„Schon als Kind wollte ich mir einen eigenen Hubschrauber bauen“ – Interview mit Stephan Wolf zum Seedmatch-Funding für e-volo

Auf den Spuren der Gebrüder Wright

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Klaus-Martin Meyer: Herr Wolf, Sie haben die dankbare Aufgabe als Geschäftsführer für „den Traum vom Fliegen“ zuständig zu sein. Könnten Sie sich und e-volo bitte kurz vorstellen?

Stephan Wolf: Schon als Kind wollte ich mir einen eigenen Hubschrauber bauen, aber in einem klassischen Hubschrauber ist einfach zu viel komplexe Mechanik verbaut. Das ist alles sehr teuer und sehr kompliziert. Erst als in den letzten Jahren diese kleinen Quadrokopter im Modellbaubereich immer beliebter wurden, kam mir und unabhängig auch Thomas (Senkel) die Idee, mit dieser im Grunde simplen Technik ohne jegliche Mechanik ein bemanntes Fluggerät zu bauen. Das haben wir dann nach monatelangen technischen Diskussionen in die Tat umgesetzt und im Sommer 2011 den VC1 gebaut.

Unsere Firma e-volo entstand dann aus der unglaublich guten Resonanz vor allem aus Fachkreisen weltweit auf den Erstflug des VC1 im Oktober 2011. Sogar die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA hat dem Volocopter in ihrem offiziellen Magazin später das Potential für eine Revolution in der Luftfahrt bescheinigt   (http://www.faa.gov/news/safety_briefing/2013/media/MayJune2013.pdf, ab Seite 20). Wir begriffen sehr schnell, dass unsere innovative Technik einen ganz neuen Ansatz in der Luftfahrt darstellt und die Zeit offenbar auch Reif dafür war. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir etliche Partner aus Forschung und Unternehmen gefunden, die teilweise sogar von sich aus auf uns zugekommen waren, um gemeinsam den Volocopter als zulassungsfähiges Luftfahrtgerät zu entwickeln. Dafür hat das Bundeswirtschaftsministerium kurze Zeit später Fördermittel für Projektkosten in Höhe von 2 Mio. Euro bereitgestellt und wir konnten loslegen. Nach nicht einmal 1,5 Jahren hatte der VC200 Prototyp jetzt seinen Erstflug – so schnell hat uns das niemand zugetraut.

Klaus-Martin Meyer: Warum haben Sie sich für ein Crowdfunding entschieden? Welche Rolle spielt dabei der oben zitierte „Traum vom Fliegen“?

Stephan Wolf: Wir erhalten schon lange ständig Anfragen, ob und wie man sich bei uns beteiligen kann. Erst recht jetzt nach dem erfolgreichen Erstflug des VC200. Aber der Schritt z.B. in Richtung Aktiengesellschaft ist sicher viel zu früh, daher ist Crowdfunding auch für Kleinanleger eine ideale Möglichkeit in unser Unternehmen zu investieren. Für eine Finanzierung unseres Vorhabens denken Banken m.E. viel zu konservativ.

Klaus-Martin Meyer: Angesichts des in Bezug auf die Technologie vergleichsweise bescheidenden Finanzbedarfs hätte sicher auch der Weg über ein reward base Crowdfunding auf Plattformen wie Indiegogo, Kickstarter oder Startnext offengestanden. Bei anderen Flugobjekten wird das aktuell gemacht. Auch wäre ein direktes Funding möglich gewesen, wie es einst Cargolifter praktizierte. Warum statt dessen der Weg über Seedmatch?

Stephan Wolf: Wir waren in diesem Jahr als einer der Finalisten im Code_n Wettbewerb auf der CeBIT Messe eingeladen und dort hat Seedmatch einen Preis ausgelobt (http://www.gft.com/de/de/index/unternehmen/presse/presseinformationen/2013/crowdfunding_live_auf_der_cebit.html). Dadurch kamen wir sowohl mit den Preisträgern als auch mit den Machern von Seedmatch in Kontakt. Das hat uns sofort überzeugt, denn wir hatten im Rahmen unserer Überlegungen zur weiteren Finanzierung zuvor auch schon intensiv über Crowdfunding nachgedacht. Eine deutsche Plattform mit deutschen Ansprechpartnern und Sitz in Deutschland war für uns einfach die naheliegende Lösung. Zudem hat uns das Gesamtkonzept von Seedmatch überzeugt.

Klaus-Martin Meyer: Das Youtube-Video (siehe unten) vom Jungfern-Flug des e-volo hat mehr als 8.000.000 Abrufe erzielt. Wie werden Sie diesen Enthusiasmus für das Crowdfunding nutzen?

Stephan Wolf: Selbstverständlich. Das Medienecho weltweit war ja nach dem Erstflug der Machbarkeitsstudie VC1 vor zwei Jahren mehr als enorm. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet und wurden davon völlig überrollt. Jetzt haben wir mit dem VC200 einen echten Prototyp gebaut und der Erstflug vor wenigen Tagen stößt jetzt wieder auf enormes Medieninteresse weltweit. Etliche Interviews stehen noch an, z.B. mit CNN, um nur einen Namen zu nennen. Natürlich erwähnen wir dabei immer auch unser Crowdfunding bei Seedmatch, denn so können wir sehr viele Menschen dafür interessieren.

Klaus-Martin Meyer: Werden die Investoren der ersten Stunde eines Tages ihren eigenen Helikopter zu besonders günstigen Konditionen kaufen können?

Stephan Wolf: Ja, die Seriennummern 10 bis 30 des VC200 sind für Investoren von Seedmatch reserviert und beinhalten eine Kaufoption im Wert von 5.000 Euro. Allerdings muss man dafür natürlich auch eine entsprechend hohe Summe investieren.

Volocopter VC200 First Flight:

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