zu drehen und zu schneiden, das Projekt zu erklären, Texte zu schreiben oder einfach auszurechnen, wie viel Geld gebraucht wird und wofür? Daher dauert es manchmal sechs Wochen oder auch mehr, bis ein Unternehmer online geht.
Wir haben aktuell mehrere Projekte, die bald freigeschaltet werden, zum Beispiel eine neue Methode zur Entfernung von Endoprothesen bei Wiederholungs-Operationen, ein Videokonzept für ein neues anderes Kochvideo.
Voraussichtlich im Dezember 2013 geht außerdem ein neues Projekt an den Start, das Kunden zunächst in Schweden, anschließend in ganz Europa, die Möglichkeit bietet, maßgeschneiderte Schuhe zu günstigen Preisen anzubieten.
Verwandte eines sehr bekannten schwedischen Architekten und Möbeldesigners werden für eine Musterkollektion sammeln. Der Anstoß hierzu kam, als Japaner und Chinesen nach den in Vergessenheit geratenen Möbeln bei der Enkelin des Designers nachfragten.
Überdies hat ein Klub um Hilfe gebeten, ihr Projekt zur Herstellung von Ersatzteilen in 3-D-Technik für alte amerikanische Autos bei bigchangewill.com zu präsentieren.

Klaus-Martin Meyer: Die Skandinavier scheinen recht gut auf das Prinzip Crowdfunding anzusprechen. Dies belegen auch andere Plattformen wie FundedByMe und Invesdor. Crowdcube und isePankur sind ebenfalls in Skandinavien unterwegs. In Dänemark ist Boomerang eine bekannte Plattform. Was spricht die „Nordlichter“ beim Crowdfunding an?

Kristina Polzin: Erstens hat das mit dem Aufbau der Gesellschaften in Skandinavien zu tun. Diese sind einerseits uniformer und einheitlicher, andererseits hierarchieloser.
Zweitens ist man sehr offen für Neuigkeiten, besonders auf dem IT-Sektor und wenn es um technische Innovationen geht. Es gibt halt nicht so viele Bedenkenträger, eher möchte man der erste sein, wenn es um etwas Neues geht. So kann man sich aus der Uniformität hervorheben, sich individuell profilieren.
Und: Was beispielweise in Stockholm „cool“ und „in“ ist, ist oft der Anfang für einen europaweiten, manchmal weltweiten Trend, besonders wenn es um IT, Technik und Mode geht.

Auch wir bei bigchangewill.com hoffen, dass wir der einen oder anderen neuen Geschäftsidee zum internationalen Durchbruch verhelfen können.

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