„Das Thema Crowdfunding steht gerade am Anfang seiner Entwicklung.“ – Im Interview mit Markus Sauerhammer (IHK München)

Markus Sauerhammer

Klaus-Martin Meyer: Herr Sauerhammer, Sie sind im Referat Existenzgründung bei der IHK München aktiv. Könnten Sie sich und die Inhalte Ihrer Arbeit bitte kurz vorstellen?

Markus Sauerhammer: Als Existenzgründungsberater bei der IHK ist es meine Aufgabe, Gründer beim Start in die Selbständigkeit optimal zu unterstützen. Dazu setzen wir bei der IHK für München und Oberbayern auf ein ganzes Spektrum von Maßnahmen: Gründer bekommen bei uns Informationsmaterial, können sich persönlich beratenlassen oder Informations- und Netzwerkveranstaltungen besuchen. Wir arbeiten intensiv mit anderen Institutionen der Münchner Gründerszene zusammen. So betreibt die IHK seit 1998 gemeinsam mit der Landeshauptstadt München das Münchner Existenzgründungsbüro. Andere Partner sind evobis, Munich Network, die universitären Gründerzentren, die GründerRegio M, das Werk1 und viele weitere Akteure der lokalen Gründerszene.

Klaus-Martin Meyer: Die IHK München sucht aktuell einen „Fachbetreuer Crowdsourcing/Crowdfunding (m/w)“. Warum sind diese Themen so interessant für die IHK, dass hierzu eine (zunächst befristete) Stelle geschaffen wird?

Markus Sauerhammer: Der/die neue Kollege/in soll uns dabei helfen, die rasante Entwicklung in diesem Bereich für unsere Mitgliedsunternehmen nutzbar zu machen. Die IHK will damit einen Beitrag dazu leisten, die regionale Wirtschaft möglichst gut auf die weiteren Wellen der „Digitalen Revolution“ einzustellen. Das Internet und die daraus folgende Entwicklung hat schon mehrere Branchen, wie den Handel oder die Medienwirtschaft, gehörig durcheinander gewürfelt. Diese Entwicklung wird sich auch in anderen Branchen fortsetzen. Daraus entstehen große Chancen für diejenigen, die diese Entwicklung für sich nutzen. Wer seine Kunden heute über Social Media in die Unternehmenskommunikation integriert, über Crowdsourcing in die Entwicklung der Unternehmensangebote einbezieht oder mit Crowdfunding entscheiden lässt, welche Produkte oder Gründungsvorhaben überhaupt umgesetzt werden, hat einen Wettbewerbsvorsprung.

Klaus-Martin Meyer: Aus der Stellenbeschreibung geht hervor, dass für 2014 eine „Leuchtturmveranstaltung“ vorbereitet wird. Was ist da zu erwarten?

Markus Sauerhammer: Ziel der Veranstaltung ist es, den IHK-Mitgliedsbetrieben das Potenzial der Entwicklung aufzuzeigen, aber auch mit Experten die aktuellen Risiken zu diskutieren. Die Planungen dazu laufen gerade an. Bis dahin bringen wir uns als Partner in den Crowd Dialog ein, der eine bedeutende Crowdfunding-Veranstaltung in Oberbayern ist.

Klaus-Martin Meyer: Wie kann speziell das Crowdfunding genutzt werden, um das Wirtschaftswachstum in Ihrem Kammerbereich zu stimulieren?

Markus Sauerhammer: Noch befinden wir uns ganz am Anfang einer disruptiven Innovation. Die Finanzierung über Crowdfunding im Gründungsbereich funktioniert derzeit in erster Linie für die Kreativbrache, Erfindungen oder innovative Startups. In München haben sich über die lokale Plattform Mashup Finance aber auch schon erste Projekte aus der Gastronomie finanziert. Wichtig ist es, das Thema Crowdfunding einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dann werden wir auch größere wirtschaftliche Effekte sehen.

Klaus-Martin Meyer: Abschließend würde mich noch eine persönliche Einschätzung interessieren, welche Bedeutung dem Crowdfunding in dem kommenden Jahren zukommen könnte (im Vergleich zum Status Quo)?

Markus Sauerhammer: Das Thema Crowdfunding steht gerade am Anfang seiner Entwicklung. Ich gehe fest davon aus, dass wir in den nächsten Jahren eine sehr dynamische Entwicklung erleben werden. Gerade in Themenfeldern, wo sich die Betroffenen in starken Communities engagieren, gibt es enormes Potenzial. Schließlich werden die Betroffenen dadurch zu Beteiligten – egal ob die Dorfbevölkerung den eigenen Tante-Emma-Laden erhalten möchte, der wirtschaftlich unrentabel wäre, oder die Bürger sich an großen Infrastrukturprojekten beteiligen. Ein sehr großes Potenzial liegt auch in der Kombination von Crowdfunding mit klassischen Finanzierungselementen.

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