„Die Kombination aus Bitcoin und peer-to-peer lending wird vor allem für Bitcoin Nutzer relevant sein.“ – Interview mit Radoslav Albrecht (Bitbond.net)

Bitbond

Klaus-Martin Meyer: Radoslav, Du bist Gründer und Geschäftsführer der Firma CreditSix Marketplace GmbH. Könntest Du dich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Radoslav Albrecht: Gerne. Ich habe Wirtschaftswissenschaft studiert und insgesamt fünf Jahre bei Investmentbanken und in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Seit Anfang 2013 arbeite ich aktiv am Aufbau von Bitbond.net, eine Bitcoin peer-to-peer lending Plattform. Bitbond.net ist eine Marke der CreditSix Marketplace GmbH.

Klaus-Martin Meyer: Hand aufs Herz, wie würdest Du deinen Großeltern Bitcoins und p2p-Kredite erklären?

Radoslav Albrecht: Bitcoins sind erst mal einfach eine weitere Währung. Wenn wir eine Reise nach London unternehmen, sind wir es gewohnt Euros in britische Pfund umzutauschen – direkt oder per Kreditkarte. Das machen wir, um vor Ort einkaufen zu können. Genauso kann es sinnvoll sein, für bestimmte Bezahlvorgänge Bitcoins zu nutzen.

Eine Bezahlung mit Bitcoins ist in wenigen Sekunden ausgeführt, zu jedem Ort auf der Welt. Und das Ganze bei unschlagbar günstigen Gebühren. Umgerechnet nur wenige Cent je Überweisung. Diese Vorteile bietet momentan keine andere Währung und keine andere Bezahlmethode. Somit sind internationale Zahlungen eines von vielen Beispielen, bei denen der Einsatz von Bitcoins sich lohnt.

Zudem braucht man für Bitcoins kein Bankkonto, was in vielen Ländern dieser Welt ein großer Vorteil ist. Ich habe ein halbes Jahr in Nigeria gearbeitet. Der Großteil der Bevölkerung dort hat keinen Zugang zu einem Bankkonto, besitzt aber ein Smartphone. Gleiches trifft für viele andere afrikanische Länder zu. Somit können diese Menschen durch Bitcoin unabhängiger von Bargeldzahlungen und inflationären Heimatwährungen werden.

Ein p2p-Kredit unterscheidet sich aus Sicht des Kreditnehmers kaum von einem herkömmlichen Bankdarlehen. Mit dem Vorteil, dass die Kreditentscheidung meist deutlich schneller getroffen wird und die Zinsen geringer sind, als das bei einer Bank der Fall wäre. Diese Vorteile werden ermöglicht, indem die Kredite von Anlegern direkt anstatt von Banken finanziert werden. Der Anleger hat den Vorteil, dass er höhere Zinsen als beim Tagesgeld oder einem Sparbuch verdient und dabei sogar bestimmt, für welchen Zweck er sein Geld verleiht. In Summe werden gegenüber der Kreditvergabe von Banken Effizienzgewinne realisiert, die sowohl Kreditnehmer als auch -geber besser stellen.

Klaus-Martin Meyer: Die Bankenwelt tut sich mit einer virtuellen Währung sehr schwer, zumal diese nicht von einer Notenbank ausgegeben wird. Gibt es regulatorische Hemmnisse, die Euch das Leben erschweren?

Radoslav Albrecht: Regulatorisch ist Deutschland, was das Thema virtuelle Währungen angeht, im internationalen Vergleich sehr weit. Die Bafin hat sich klar geäußert, wie Bitcoins und andere virtuelle Währungen einzuordnen sind – nämlich als „privatrechtlich ausgegebene Komplementärwährungen“. Das ist ein Vorteil gegenüber vielen anderen Ländern, in denen Bitcoin Nutzer nicht wissen, woran sie rechtlich gesehen sind.

Gleichzeitig hoffe ich, dass der Gesetzgeber in Zukunft nicht über das Ziel hinaus schießt und das innovative Potential von virtuellen Währungen weiterhin anerkennt. Eine wesentliche Ursache für das nach wie vor bestehende Problem des too big to fail vieler Finanzinstitute ist mangelnder Wettbewerb. Die Infrastruktur heutiger Banken ist in vielerlei Hinsicht sehr kostspielig. Das macht es neuen Wettbewerbern schwer, in den Markt einzutreten. Virtuelle Währungen können dazu beitragen diesen Umstand wesentlich zu verändern.

