„finmar ist eine Crowdfunding-Plattform für mittelständische Kredite.“ – Im Interview mit Clas Beese

Finmar

Klaus-Martin Meyer: Clas, Du bist Geschäftsführer und Gründer bei finmar. Würdest Du dich und finmar bitte kurz vorstellen?

Clas Beese: finmar ist eine Crowdfunding-Plattform für mittelständische Kredite. Wir richten uns an Selbstständige und Unternehmer mit einem Kreditbedarf von unter 25.000 Euro. Die Kreditnehmer stellen sich auf der Plattform dar, ihr Unternehmen, ihr Projekt für das sie das Geld brauchen und vor allem sich selbst als Person und Persönlichkeit. Sie werben dann kleine Beträge von Einzelpersonen ein. Kommen 100% der benötigten Summe zusammen, so kommt es zum Kreditvertrag. Der Kredit wird monatlich zurückgezahlt, mit Zinsen. Wir sind auf die Idee gekommen, weil wir als Gründungsberater immer damit zu tun hatten, dass Gründer und Selbstständige wahnsinnig schwer an Kredite kommen. Wir haben Prosper und Lending Club in den USA beobachtet, und Smava und Auxmoney in Deutschland. Auf diesen Plattformen gab es eher wenige Kreditprojekte, aber viele Anleger. Da haben wir 1 und 1 zusammengezählt. So entstand die Idee.

Klaus-Martin Meyer: Es gibt bereits diverse Crowdlending-Marktplätze. Warum wird Euer Marktsegment bisher nur unzureichend versorgt?

Clas Beese: Unsere Kreditnehmer sind Selbstständige und Unternehmer, das unterscheidet uns von den anderen drei Plattformen, die für Konsumenten ausgelegt sind. Wir spezialisieren uns damit auf eine Nische und bewegen uns in einem kleineren Markt. Die anderen Crowdlending-Plattformen haben sich für einen größeren Markt entschieden, vermutlich weil damit die Wachstumschancen größer sind und die wiederum für Venture Capital entscheidend sind. finmar ist nicht durch Venture Capital finanziert.

Klaus-Martin Meyer: Wie sind die von Euch avisierten Kreditnehmer unter Risikoaspekten zu beurteilen?

Clas Beese: Wir prüfen die Identität und die Bonität unserer Kreditnehmer. Die schlechten Bonitäten werden nicht zugelassen. Die Entscheidung über das Ausfallsrisikio, bzw. positiv formuliert, die Rückzahlungswahrscheinlichkeit überlassen wir dem einzelnen Anleger. Damit das möglich ist, gehen wir viel weiter als bisher im Crowdlending üblich. finmar verfolgt das Transparenzprinzip, d.h. dass sich die Kreditnehmer mit ihren echten Namen darstellen. Zudem ist das Projektvideo mit Kreditnehmer obligatorisch. Wir glauben, dass die Entscheidung das eigene Geld als Kredit zu vergeben eine Vertrauensfrage ist. Nämlich die, ob der Kreditnehmer die ernsthafte Absicht hat, mir das Geld zurückzuzahlen oder nicht. Und diese Vertrauensfrage wird mit dem Bauchgefühl beantwortet, nicht mit dem Business Plan. Durch das Video wollen wir diese Vertrauensentscheidung zu den Anlegern nach Hause bringen. Zudem besteht natürlich die Möglichkeit, sich die angegebenen Informationen anzuschauen und direkt Fragen zu stellen.

Die Kredite, maximal 25.000 Euro pro Kreditnehmer, sind nicht besichert. Aber durch das Transparenzprinzip kann man davon ausgehen, dass unter den Anlegern auch Kunden des Kreditnehmers sind. Somit ist der Kredit quasi mit der sozialen Reputation des Unternehmers besichert. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass der Kreditnehmer immer die natürliche Person ist, nicht die juristische Person wie eine GmbH oder UG. Also selbst wenn das Projekt floppt, schuldet der Kreditnehmer den Anlegeren immer noch das Geld.

Klaus-Martin Meyer: Welche Rolle spielen regulatorische Dinge im Rahmen Eures Geschäftsmodells? Ist Fidor die Bank, die über mögliche Hürden hinweg hilft?

Clas Beese: Wir bewegen uns in einem hoch regulierten Markt. Das war insofern manchmal schwierig, weil die Regeln für Banken gemacht worden sind und nicht für Crowdlending. Wir haben einen Weg gefunden, sämtliche Regeln einzuhalten, was leider manchmal auf Kosten der Usability unserer Plattform führt. Fidor fungiert als Kreditgeber mit Vollbanklizenz. Allerdings ist die Fidor viel, viel mehr als nur ein Partner mit Banklizenz. Wir haben das Micro-Paymentsystem, das FidorPay Konto, tief in unsere Abläufe integriert. Das ist schon ein wahnsinnig innovatives Produkt, das Crowdlending überhaupt erst möglich macht. Nicht umsonst gilt die Fidor Bank als innovativste Bank Europas, wenn nicht gar der Welt. Und wir freuen uns darauf, viele weitere Features mit Fidor für unsere Kunden zu entwickeln.

Klaus-Martin Meyer: Dieses Jahr ist ja schon so gut wie um. Wo seht Ihr Euch Ende 2014?

Clas Beese: Ende 2014 werden wir sehr viel schlauer sein als heute. Wir werden ein Jahr Geschäftsbetrieb hinter uns haben und von unseren Kunden, den Kreditnehmern und den Anlegern, viel gelernt haben. Unsere Prozesse sind durch einen Realitäts-Check gegangen. Wir haben hoffentlich ein paar Handvoll Projekte erfolgreich vermittelt und damit einen Proof of Concept für finmar erbracht.

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