Damit die Innovationsmöglichkeiten, die Bitcoins bieten, erhalten bleiben und weiter anerkannt werden, habe ich zusammen mit sechs weiteren Gründungsmitgliedern den Bundesverband Bitcoin e.V. gegründet. Wir wollen die weitere Verbreitung von Bitcoins moderieren und begleiten. Dazu wollen wir unter anderem in einen Dialog mit den zuständigen Behörden treten.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell ist die Währung Bitcoin extrem volatil. Solche starken Kursschwankungen können sowohl für den Kreditnehmer als auch den Kreditgeber signifikante Risiken bedeuten. Was bedeutet es für Euer Geschäft?

Radoslav Albrecht: Bitcoins sind als Währung noch recht jung und gemessen an ihrem Gesamtwert von aktuell ca. 9 Milliarden Euro noch relativ klein. Mit steigender Marktkapitalisierung wird die Bitcoin Volatilität weiter abnehmen. Ich gehe davon aus, dass die Wechselkursschwankungen in einigen Jahren im Vergleich zu anderen Währungen auf einem normalen Niveau liegen werden.

Heute kommt es darauf an, wofür die Bitcoin Darlehen verwendet werden und ob ein Umtausch in eine lokale Währung stattfindet. Ein Teil der bisher vermittelten Darlehen ist beispielsweise für Zwecke bestimmt, die überwiegend neutral gegenüber Wechselkursschwankungen sind. Das beste Beispiel bietet hier die Finanzierung von Bitcoin Mining Hardware. Bei solchen Projekten entwickeln sich die Erträge parallel zum Wechselkursverlauf. In nächster Zeit soll zudem eine Darlehensvariante mit angeboten werden, bei der Wechselkursschwankungen direkt neutralisiert werden können.

Klaus-Martin Meyer: Gib uns doch bitte einen kleinen Ausblick, wie sich aus Deiner Sicht die Themen Bitcoins und p2p-Kredite für sich genommen und in Eurer Kombination in den kommenden Jahren entwickeln werden?

Radoslav Albrecht: Ich bin davon überzeugt, dass Bitcoins sich wegen der oben genannten Vorteile als Zahlungsmittel in vielen Bereich durchsetzen werden. Zum Beispiel bei Einkäufen im Internet oder bei internationalen Geldüberweisungen. Die Verbreitungsgeschwindigkeit in den Emerging Markets wird vermutlich höher sein, als in Europa und Nordamerika. China ist hier im Moment an erster Stelle.

Wenn man Bitcoin als Protokoll betrachtet, was es technologisch gesehen ist, kann man auf dieser Basis über die reine Zahlungsmittelfunktion hinaus noch deutlich mehr entwickeln. Ein Beispiel sind dezentrale Aktienbörsen, bei denen der Eigentumsnachweis über Bitcoins stattfindet. Solche Anwendungsfälle befinden sich noch in der Ideenphase und ich erwarte, dass wir hier mittelfristig eine faszinierende Entwicklung sehen werden. In Summe werden Bitcoins und vergleichbare Protokolle dazu führen, dass die Bedeutung von Intermediären zurückgehen wird. Diese Erwartungen an Bitcoin sind aus meiner Sicht auch einer der Auslöser für die momentan stattfindende Kurs-Ralley.

Beim peer-to-peer lending erwarte ich, dass die bestehenden Plattformen in den Bereichen Konsumentenkredite und kleine Unternehmenskredite den Banken weiter signifikante Marktanteile abnehmen werden. Größter Vorreiter ist hier sicher Lending Club aus den USA. Das ist der Weg, der für weitere Länder ebenfalls vorgezeichnet ist. Aus meiner Sicht werden p2p lending Plattformen diese Kredit-Segmente langfristig zu einem Großteil übernehmen.

Die Kombination aus Bitcoin und peer-to-peer lending wird vor allem für Bitcoin Nutzer relevant sein. Ich denke, dass diejenigen die Bitcoins intensiv nutzen, auch Bitcoin p2p lending nutzen werden. In einigen Ländern wird die Phase, in denen Banken die Kreditvergabe und den Zahlungsverkehr an eine breite Masse anbieten, schlicht übersprungen. Das beste Beispiel bietet hier ein Projekt aus Kenia, das sich über Bitbond.net mit Anlegern aus verschiedensten Kontinenten finanziert hat. Die Internationalität ist auch das, was mich am meisten am p2p lending über Bitcoins fasziniert.

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